Rätselhaftes Tiefseewesen Riesenkalmar im Golf von Mexiko gefangen

Große Kalmare gehen Fischern und Forschern nur äußerst selten ins Netz. Doch nun zogen Wissenschaftler im Golf von Mexiko zufällig ein Sechs-Meter-Prachtexemplar an Bord - leider überlebte das Tiefseetier nicht.

AP

Washington - Riesenkalmare, jene Kreaturen aus der Tiefe des Meeres mit ihren riesigen Augen, faszinieren die Menschen von jeher - vor allem, weil so wenig über die Unterwassergiganten bekannt ist. In den vergangenen Jahren sind Fischern weltweit immer wieder mal einzelne Riesenkalmare ins Netz gegangen, manchmal werden deren Überreste auch am Strand angespült. Doch vor der Mississippi-Mündung blieb 55 Jahre alles ruhig. Im Jahr 1954 wurde das letzte Tier im Golf von Mexiko gesichtet. Der Kalmar trieb vor dem Mississippi-Delta - und war tot.

In diesem Sommer ist dort nun wieder eines der seltenen Exemplare ins Netz gegangen - wie erst jetzt bekannt wurde. Das US-Innenministerium erklärte, die Crew des Forschungsschiffs "Gordon Gunter" habe einen Riesenkalmar am 30. Juli in einer Tiefe von 1500 Metern gefangen. Das fast sechs Meter lange Tier habe rund 50 Kilogramm gewogen. Damit hat der Kalmar in etwa die Dimensionen des aus Neuseeland stammenden Exemplars, das im Meeresmuseum Stralsund ausgestellt wird.

Es war eher ein Zufallsfang. Eigentlich wollten Wissenschaftler der Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA und vom Minerals Management Service vom Schiff aus die Ernährung von Pottwalen untersuchen. Dazu wollten sie Tintenfische fangen, die den riesigen Meeressäugern als Nahrung dienen. Der Riesenkalmar steht zwar ebenfalls auf deren Speisekarte, doch wohl kaum einer der Forscher dürfte damit gerechnet haben, solch ein Tier tatsächlich an die Oberfläche zu bringen. Die Beute überlebte den raschen Transport aus der Tiefe allerdings nicht.

Überreste im Walmagen

Der tote Riesenkalmar soll nun im National Museum of Natural History der Smithsonian Institution in Washington weiter untersucht werden. "Der Fang zeigt, wie wenig wir darüber wissen, was in den tiefen Wassern des Golfs von Mexiko herumschwimmt", sagt der NOAA-Abteilungsleiter Michael Vecchione. Dass es im Golf einige Riesenkalmare geben muss, hatten die Forscher allerdings schon vermutet. Sie hatten immer wieder Überreste der Tiere im Magen von Walen gefunden.

Über die Lebensweise der Riesenkalmare wissen Forscher wenig, was auch daran liegt, dass sie lange Zeit ausschließlich tote Tiere untersuchen konnten. Im Jahr 2005 war es japanischen Forschern erstmals gelungen, einen der sagenumwobenen Unterwasserriesen in freier Wildbahn aufzuspüren und Hunderte Fotos des lebenden Tieres zu machen. Ein Jahr später gelang es, den Fang eines Riesenkalmars zu filmen. Das Tier starb allerdings bei der Aktion.

chs/Reuters

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