Rauferei im Aquarium Erfolg macht feige Fische forsch

Erfahrung und Beobachtungen können die Persönlichkeit von Regenbogenforellen verändern. Das haben britische Forscher herausgefunden, indem sie die Fische in Rangeleien mit Artgenossen schickten. Das Ergebnis: Beobachtung alleine hilft nicht, nur Erfolg macht Forellen mutig.


Für feige Fische gibt es Hoffnung. Mit Trainung und guter Anleitung können sie forscher werden, gar richtig mutig. Doch den Preis dafür zahlen just die Trainer - sie werden feiger. Das zeigten britische Wissenschaftler in einem Experiment mit Regenbogenforellen.

Regenbogenforelle: Der Grad der Kühnheit gilt als wichtiger Faktor für das Verhalten der Tiere in unbekannten Situationen
USFWS

Regenbogenforelle: Der Grad der Kühnheit gilt als wichtiger Faktor für das Verhalten der Tiere in unbekannten Situationen

Ashley Frost und ihre Kollegen von der University of Liverpool benutzten für ihre Versuche einen bekannten Test, um den Grad der Kühnheit von zufällig ausgewählten Forellen zu bestimmen. Bei dem Test geht es um die Zeit, die verstreicht, bis sich ein Tier einem neuen Objekt in seinem Umfeld auf eine bestimmte Distanz genähert hat. Je kürzer diese Zeit, desto kühner sind die Fische und umgekehrt.

Mithilfe dieses Kühnheitstests kontrollierten die Forscher die Veränderungen in der Persönlichkeit der Forellen nach den Experimenten: Zunächst sahen die Forellen Artgenossen dabei zu, wie diese mit neuen Objekten oder neuem Futter umgingen. Dann war das passive Zugucken zu Ende.

Kontrollierte Rauferei im Aquarium

Die Forscher setzten Kampfexperimente ein, die so manipuliert waren, dass die Wissenschaftler vorhersagen konnten, welcher Fisch dominieren würde. Regenbogenforellen sind sehr aggressiv - so reichten zehnminütige Kämpfe aus, um Klarheit zu schaffen.

Der Versuchsaufbau war simpel: Kühne und weniger kühne Fische ließ man gegeneinander antreten. Am Anfang noch forsche Fische zeigten weniger Mut, wenn sie die Kämpfe verloren. Dagegen wuchs in scheuen Fischen die Kühnheit, wenn sie in Kämpfen überlegen waren. Nur die Beobachtung eines kühneren Fisches beeinflusste die ängstliche Natur zwar nicht. Die zunächst Mutigen verloren hingegen durchaus an Biss, wenn sie scheue Fische beobachtet hatten.

Die Persönlichkeit eines Tieres könne durchaus flexibel sein und hänge vom sozialen Status und dem Verhalten anderer ab, schreiben die Forscher um Ashley Frost in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society B". Besonders der Grad der Kühnheit wirke sich auf Entscheidungen aus, die von den Tieren in unvorhergesehenen Situationen gemacht werden.

Wissenschaftler gehen deshalb davon aus, dass der Persönlichkeitstyp eines Individuums ein wesentlicher Faktor für sein Verhaltensmuster ist. Im April hatten schottische Forscher im "Journal of Fish Biology" berichtet: Guppies sind mutig, wenn sie sich in der Gesellschaft Bekannter befinden.

Die Änderung in der Kühnheit nach den Experimenten zeigte den Forschern, dass bei den Regenbogenforellen die kühnen Individuen flexibler sind in der Anpassung von Verhalten und Veränderung ihrer Persönlichkeit. Auch waren ihre Reaktionen besser vorauszusehen als die der vorsichtigeren Artgenossen - deren Reaktionen zum Teil überraschend für die Forscher waren.

stx/ddp



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