Archäologie CO2-Ausstoß fälscht Alter von Gegenständen

Die Radiokarbon-Methode ist das wichtigste Werkzeug für Archäologen - sie erlaubt die Altersbestimmung. Der Ausstoß von CO2 aber verfälscht die Daten.

Eingewickelte Mumie: Alter kaum noch zu unterscheiden
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Eingewickelte Mumie: Alter kaum noch zu unterscheiden


Der CO2-Ausstoß von Autos, Fabriken und Kraftwerken raubt Wissenschaftlern ein wichtiges Instrument, mit dem sie das Alter von Gegenständen bestimmen. Die bedeutende Radiokarbon-Methode verliere ihre Aussagekraft, berichtet Heather Graven vom Imperial College in London.

Die Methode ermittelt die Menge von C14, einer radioaktiven Variante von Kohlenstoff in Holz, Knochen oder Stoff. C14 zerfällt mit konstanter Rate. Seine Menge im Verhältnis zum stabilen, deutlich häufigeren Kohlenstoff-Isotop C12 zeigt also, wie alt ein Objekt ist.

C14 entsteht in höheren Luftschichten unter Wirkung kosmischer Strahlung. Lebewesen nehmen C14 mit CO2 auf. Sobald sie sterben, stoppt die Zufuhr von C14 - ab dann läuft die Radiokarbon-Uhr, das C14 in der Pflanze oder dem Knochen zerfällt mit einer Halbwertzeit von knapp 6000 Jahren - dann sind also nur noch die Hälfte der C14-Partikel vorhanden.

Die Radiokarbon-Uhr läuft

Die künstliche Zufuhr von CO2 aus Abgasen verändert das Verhältnis von C12 und C14 in der Atmosphäre: Die Abgase stammen aus Kohle, Gas oder Öl, das vor Jahrmillionen entstand, sie enthalten kein C14. Denn das ursprünglich auch darin enthaltene Isotop ist schon nach wenigen Zehntausend Jahren komplett zerfallen.

Substanzen, die heutzutage das CO2 aus der Luft aufnehmen, enthalten also von Beginn an wenig C14, mithin einen unnatürlich hohen Anteil von C12. Die Folge: Sie sind quasi künstlich gealtert - die Radiokarbonmethode zeigt fortgeschrittenes Alter.

Gemessen an der Radiokarbon-Methode "altere" die Luft pro Jahr um 30 Jahre, schreibt Heather Graven im Wissenschaftsmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences". Die künstliche Alterung führe dazu, dass sich alte von neuen Gegenständen immer schlechter unterscheiden ließen.

Das Radiokarbon-Alter von Substanzen, die 2050 entstünden, würde jenen ähneln, die tausend Jahre alt sind. 2100 wiesen Stoffe bereits bei ihrer Entstehung ein Radiokarbon-Alter von 2000 Jahren auf - die Methode könnte also nicht mehr unterscheiden, ob ein Holzgegenstand aus dem Alten Rom oder der Gegenwart kommt.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Artikels stand, dass die C14-Methode ab einem Alter von gut 10.000 Jahren versagt. Korrekt ist, dass die Methode ab dieser Zeit bislang kaum noch Ergebnisse geliefert hat. Wir bedauern den Fehler.

boj

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