Gäbe es einen Preis für den sympathischsten Fisch der Welt, sollten sich Piranhas besser gar nicht erst bewerben. Schön sind sie nicht, nett schon gar nicht. Und Pygocentrus nattereri ist von allen der Schlimmste. Man nennt ihn auch Roter Piranha, und die Farbe ist in diesem Fall Programm: Er gilt als der aggressivste unter den Piranhas, und schon die anderen vier Gattungen sind nicht gerade für ihre Friedfertigkeit bekannt.
Nicht umsonst also würden die meisten Menschen eher auf ein gemeinsames Bad mit Piranhas verzichten. Nicht so Eric Parmentier. "Man muss die Roten Piranhas nur in die Hand nehmen", sagt der Universität im belgischen Lüttich, "und schon geben sie Geräusche von sich." Parmentier bezahlte die Experimente mit einigen Bisswunden, seine Kollegin Sandie Millot beinahe mit noch mehr. "Wir waren beide im Krankenhaus, weil wir gebissen wurden", sagt Parmentier. "Bei Sandie wurde ein Finger fast in der Mitte durchgebissen."
Geräusche für drei Situationen
Dass Fische mit Tönen kommunizieren können, ist bereits bekannt. Pazifische Heringe etwa furzen über drei Oktaven, und auch von Piranhas wusste man, dass sie nicht immer still sind. Unbekannt aber war, wozu die Geräusche gut sind. Deshalb hängten die belgischen Forscher ein Unterwassermikrofon in ein Becken mit mehreren kleinen Piranha-Gruppen und filmten sie zugleich.
Dabei stellte sich heraus, dass die Piranhas generell eher schweigsam sind. Kam es aber zum Streit, wurde es laut im Wassertank. Bei einer Konfrontation mit einem Artgenossen gaben die Fische sie eine Art Bellen von sich, um den Kontrahenten zu vertreiben. Kämpften sie um Futter oder kreisten einen Gegner ein, produzierten sie ein kurzes, trommelndes Geräusch. Schnappte ein Piranha nach einem anderen, erzeugte er dagegen einen weicheren, quakenden Laut mit den Kiefern.
Die Forscher untersuchten auch, wie die Fische die Bell- und Trommelgeräusche produzierten. Sie stimulierten den an der Schwimmblase befestigten Muskel, den Piranhas zur Geräuschproduktion einsetzen. Anschließend maßen sie die Vibration der Schwimmblase. Das Ergebnis: Die Blase hörte auf zu schwingen, sobald der Muskel sich nicht mehr zusammenzog. Die Kontraktionsrate bestimmt somit direkt die Frequenz der Bell- und Trommelgeräusche.
Doch Rätsel bleiben. Denn bisher haben die Forscher nur untersucht, wie die Fische bei aggressivem Verhalten klingen. Doch selbst Piranhas beißen nicht nur, sie balzen auch. Das Problem: In Gefangenschaft sind die Raubfische recht lustlos. "Es ist schwierig für die Fische, sich im Aquarium zu vermehren", meint Parmentier. Deshalb müsse man wohl zum Amazonas reisen - um vor Ort zu erkunden, wie Piranhas bei der Liebe klingen.
mbe/dpa
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