Rede beim Weltklimagipfel: Obama kommt mit leeren Händen

"Ich bin nicht hier, um zu reden, sondern um zu handeln": Mit markigen Worten hat Barack Obama die Staatsführer beim Weltklimagipfel beschworen, sich zu einer Einigung zusammenzuraufen. Doch bei finanziellen Zugeständnissen kneift der US-Präsident - auch die Chinesen stellen sich stur.

Hamburg - Endspurt zwischen China und den USA in Kopenhagen: Sowohl Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao als auch US-Präsident Barack Obama haben auf dem Klimagipfel in Kopenhagen ihre Reden gehalten. "Ich bin nicht gekommen, um zu reden, sondern um zu handeln", sagte Obama vor den Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen. Der Klimawandel stehe außer Zweifel, "die Welt sieht auf uns", sagte der US-Präsident, der mit etwa einer halben Stunde Verspätung seine Ansprache begann. Obama bekannte sich zu der Verantwortung, die den USA als dem größten CO2-Verursacher pro Kopf zukomme.

Aber er machte keine neuen Zugeständnisse hinsichtlich der Reduktionsziele, sagte lediglich: "Ich bin zuversichtlich, dass Amerika seine Zusagen einhalten wird, die Emissionen um bis zu 17 Prozent bis zum Jahr 2020 zu reduzieren und um mehr als 80 Prozent bis 2050." Das entspricht einer Senkung von vier Prozent bis zum Jahr 2020 gegenüber 1990, während die Wissenschaft Einschnitte um 25 bis 40 Prozent für nötig hält. Auch hinsichtlich der Finanzzusagen für den von Hillary Clinton versprochenen 100-Milliarden-Dollar-Klimafonds für Drittweltländer wurde Obama nicht konkreter. Immer noch ist unklar, wie viel die USA zu dem Fonds beisteuern werden. Besonders dieser Punkt erschwert die Verhandlungen mit den Entwicklungsländern.

Obama nannte drei Kernpunkte, die die USA in dem in Kopenhagen debattierten politischen Abkommen sehen wollen:

  1. "entschlossenes Handeln auf nationaler Ebene", um die Klimagase zu reduzieren
  2. ein Überprüfungssystem, ob die Zusagen eingehalten werden
  3. Finanzzusagen der Industrie- an die Entwicklungsländer, sowohl kurz- als auch langfristig

Der US-Präsident bekannte sich zu regenerativen Energien und der bereits eingeläuteten Energiewende, die sein Land eingeschlagen habe. "Amerika wird seinen Kurs beibehalten - egal, was in Kopenhagen passieren wird." Das klang alles sehr unbestimmt.

China will seine "freiwilligen" Klimaziele umsetzen

Auch Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao verweigerte neue Zusagen, pries stattdessen die bisherigen Anstrengungen seines Landes: China, der weltgrößte Produzent von Treibhausgasen, habe den Anteil der erneuerbaren Energie in den vergangen Jahren deutlich erhöht, sagte Wen vor den Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen. Er kündigte lediglich an, dass China seine "freiwilligen" Klimaziele auch umsetzen werde, wenn es auf dem Kopenhagener Gipfel keine Ergebnisse geben sollte. Zugleich sprach er sich für umfangreiche Finanzhilfen für die Entwicklungsländer aus. China hat sich nicht auf konkrete Reduktionsziele festgelegt, sondern will seine CO2-Emissionen abhängig vom Wirtschaftswachstum machen.

Nach ihren Reden vor den Gipfelteilnehmern trafen sich Obama und Wen Jiabao zu einem fast einstündigen Gespräch. "Sie hatten eine konstruktive Diskussion, in der es um alle Schlüsselfragen ging", sagte ein Vertreter des Weißen Hauses anschließend und charakterisierte die Unterredung als "einen Schritt nach vorn". Beide hätten ihre Delegationen angewiesen, bilaterale Verhandlungen zu führen und mit anderen Ländern zu sprechen, um auszuloten, ob man zu einer Übereinkunft kommen könne.

Fotostrecke

10  Bilder
Klimakonferenz: Countdown in Kopenhagen
"Der Gipfel steht auf des Messers Schneide", sagt Uno-Umweltchef Achim Steiner im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Im Moment lägen die Nerven blank. Ein Erfolg sei aber noch durchaus möglich. Steiner lobte hingegen Obamas Rolle auf dem Gipfel, dieser habe sich in bilateralen Gesprächen sehr engagiert für einen Erfolg eingesetzt.

