Raubsaurier in Deutschland Das Monster von Minden

Vor 163 Millionen Jahren streifte ein mächtiger Raubsaurier durchs heutige Nordrhein-Westfalen - er hatte Zähne so groß wie Bananen. Das rätselhafte Tier gehört zu einer bislang unbekannten Art.

Rekonstruktionszeichnung von Wiehenvenator albati
Joschua Knüppe/ LMU

Rekonstruktionszeichnung von Wiehenvenator albati


Vor 17 Jahren waren seine Überreste in einem Steinbruch im Wiehengebirge bei Minden gefundenen worden - und schnell hatte das vermutlich acht bis zehn Meter lange Tier seinen martialischen Spitznamen weg: das "Monster von Minden". Nun ist der etwa 163 Millionen Jahre alte Raubsaurier eindeutig als erster Angehöriger einer Art einer bislang unbekannten Dinosauriergattung klassifiziert worden.

Das Tier trage nun den wissenschaftlichen Namen Wiehenvenator albati, teilte die Universität München mit. Bei dem Saurier handelt es sich demnach um den größten Raubsaurier, der in Deutschland gefunden wurde. Wie der Tyrannosaurus rex sei er auf den Hinterbeinen gelaufen.

Im Vergleich mit anderen Raubsauriern sei der Saurier sehr kräftig gebaut gewesen - und habe mehr als zwei Tonnen gewogen. Wahrscheinlich war das entdeckte Exemplar, das Zähne so groß wie Bananen hatte, noch nicht einmal ausgewachsen.

Reif für die Insel

Wie der Münchener Paläontologe Oliver Rauhut erklärte, war zu der damaligen Zeit Mitteleuropa zwar in großen Teilen von Meer bedeckt. Der Saurier habe aber vermutlich auf Inseln gelebt.

"Offenbar gab es auf diesen Inseln eine große Bandbreite zum Teil sehr großer Raubsaurier - und zwar überwiegend aus der Gruppe der Megalosaurier, wie Funde aus Frankreich und England sowie der neue Raubsaurier aus Deutschland zeigen, der ebenfalls zu dieser Gruppe gehört", so Rauhut.

Die Megalosaurier waren die ersten Riesenraubdinosaurier der Erdgeschichte. Nach einer stammesgeschichtlichen Analyse der Verwandtschaftsverhältnisse gehörte der Wiehenvenator zu einer Großgruppe, deren Artenreichtum im mittleren Jura geradezu explosionsartig zunahm.

"Zu dieser Zeit entstanden praktisch alle wichtigen Raubsauriergruppen, darunter auch die Tyrannosaurier, die erst 80 Millionen Jahre später wirklich gigantische Formen hervorbrachten, und auch die ersten direkten Vogelvorfahren", sagte Rauhut.

Für dieses rasche Entstehen neuer Arten habe vermutlich das Aussterben eines Großteils der altertümlicheren Raubsaurier sozusagen den Weg freigemacht. Möglicherweise geschah dies aufgrund eines durch Vulkanausbrüche ausgelösten Klimawandels.

chs/AFP



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