Raubvogel-Video Kopfkamera enthüllt Jagdtechnik von Falken

Dank immer kleinerer Kameras können Forscher Raubtiere beim Jagen aus direkter Nähe beobachten. Aufnahmen mit Falken zeigen nun, wie raffiniert sich die Vögel auf ihre Opfer stürzen.

Journal of Experimental Biology

Auf der Skipiste sieht man Helmkameras immer häufiger. Doch nicht nur wagemutige Menschen können auf diese Weise spektakuläre Videos drehen. Forscher bestücken inzwischen auch Vögel mit Minikameras, um mehr über ihre Lebensweise zu erfahren.

Im Fachblatt "The Journal of Experimental Biology" berichten Wissenschaftler nun über die Jagdtechnik von Falken. Suzanne Amador Kane vom Haverford College in Pennsylvania hatte die Raubvögel mit einer Minikamera bestückt, um zu erfahren, wie die Tiere andere Vögel verfolgen.

In der Tierwelt seien verschiedene Techniken beobachtet worden, schreibt die Forscherin. "Die einfachste Strategie ist die klassische Verfolgung." Der Räuber visiere das Opfer direkt an und fliege oder laufe in diese Richtung. Dokumentiert wurde dies unter anderem bei Sandlaufkäfern, die auch sehr gut fliegen können.

Etwas raffinierter ist die Strategie von Hunden. Sie pirschen sich nicht frontal, sondern seitlich an sich bewegende Ziele heran - behalten ihr Opfer quasi in den Augenwinkeln und nähern sich ihm in einem konstanten Winkel. Eine noch ausgeklügeltere Variante davon ist die sogenannte Bewegungstarnung (motion camouflage). Der Jäger pirscht sich dabei ebenfalls seitlich an - und folgt dabei zusätzlich jeder Richtungsänderung seines Opfers. Das Opfer würde seinen Jäger dann immer aus demselben Winkel sehen, sofern es den Verfolger überhaupt bemerkt.

Sie fahren die Krallen aus

Bislang sei unklar gewesen, welche Strategie Falken verfolgten, schreibt Amador Kane. Die Auswertung der teils stark verwackelten Videos zeigte jedoch einen klaren Trend: Die Raubvögel bevorzugen die getarnte Verfolgung. Sie nähern sich seitlich in einem konstanten Winkel ihrem Opfer und machen dabei jede Zickzackbewegung ihrer Beute mit. Der berechnete Anflugwinkel lag bei etwa acht Grad, die Falken präferieren Angriffe von links. Erst kurz vorm Zuschlagen bremsen die Falken ab, drehen ihren Körper der Beute zu und fahren die Krallen aus.

Für die Wissenschaftlerin geht es bei ihrer Untersuchung um mehr als nur das Jagdverhalten der Falken: "Wenn wir verstehen, wie sie schnell bewegende Objekte beobachten und verfolgen, kann uns das Inspirationen liefern für das Design unbemannter Fluggeräte und fliegender Roboter."

Kopfkameras werden jedoch nicht nur von Wissenschaftlern genutzt. In einigen arabischen Ländern bestücken auch Falkner ihre Vögel mit den elektronischen Augen, wie Videos auf YouTube zeigen:

hda

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