Auch die deutsche Delegation zeigte sich vorsichtig optimistisch: "Das Ende kann man noch nicht sehen, aber wir bewegen uns in Richtung eines Ergebnisses", sagte Umweltminister Norbert Röttgen (CDU). Die Chance auf eine Einigung sei wieder größer geworden. "In der Sache wie im Verfahren gibt es Fortschritte." Der deutsche Umweltminister geht nicht von einer Verlängerung des Gipfels aus: "Wir bleiben im Zeitplan. Wir müssen es jetzt machen."

Beim Sondergipfel von rund 30 Staaten war ein neues Papier entstanden, das ein Scheitern abwenden soll. Der Text enthalte das Ziel, die Erderwärmung unter zwei Grad zu halten. Außerdem sollten die Finanzzusagen und Verantwortung aufstrebender Länder für den Klimaschutz geklärt werden, sagte Röttgen. "Es ist ein hartes Ringen insbesondere mit den Schwellenländern unter Anführung von China, die Verantwortungsbereiche nicht übernehmen wollen, die ihnen aber zustehen."

Röttgen machte deutlich, dass das Zwei-Grad-Ziel die "Kernanforderung" für einen Erfolg sei: "Wenn wir diese wissenschaftliche Basis nicht in eine politische Verpflichtung überführen, dann kann von dem Erfolg dieser Konferenz nicht gesprochen werden." Die Europäer würden weiter auf ein möglichst ambitioniertes Abkommen drängen.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon betonte, man sei einem weltweiten Abkommen näher denn je zuvor. Die Diskussion habe Früchte getragen. Dennoch mahnte auch Ban, dass nur noch wenige Stunden für eine Einigung blieben.

Skepsis, Kritik, Zuversicht

"Die EU und USA pokern weiter", sagte Regine Günther, Leiterin Klimaschutz und Energiepolitik des WWF Deutschland. Die Reden von Präsident Obama und EU-Präsident Barroso in Kopenhagen hätten keine neuen Impulse gebracht. "Es bleibt zu hoffen, dass hinter den Kulissen mehr diskutiert wird, als auf der großen Bühne." Man brauche keine schönen Worte mehr, sondern Taten.

Als Umwelt- und Klimaschützer inszenierte sich Irans Staatschef Mahmud Ahmadinedschad. "Wenn jemand einen Baum fällt, dann ist das, wie wenn er einem Engel die Flügel abschneidet. Wer die Umwelt verschmutzt, begeht eine Erbsünde", sagte er und verteidigte erneut sein umstrittenes Atomprogramm: "Im Vergleich mit fossilen Brennstoffen ist Kernenergie eine saubere Energie."

Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva zeigte sich auf dem Klimagipfel enttäuscht. Er übte Kritik an dem nächtlichen Treffen von etwa 30 Weltführern, darunter Kanzlerin Angela Merkel. Er sei dabei an seine Zeit als Gewerkschaftsführer erinnert worden, als er den großen Firmenbossen gegenübersaß, sagte Lula.

Der indische Premierminister Mammohan Singh erklärte im Plenum des Klimagipfels, das mögliche Ergebnis von Kopenhagen könne "ein wichtiger Meilenstein" auf dem Weg weiterer Verhandlungen werden. Indien gilt als einer der Bremser beim Ringen um ein Abschlussdokument für den Gipfel von Kopenhagen. Singh stellte in seiner Rede drei Forderungen auf: Die "große Mehrheit" aller Staaten wolle, dass die Klimaverhandlungen weiterhin im Rahmen der Uno stattfänden.

