Erdmagnetfeld Satelliten entlarven Weltraumbeben

Ein Magnetfeld schützt die Erde vor gefährlicher Strahlung - Sonnenstürme können es gewaltig beben lassen. Satelliten offenbaren, was vor sich geht.

Grafische Animation des Erdmagnetfelds
NASA

Grafische Animation des Erdmagnetfelds


Sonnenstürme können das Erdmagnetfeld erschüttern, regelrechte Weltraumbeben wurden registriert. Dadurch vibrieren Kompassnadeln, es leuchten Polarlichter - und für Raumfahrer könnten die Erschütterungen gefährlich werden.

Jetzt zeigt sich, auf welche Weise der magnetische Schutzschild der Erde vibriert: Er wabert wie eine Trommel.

Aufnahmen der "Themis"-Satelliten der US-Raumfahrtbehörde Nasa, die das Phänomen enthüllten, können die Vorhersage von Schäden durch Sonnenstürme verbessern, berichtet ein Team um Martin Archer von der Queen Mary University in London im britischen Fachblatt "Nature Communications", das die Daten erhoben hat.

Das Erdmagnetfeld formt einen Schutzschild im All, der energiereiche, elektrisch geladene Teilchen aus dem Kosmos abwehrt. Eine Quelle dieser Teilchen ist die Sonne, von der ein kontinuierlicher Teilchenstrom abfließt, der sogenannte Sonnenwind.

Schäden auf der Erde

In unregelmäßigen Abständen schleudert unser Zentralgestirn geballte Wolken energiereicher Teilchen ins All. Rast so ein Sturm Richtung Erde, kann er Satelliten im Orbit und Stromnetze beschädigen, Kommunikation und Luftverkehr lahmlegen und andere Probleme verursachen.

ANZEIGE
Axel Bojanowski:
Wetter macht Liebe

Wie Wind und Wolken unsere Gefühle verändern und andere rätselhafte Phänomene der Erde

DVA; 224 Seiten; 14,99 Euro.

Um solche Situationen vorhersehen zu können, wollen Forscher das Verhalten des magnetischen Schutzschilds besser kennenlernen. Schon vor 45 Jahren sagten Experten, dass der Magnetschild in Schwingung versetzt werden könnte, wenn er von einer Teilchenwolke getroffen wird. Bislang konnten solche stehenden Wellen jedoch nicht nachgewiesen werden.

Fotostrecke

9  Bilder
Erdmagnetfeld in Gefahr: Beweise in afrikanischen Hütten

"Es gab Spekulationen, dass diese trommelähnlichen Vibrationen vielleicht gar nicht entstehen, da seit ihrer Vorhersage vor 45 Jahren die Belege fehlten", berichtet Archer in einer Mitteilung seiner Hochschule. "Eine andere Möglichkeit war, dass sie einfach sehr schwer definitiv nachzuweisen sind."

"Größte Trommel der Welt"

Mit den "Themis"-Satelliten der Nasa ist den Wissenschaftlern der Nachweis nun gelungen. Die fünf Satelliten waren gerade richtig in Position gebracht, als ein großer Impuls von der Sonne den irdischen Magnetschild anschlug wie ein Klöppel eine Trommel.

Tatsächlich ließen sich stehende Wellen nachweisen, wie sie sich auch auf dem Fell einer Trommel ausbilden. "Wir haben die größte Trommel der Welt entdeckt", kommentierte Archer in einem Begleitvideo seiner Universität. "Diese Trommel ist Dutzende Male größer als der Planet Erde."

Die Forscher glauben, dass auch die Magnetschilde anderer Planeten wie Merkur, Jupiter und Saturn auf dieselbe Weise schwingen können. Weitere Untersuchungen sollen klären, wie oft diese Vibrationen im irdischen Magnetschild vorkommen und welche Konsequenzen sie haben.

