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Radioaktive Abfälle: Bundesamt kann Sicherheit des Atomlagers Asse nicht garantieren

Das Bundesamt für Strahlenschutz hält das Atomlager Asse für unsicher und befürchtet großflächige Wassereinbrüche. Die Behörde sieht ein "Versagen des Staates" bei der Aufsicht und wirft den AKW-Betreibern vor, das Forschungsbergwerk als Endlager für Atommüll missbraucht zu haben.

Remlingen - Wolfram König fand deutliche Worte, als er am Donnerstag das Bergwerk bei Wolfenbüttel besuchte, für das er seit Januar die Verantwortung trägt. Er könne für die Sicherheit der Asse nicht garantieren, sagte der Chef des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS). "Ob wir die notwendige Sicherheit erreichen, steht völlig in den Sternen."

Schachtanlage Asse: Ein Radlader kippt Fässer mit radioaktivem Müll in eine Kammer Zur Großansicht
dpa

Schachtanlage Asse: Ein Radlader kippt Fässer mit radioaktivem Müll in eine Kammer

Das zentrale Problem beim Versuch, das Atomlager sicher für Hunderttausende Jahre zu schließen, sei der seit 1988 zu verzeichnende Eintritt von rund zwölf Kubikmetern Wasser täglich. Als schlimmstes Szenario sei denkbar, dass es zum "Absaufen" des Lagers komme.

König kritisierte ein "Versagen des Staates bei Betrieb und Aufsicht über die Asse". Das offiziell Forschungszwecken dienende Bergwerk "war von Anfang an" eine "kostengünstige" Entsorgungsanlage für den radioaktiven Abfall der Atomkraftwerke (AKW), sagte der BfS-Präsident. Aus sämtlichen in den sechziger und siebziger Jahren in Deutschland betriebenen AKW sei schwach- und mittelradioaktiver Müll in die Asse geliefert und dort eingelagert worden.

Forschung über die Eignung von Salz zur Endlagerung von Atommüll habe dagegen immer nur eine untergeordnete Rolle gespielt, erklärte König. Kostenfragen hätten damals auch dazu geführt, das marode ehemalige Salzbergwerk zu wählen statt neue Formationen unter der Erde zu erschließen.

Zudem habe das Helmholtz-Zentrum als langjähriger Betreiber die Wassereintritte über Jahre verschwiegen, führte König aus. Das Zentrum habe dann auch noch gemahlenes Salz zur Stabilisierung des einsturzgefährdeten Grubengebäudes verwendet, was der "falsche Weg" gewesen sei. Das BfS, das die Asse auch wegen Verstößen des Helmholtz-Zentrums gegen Strahlenschutzvorschriften seit 1. Januar nach Atomrecht betreibt, will nun die Hohlräume mit Beton stabilisieren.

König versicherte, noch in diesem Jahr solle die Entscheidung fallen, welche von drei angedachten Optionen für die Asse verfolgt werden soll. Geprüft wird, den Müll herauszuholen oder in tiefere Bereiche des Bergwerks umzulagern. Die dritte Option wäre, die vorhandenen Kammern möglichst dicht aufzufüllen, und zwar mit 126.000 Fässern mit schwach- und mittelradioaktivem Abfall.

In dem heute einsturzgefährdeten Bergwerk wurde von 1967 bis 1978 Atommüll eingelagert. Offenbar hatten die Energiekonzerne ab Mitte der siebziger Jahre besondere Eile, noch möglichst viel atomaren Abfall in der Asse unterzubringen. Im September 1976 trat die Entsorgungsnovelle des Atomgesetzes in Kraft, die Endlagerung zur Aufgabe des Bundes machte. Weil das Bergwerk Asse den neuen gesetzlichen Anforderung nicht entsprach, wurde die Einlagerung dort 1978 schließlich eingestellt.

Nach jüngsten Recherchen der Umweltorganisation Greenpeace drängten Stromkonzerne den damaligen Asse-Betreiber Gesellschaft für Strahlen und Umweltforschung (GSF, heute Helmholtz Zentrum München) bei den Einlagerungen Mitte der siebziger Jahre erfolgreich zu einer Senkung der Sicherheitsstandards. Danach durften angelieferte Fässer ab Dezember 1975 fünfmal mehr Radioaktivität enthalten als ursprünglich vorgesehen. König sagte dazu, es sei "auffällig", dass 30 Prozent der gesamten Abfälle erst in den letzten Jahren vor dem Einlagerungsstopp verklappt worden seien. In der Asse landeten auch hochgiftiges Arsenund radioaktive Abfälle der Bundeswehr.

hda/AFP/ddp/AP

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Forum - Billigstrom dank Atom?
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1.
Serrax 26.03.2009
Zitat von sysopUnion und FDP fordern längere Laufzeiten für die deutschen Kernkraftwerke. Kann Strom so wieder billiger werden? Oder sind die Risiken zu groß?
Nein - wir produzieren noch immer gut 2/3 unseres Stroms aus fossilen Energiequellen (Steinkohle, Braunkohle, Erdgas). Diese werden immer teurer - da helfen 20% Atomstrom gar nichts. Der Atomausstieg sollte wie geplant fortgesetzt werden und vor allem die ältesten und unsichersten AKW vom Netz gehen.
2.
Oggy, 26.03.2009
Weshalb sollte der Strom dadurch billiger werden? Doch nicht etwa weil sich die Kosten für Entwicklung, Bau etc amortisiert haben?! Der Kunde bezahlt doch jetzt schon den hohen Preis für Strom und die verschiedenen Steuern auch. Wobei, dann könnten ja die Steuern fürs EEG und KWKG wegfallen...ach was, den fällt bestimmt noch was neues ein. Vielleicht eine Strahlenschutzsteuer oder eine Leukämieabgabe. Einzig und allein den großen Energiekonzernen und ihren geldgierigen Aktionären kommt eine verlängerte Laufzeit zu Gute. Warum teuer Planen wenn man billig bauen kann.
3. blöde Frage .... billiger....
Fackus 26.03.2009
es darf doch nicht um billig oder weniger billig gehen bei der Energieerzeugung. Sondern nur darum, daß es auch ökologisch sinnvoll ist. Und da sind KKWs heute eben die beste Lösung. Nur in Deutschland wird das nicht erkannt. Schande für ein angebliches 'Hochtechnologieland'. Der deutsche Michel - der ewige Penner.
4.
kdshp 26.03.2009
Zitat von sysopUnion und FDP fordern längere Laufzeiten für die deutschen Kernkraftwerke. Kann Strom so wieder billiger werden? Oder sind die Risiken zu groß?
Hallo, was hat der strompreis mit atomkraft zu tuen ? Und wenn wir in D 100000 atomkraftwerke hätten würden wir immer mehr zahlen müssen weil der preis für den strom an der stromBÖRSE gemacht wird.
5.
GrafZahl 26.03.2009
Zitat von sysopUnion und FDP fordern längere Laufzeiten für die deutschen Kernkraftwerke. Kann Strom so wieder billiger werden? Oder sind die Risiken zu groß?
Das wurde hier endlos totdiskutiert, mit immer denselben Argumenten. Fest steht: wer bei der Bundestagswahl CDU/CSU oder FDP wählt, wählt Atomkraftbefürworter, die auch in Deutschland neue AKWs bauen wollen. Wer SPD wählt, wählt Atomkraftbefürworter, die dasselbe tun würden, aber dabei ein schlechtes Gewissen hätten.
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