lub/chs/mbe/AP/AFP

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. grandiöses Scheitern
toskana2 18.12.2009
Zitat von sysop"Ich bin nicht gekommen um zu reden, sondern um zu handeln": Mit markigen Worten hat Barack Obama die Staatsführer beim Weltklimagipfel beschworen, sich zu einer Einigung zusammenzuraufen. Doch bei finanziellen Zugeständnissen kneift der US-Präsident - auch die Chinesen stellen sich stur. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,667945,00.html
Ich wage diese Prognose: Der Weltklimagipfel wird grandiös scheitern - an den wirtschaftlichen Interessen ALLER teilnehmenden Länder! Das erforderliche Bewusstein des Ernstes der Lage ist NOCH NICHT in die Köpfe der Regierenden vorgedrungen - noch nicht!
2. Ich und mein Magnum
leloup717 18.12.2009
Es reicht jetzt, ich konvertiere. Ich kauf mir nen SUV und wähle FDP. Sinnloser als mit Vernunft kann man seine Zeit und sein Leben nicht verschwenden.
3. In die Köpfe schon, aber...
dälek 18.12.2009
Zitat von toskana2Ich wage diese Prognose: Der Weltklimagipfel wird grandiös scheitern - an den wirtschaftlichen Interessen ALLER teilnehmenden Länder! Das erforderliche Bewusstein des Ernstes der Lage ist NOCH NICHT in die Köpfe der Regierenden vorgedrungen - noch nicht!
Ihrer Prognose hinsichtlich des Scheiterns schließe ich mich an, sieht jedenfalls ja schwer danach aus. Es war aber auch zu erwarten daß dabei so schnell nix rumkommt. In einem globalen Wirtschaftssystem das den Prinzipien einer liberalen Marktwirtschaft folgt, ist es nun mal für jede nationale Wirtschaft essentiell wichtig ihren Standortvorteil wahrzunehmen (was der dann auch immer sei). Konkrete Zusagen zum Klimaschutz sind meistens ebendiesen Standortvorteilen nicht gerade zuträglich, ist ja alles bekannt. Der Ernst der Lage ist sicher den meisten Politikern klar, aber für jede einzelne Regierung wäre es ja kurzfristig noch viel ernster wenn sie auf ihre Wirtschaft pfeifen und an das globale Allgemeinwohl denken würden. Dann wird man nämlich abgewählt sobald die heimische Ökonomie zwecks Erfüllung der gemachten Zusagen den Gürtel enger schnallen muss, ist ebenfalls klar... Es muss einfach viel mehr Druck von unten kommen. Und damit meine ich nicht das Kaputthauen irgendeiner mehr oder weniger willkürlich ausgewählten Einkaufstrasse oder ähnlichen kontraproduktiven Unsinn. Da die Nachfrage die Tagesordnung für die Wirtschaft setzt wäre es wichtig das der Konsument einfach konsequent klima-freundliche Produkte, bzw gleich Produktionsweisen nachfragt. Dann wäre das umrüsten auf Ökossytem-kompatible Technologien usw möglicherweise schnell ein Wettbewerbsvorteil, gar ein Muss? Und ich glaube das dann sehr schnell alle nachziehen würden. Das hieße natürlich Anfangs ein Bisschen mehr für etwas weniger optimierte Produkte zahlen zu müssen...Na ja, und da steh Gott vor, nöwar... Langer Rede kurzer Sinn: Der Ernst der Lage sollte vor allem mal in den Köpfen der Endverbraucher, also uns allen ankommen. Und das wäre auch noch Weltweit nötig...Dann bräuchte es nur noch den von Bolivien vorgeschlagenen internationalen Gerichtshof für Klimasünder, oder um etwas kleiner anzufangen eine Art "Stiftung Warentest" für klima-freundliche Produkte. Aber leider ist es ja doch immer viel besser wenn "die da oben" Schuld haben. So kann man sich über den Ausgang von Kopenhagen 09 beschweren und trotzdem Teak-möbel kaufen. Politik und Industrie mögen eine Menge Schweinereien beschliessen für die sie dann natürlich auch direkt verantwortlich zu machen sind...Aber das tun sie vor allem damit der Laden läuft...und das tut er nur solange der Konsument das was sie produzieren auch haben will...Und bisher wollen wir anscheinend alle...Weil der Ernst der Lage bisher nur auf ein paar Pazifik-Atollen wirklich konkret geworden ist. Die können jetzt schon zugucken wie das Wasser steigt...Muss wohl anderswo auch erst so werden. Nur das es dann zu spät ist, daß die Effekte der Verschmutzung aufs Klima eben erst einige Jahre später wirklich zum tragen kommen ist ja ebenfalls bekannt.
4. Es ist vorbei,
Silom 18.12.2009
der Zug ist abgefahren. Es wird in den naechsten Jahren, solange die Klimaveraenderung nicht gravierend des Buergers Leben beeinflusst, keine Reduzierung geben. Asien ist ganz weit im Vorteil und wird sich das nicht "kaput" machen lassen. Es gibt viel zu tun, packen wir es an. Die fetten Jahre sind vorbei. Toi, toi, t.., Silom
5. Weltklimagipfel bräuchte mal mehr Expertise!!!
dakra 18.12.2009
Es ist doch überhaupt kein Wunder, dass diese Klimakonferenz scheitern muss! Die Dimension ist Schrott! Es sollten alle Größen, die den Treibhauseffekt begünstigen mit in die Rechnung einbezogen werden, nicht nur CO2! Die Art der Klimavereinbarung ist auch Schrott! Reduktionsziele bezogen auf ein bestimmtes Jahr in höchstem Maße unfair. Eine Steuer wäre fair, generierte sogar Einnahmen und wäre deutlich besser durchsetzbar.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Natur
RSS
alles zum Thema Uno-Klimakonferenz in Kopenhagen 2009
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 8 Kommentare
  • Zur Startseite