boj/dpa



insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
svizzero 14.02.2019
1. Willkommen im realen All
... und wir winzigen Würstchen glauben, wir könnten die Welt retten. ... ein richtig schöner Sonnenwind und hier auf der Erde ist a) Lichterlöschen und b) herrscht in wenigen Tagen Anarchie. Auch dieser Beitrag zeigt, wir wissen (fast) nichts, glauben aber alles zu wissen...
permissiveactionlink 14.02.2019
2. CME's,
coronal mass ejections auf der Sonne (Koronale Massenausbrüche), gefährden nicht nur Satelliten im Erdorbit durch massive Partikelstrahlungen und Energiesysteme auf der Erde durch Wechselwirkung mit dem Erdmagnetfeld (Polarlichter !), wobei Überspannungen in Hochspannungsleitungen ganze Versorgungssysteme lahmlegen können. Sie führen auch zu sogenannten SID's (Sudden Ionospheric Disturbances), Störungen der für den kontinentalen und interkontinentalen Funkverkehr wichtigen Ionosphärenschichten, der D-, E- und F-Schichten auf der Tagseite der Erde. Durch eine extreme Ionisation dieser Schichten, hervorgerufen durch sehr starke Röntgenstrahlung, kommt es zum Abbruch des Funkverkehrs unterhalb der MUF ( Maximum Usuable Frequency) der jeweiligen Schichten. Im Extremfall, man spricht dann vom "Mögel-Dellinger-Effekt", kommt es für Stunden zum totalen Blackout der Kommunikation, indem die Röntgenstrahlung bis zur untersten D-Schicht wirkt, und diese extrem ionisiert. Dadurch wird die sonst übliche differentielle Refraktion in der Ionosphäre unmöglich, die Funkwellen werden also nicht Richtung Erdboden zurückgelenkt (es handelt sich nicht um Reflexion !). Nur auf Lang- und Längstwellen ist dann noch Kommunikation möglich, und sogar besser als sonst : denn diese Wellen bewegen sich in einem Sphärischen Hohlleiter zwischen Erdboden und leitender D-Schicht am besten. Man bemerkt einen SID oder Mögel-Dellinger, und damit einen koronalen Massenauswurf auf der Sonne,, weil Langwellenstationen unvermutet ungewöhnlich laut werden. Beide Ereignisse liegen aber um Tage zeitversetzt, da der Transport der Plasmawolke von der Sonne zur Erde Zeit erfordert, und nicht mit Lichtgeschwindigkeit erfolgt.
weto1 15.02.2019
3. @2: Funk ist das eine...
...aber wir leben doch ganz prächtig mit Untersee-Glasfaserkabeln, über die das interkontinentale Internet läuft. Das sollte kaum betroffen sein. Natürlich sind alle oberirdischen Leitungen gefährdet, aber ganz auslöschen wird es unsere Zivilisation wohl kaum.
wassolldasdenn52 15.02.2019
4. Die Frage ist,
was heisst hier immer "kann"? Vielleicht sollten die Herren Wissenschaftler mal eindeutig Stellung beziehen, was tatsächlich und wie genau es passieren würde. Das Kann ist mir in solchen Beiträgen immer zu vage! Stromnetze beschädigen, heisst das, dass durch Induktion Überspannungen auftreten und nur Schutzeinrichtungen auslösen oder werden Hochspannungsleitungen in Schwingungen versetzt, die die Leitungen zum Reissen bringen? Schutzeinrichtungen sind ja dazu da, dass abgeschaltet wird und später, wenn die Gefahrenlage vorbei ist, wieder eingeschaltet wird. Also nicht unbedingt grössere Folgeschäden nach sich ziehen. Da sind mir die Aussagen in den Berichten einfach zu schwammig.
schwerpunkt 15.02.2019
5.
Zitat von weto1...aber wir leben doch ganz prächtig mit Untersee-Glasfaserkabeln, über die das interkontinentale Internet läuft. Das sollte kaum betroffen sein. Natürlich sind alle oberirdischen Leitungen gefährdet, aber ganz auslöschen wird es unsere Zivilisation wohl kaum.
Irgendwo kommen die Unterseekabel aber wieder an Land und werden dann in elektrische Signale übersetzt. Im Extremfall kann so ein Sonnensturm wie ein globaler EMP wirken. dann wären nur wirklich gehärtete Systeme geschützt. maßgeblich für das Risiko ist aber das schwächste Glied (am wenigsten gehärtete) in der Kette.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.