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Räumliches Sehen: Küken mögen keine unlogischen Bilder

Von wegen dummes Huhn! Schon kurz nach der Geburt können Küken in Bildern räumliche Tiefe erkennen und dreidimensionale Konzepte erfassen. Das wollen italienische Forscher herausgefunden haben. Geholfen haben ihnen unmögliche Bilder eines Würfels.

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Hühnerküken: Frisch geschlüpfte Tiere mit überraschenden Fähigkeiten

Was ist das? Es ist klein, gelb, flauschig - und cleverer als man denkt? Vermutlich ein Küken. Denn das winzige Federvieh hat in Experimenten überraschende Ansätze von abstraktem Denken gezeigt. Nun haben italienische Forscher zeigen können, dass die Tierchen wohl auch in der Lage sind, realistische von unrealistischen Abbildungen zu unterscheiden.

Im konkreten Fall ging es um einen Würfel. Einmal wurde dem Vogelnachwuchs eine perspektivisch richtige Zeichnung gezeigt, ein anderes Mal eine, die es in der realen Welt nicht geben kann. Selbst frisch geschlüpfte Tiere hätten sich häufiger dem perspektivisch korrekten Bild genähert, berichten Forscher um die Psychologin Lucia Regolin von der Universität Padua. Das zeige, dass Hühner von Geburt an räumliche Tiefe in Bildern erkennen und dreidimensionale Konzepte logisch erfassen können, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Biology Letters".

Um in Zeichnungen Tiefe zu erkennen, nutzt das Gehirn von Wirbeltieren verschiedene Hinweise: etwa Schatten, sich überlagernde Flächen oder zusammenlaufende Linien. Verdeckt zum Beispiel eine Eiche teilweise ein Haus, schlussfolgert das Gehirn, dass der Baum vor dem Gebäude wächst. Widersprechen sich die Anhaltspunkte jedoch, entsteht eine sogenannte "unmögliche Figur", wie sie der Künstler M. C. Escher vielfach gezeichnet hat.

Frühere Studien haben nahegelegt, dass bereits vier Monate alte Babys solche unmöglichen von möglichen Objekten unterscheiden können. Unklar war bislang, ob auch Tiere dazu in der Lage sind und ob diese Fähigkeit angeboren ist, oder erst durch visuelle Erfahrungen entwickelt werden muss.

Perspektivisch korrekte Würfelzeichnungen im Test bevorzugt

Das Forscherteam führte dazu Versuche mit 157 Haushuhnküken durch. Als Testmaterial verwendeten die Versuchsleiter zwei plastische Zeichnungen eines Würfels aus Balken. Bei der "möglichen" Variante verdeckten die vorderen Kanten in den Schnittpunkten perspektivisch korrekt die weiter hinten im Bild liegenden Kanten. Widersprüchlich waren die Tiefenhinweise dagegen bei der "unmöglichen" Variante: Zwei der hinteren Balken schienen vor zwei vorderen Balken zu liegen.

Zu Beginn der Testphase eines jeden Kükens setzten die Versuchsleiter das Tier in einen Käfig. An einer Wand des Käfigs waren die beiden Würfelbilder mit Abstand nebeneinander aufgehängt. Die Forscher platzierten die Hühnerbabys mittig auf der gegenüberliegenden Käfigseite, so dass die Tiere auf die beiden Bilder blickten und von beiden Bildern gleich weit entfernt waren. In den folgenden sechs Minuten maßen die Wissenschaftler, wie lange sich die Küken jeweils in der Nähe des linken oder rechten Bildes oder der neutralen Wand aufhielten.

Das Resultat: Die Küken bevorzugten die perspektivisch korrekten Würfelzeichnungen. Sie hielten sich deutlich häufiger in der Nähe des Würfels auf, der auch so in der Realität existieren könnte. Für die Forscher legen die Ergebnisse nahe, dass eine Vorliebe für Abbildungen von real möglichen Objekten angeboren ist. Außerdem seien die Gehirne der Hühner offenbar schon kurz nach Geburt in der Lage, flache Linien in dreidimensionale Bilder umzuwandeln und zu erkennen, ob eine räumliche Anordnung schlüssig ist.

chs/dapd

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