Der lange Weg zum Klimaschutz
1988
Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) und die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) gründen den Weltklimarat (IPCC). Der IPCC selbst betreibt keine Wissenschaft, er sammelt stattdessen Daten zum Klimawandel und entwickelt Strategien zur Anpassung. Das Gremium hat bisher vier sogenannte Sachstandsberichte verfasst, der nächste ist für 2014 geplant. Der IPCC ist nicht direkt in das Klimasystem der Uno eingebunden, liefert aber den wissenschaftlichen Hintergrund für die Verhandlungen.
1992
Auf der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio vereinbaren die Staaten, den Ausstoß der Treibhausgase so zu begrenzen, dass "sich die Ökosysteme auf natürliche Weise den Klimaänderungen anpassen können" und "die Nahrungsmittelerzeugung nicht bedroht wird". Nach Meinung vieler Forscher kann dieses Ziel erreicht werden, wenn die globale Temperatur nicht stärker als zwei Grad Celsius über den Wert vor der Industrialisierung im 19. Jahrhundert steigt. Eines der Ergebnisse des Gipfels von Rio sind die Unterschriften fast aller Staaten unter die Klimarahmenkonvention (UNFCCC), die zuvor in New York ausgehandelt worden war.
1994
Die Klimarahmenkonvention tritt in Kraft. Rund 190 Staaten haben sie mittlerweile ratifiziert, die USA ist auch dabei.
1997
Das Kyoto-Protokoll wird auf einem Gipfel in der japanischen Stadt verabschiedet. Es gilt als erster konkreter Schritt, um die Ziele der Klimarahmenkonvention umzusetzen. Die Industriestaaten verpflichten sich, den Ausstoß der wichtigsten Treibhausgase bis 2012 im Schnitt um mindestens fünf Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Die Entwicklungsländer erhalten keine Auflagen. Inzwischen haben mehr als 180 Staaten Kyoto ratifiziert - nicht jedoch die USA.
2005
Das Kyoto-Protokoll tritt in Kraft, nachdem zuvor auch Russland den Vertrag gebilligt hat und so die Zahl der nötigen Ratifikationen erreicht ist. Das Abkommen läuft 2012 aus. Um seinen Nachfolger geht es beim Klimagipfel in Kopenhagen.
2007
Der Klimagipfel auf der indonesischen Insel Bali vereinbart einen Fahrplan für ein Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll. Dieser Fahrplan sieht vor, die Verhandlungen innerhalb von zwei Jahren zu beenden - bis zur Klimakonferenz in Kopenhagen. Gelungen ist das allerdings nicht, auch nach Kopenhagen werden die internationalen Gespräche weitergehen müssen.
2009
Auf dem Klimagipfel in Kopenhagen wollen sich die Staaten auf ein politisches, aber bindendes Abkommen einigen. Die Kernpunkte sind klar, wie viel von ihnen sich tatsächlich im Text finden wird, werden erst die Verhandlungen zeigen. Die Industriestaaten sollen ihren Treibhausgasausstoß reduzieren und Geld für die Anpassung von Entwicklungsländern an den Klimawandel geben. Die ärmeren Staaten sollen im Gegenzug bestimmte Zusagen geben. In dem Vertrag könnte auch der Schutz der Tropenwälder besonders hervorgehoben werden.
Multimedia-Special

AP
Jeder Mensch trägt täglich weiter zur Erderwärmung bei - mit Steak-Konsum, Flügen nach Mallorca und der Autofahrt ins Büro. Kennen Sie Ihre persönliche CO2-Bilanz? Finden Sie es heraus im Klima-Quiz von SPIEGEL ONLINE.
Wer wie viel CO2 reduzieren will
EU
Die Staaten der Union haben sich verpflichtet, ihre CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um mindestens 20 Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken. Wenn andere Staaten mitziehen, versprechen die Europäer sogar ein Minus von 30 Prozent. Die Aufteilung der EU-weiten Ziele auf Mitgliedstaaten ("Effort Sharing") wird unter Berücksichtigung der Wirtschaftsleistung pro Kopf und der nationalen Voraussetzungen vorgenommen.
Russland
Russland will sich dem EU-Ziel von 20 Prozent weniger Treibhausgasen bis 2020 anschließen. Basisjahr soll 1990 sein. In einem zweiten Schritt könnte die Einsparung sogar auf 25 Prozent erhöht werden. Russlands CO2-Ausstoß ist infolge des wirtschaftlichen Zusammenbruchs Anfang der neunziger Jahre ohnehin massiv zurückgegangen.
USA
Die USA planen bis 2020 eine Verminderung um 17 Prozent, allerdings bezogen auf das Basisjahr 2005. Verglichen mit 1990 bedeutet das nach Berechnungen der Bundesregierung nur ein Minus von rund sechs Prozent. Bis 2025 sollten sie dann um 30 Prozent und bis 2030 um 42 Prozent sinken - jeweils bezogen auf 2005. Ob der Senat - dort wird derzeit über ein Klimaschutzgesetz gestritten - diese Ziele unterstützt ist unklar.
Japan
Das Land hat zugesagt, den Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr 2020 um mindestens 15 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2005 zu reduzieren. Das soll unter anderem durch den Bau neuer Kernkraftwerke geschehen. Umweltschützer kritisieren, dass sich bezogen auf das Basisjahr 1990 nur eine Reduktion um acht oder neun Prozent ergibt - und Japan bereits sechs Prozent Reduktion nach dem Kyoto-Protokoll zugesagt hat.
Brasilien
Brasilien hat größere freiwillige Emissionssenkungen in Aussicht gestellt. Der CO2-Ausstoß soll im Jahr 2020 zwischen 36,1 und 38,9 Prozent niedriger liegen als die bisher prognostizierten Werte. Damit lägen die Emissionen wieder auf dem Niveau von 1994. Gegenüber dem Niveau des Jahres 2005 würde der Schritt einen Rückgang von rund 20 Prozent bedeuten. Etwa ein Viertel der Zielvorgabe soll dadurch erreicht werden, dass erheblich weniger Regenwald abgeholzt wird.
China
Peking will bisher keine bindenden CO2-Reduktionsziele akzeptieren. Als freiwillige Maßnahme will China aber dafür sorgen, dass der Ausstoß an Treibhausgasen in Zukunft nicht mehr ganz so stark zulegt wie das Wirtschaftswachstum des Landes. Die Treibhausgase, die für jeden Yuan Wirtschaftsleistung ausgestoßen werden, sollen demnach bis zum Jahr 2020 um 40 bis 45 Prozent verringert werden. Vergleichsjahr ist 2005.
Indien
Auch Indien hat mehrfach klargemacht, dass sich das Land formalen Reduktionsverpflichtungen definitiv verweigern will.
Australien
Das Land arbeitet seine Reduktionsverpflichtungen derzeit noch aus. Diskutiert werden Vorschläge der Regierung, bis zum Jahr 2020 den CO2-Ausstoß um fünf Prozent im Vergleich zum Jahr 2000 zu verringern. Wenn andere Staaten sich ebenfalls zu Reduktionen verpflichten, ist ein Minus von 15 Prozent für denselben Zeitraum in Aussicht gestellt.

Weltklimaverhandlungen
Wichtige Punkte
Die G-8-Staaten haben sich grundsätzlich zu dem Ziel bekannt, den globalen Temperaturanstieg im Vergleich zum Beginn des Industriezeitalters auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Auch die Schwellenländer haben sich dem jetzt angeschlossen. Doch konkrete Vorgaben und Zusagen zur Finanzierung fehlen noch - deshalb könnte es beim bloßen Lippenbekenntnis bleiben.
Worum geht es?
Die internationale Staatengemeinschaft will sich vom 7. bis 18. Dezember in Kopenhagen auf ein neues Weltklimaabkommen einigen. Es wird das Kyoto-Protokoll ersetzen, das 2012 ausläuft. Es schrieb vor, dass die Industrieländer die Emissionen der wichtigsten Treibhausgase zwischen 2008 bis 2012 um durchschnittlich 5,2 Prozent unter das Niveau von 1990 senken. Doch die USA, bis vor kurzem der größte Kohlendioxid (CO2)-Emittent, haben das Abkommen nie ratifiziert. Und China, heute größter Luftverschmutzer, bekam überhaupt keine verbindlichen Reduktionsziele vorgeschrieben, weil es damals noch als reines Entwicklungsland eingestuft wurde.
Wer sind die wichtigsten Akteure?
Außer den USA und China sollen diesmal auch die anderen Schwellenländer wie Indien, Mexiko oder Brasilien ins Boot geholt werden. Insgesamt werden 192 Staaten nach Kopenhagen reisen. Doch auch die Entwicklungsländer sollen Verantwortung übernehmen und Wege festlegen, wie sie klimaschonendes Wirtschaftswachstum erreichen wollen. Der Westen ist dafür auch zu Finanz- und Technologietransfers bereit.
Wie ist der Stand in Europa?
Europa - vor allem Deutschland - sieht sich gerne als Vorreiter im globalen Kampf gegen die Erderwärmung. In den globalen Verhandlungen tritt das Bündnis gemeinsam auf, vertreten von der EU-Kommission und der EU-Ratspräsidentschaft, derzeit Schweden. Die 27 EU-Staaten haben im Dezember in ihrem "EU-Klimapaket" beschlossen, bis 2020 den CO2-Ausstoß um ein Fünftel gegenüber 1990 zu senken. Jetzt fordert die EU von den anderen großen Verschmutzern ähnliche Bekenntnisse.

Doch während in der EU, aber auch in Russland, der CO2-Ausstoß von 1990 bis 2005 wegen des Zusammenbruchs der Ostblock-Schwerindustrien sowieso sank, stieg er im gleichen Zeitraum in den USA, Japan und anderen großen Industrienationen. Gemessen am derzeitigen Niveau müsste die EU ihren Ausstoß nur noch um zwölf Prozent senken. Besonders Japan fordert deshalb 2005 als Basisjahr und hat ein Reduktionsziel von 15 Prozent angeboten. Die USA wollen ihre Treibhausgase im gleichen Zeitraum um 17 Prozent reduzieren. Der Weltklimarat (IPCC) fordert Minderungen um 25 bis 40 Prozent bis 2020 gegenüber 1990.
Was sind die Knackpunkte der Verhandlungen?
Es geht um Geld, Bezugsjahre und Prozente. Der Streit um das Basisjahr steht symptomatisch für das globale Ringen um die Lastenteilung. Die Entwicklungs- und Schwellenländer beharren auf der Schuld des Westens am Klimawandel und fordern ihre Rechte auf Wohlstand und Wirtschaftswachstum. Die Industrienationen sind bereit, der Dritten Welt zu helfen, in Kopenhagen kursiert die Zahl von hundert Milliarden Dollar, die bis 2020 pro Jahr gezahlt werden sollen. Experten Umstritten ist auch der Schlüssel, mit dem die Gelder auf die einzelnen Länder umgerechnet werden sollen.

Experten streiten zudem darüber, ob Technologien wie die CO2-Abscheidung und -Lagerung oder klimafreundliche Projekte in Entwicklungsländern angerechnet werden können oder ob sie nicht vielmehr das Problem nur aufschieben und deshalb abzulehnen sind.
Was, wenn die Verhandlungen scheitern?
Gibt es in Kopenhagen keine Einigung, ist nicht alles verloren, aber es wird zeitlich eng: Bis 2012 muss eine neue Konvention ratifiziert sein, da dann das Kyoto-Protokoll ausläuft. Und sollte die Weltgemeinschaft nicht zusammenstehen, dürfte die Erderwärmung ungebremst weitergehen. Experten warnen, dass die Temperaturen noch in diesem Jahrhundert um mehr als sechs Grad steigen würden. Es drohen katastrophale Überschwemmungen wegen der Eisschmelze, Dürren, Stürme, Artensterben und Millionen "Klimaflüchtlinge". ssu/dpa