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Rede vor der Uno: Obama warnt vor Klimakatastrophe

Mit dramatischen Worten hat US-Präsident Barack Obama vor den Folgen des Klimawandels gewarnt. Sollten die Staaten nicht schnell handeln, riskiere man eine "unumkehrbare Katastrophe", sagte Obama in seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen.

Barack Obama vor der Uno-Vollversammlung: "Wohlstand und Sicherheit sind in Gefahr" Zur Großansicht
AFP

Barack Obama vor der Uno-Vollversammlung: "Wohlstand und Sicherheit sind in Gefahr"

New York - Was für ein Unterschied zu seinem Vorgänger. Während George W. Bush sich noch schwertat, die bloße Existenz des Klimawandels anzuerkennen, hat US-Präsident Barack Obama jetzt in den düstersten Farben ausgemalt, was der Menschheit droht, sollte sie weiterhin untätig bleiben. "Unser Wohlstand, unsere Gesundheit und unsere Sicherheit sind in Gefahr", sagte Obama am Dienstag vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York. "Keine Nation, egal ob groß oder klein, arm oder reich, kann den Folgen des Klimawandels entgehen."

Die Konsequenzen seien schon heute spürbar: "Stärkere Stürme und Fluten bedrohen jeden Kontinent. Regelmäßigere Dürren und Ernteausfälle sorgen für Hunger und Konflikte." Es sei eine Tatsache, dass die Menschheit zu lange nicht auf die Bedrohung reagiert oder nicht einmal ihre Bedeutung erkannt hat, sagte Obama. "Das gilt auch für mein Land. Wir erkennen das an."

"Eine neue Ära ist angebrochen"

Aber das sei die Vergangenheit - eine "neue Ära" sei angebrochen. Die USA hätten in den vergangenen drei Jahren mehr für saubere Energien und gegen Umweltverschmutzung getan als jemals zuvor in ihrer Geschichte. Binnen drei Jahren solle die Kapazität erneuerbarer Energien verdreifacht werden. Derzeit würden Milliarden Dollar investiert, um Gebäude energieeffizienter zu machen - "das hilft amerikanischen Familien nebenbei, Geld zu sparen", sagte Obama, der derzeit enorme Schwierigkeiten hat, den Kongress von seinen Klimaschutzplänen zu überzeugen.

Obama kündigte auch an, gemeinsam mit den anderen Staats- und Regierungschefs beim G-20-Gipfel in Pittsburgh am Donnerstag und Freitag die Subventionen für fossile Energien zurückzufahren. Mehrfach betonte der US-Präsident, dass noch viel zu tun bleibe. "Es kann keine Illusionen darüber geben, dass das Schwierigste noch vor uns liegt." Aber Schwierigkeiten seien "keine Entschuldigung für Untätigkeit". Jeder müsse tun, was er könne. Das Gipfeltreffen im Dezember in Kopenhagen müsse ein "bedeutender Schritt vorwärts" im Kampf gegen den Klimawandel werden.

Obama nahm auch die Schwellenländer in die Pflicht. Zwar liege der Großteil der Verantwortung bei den Industrienationen. "Aber die schnell wachsenden Schwellenländer müssen auch ihren Teil tun", denn sie seien in den kommenden Jahrzehnten für nahezu das gesamte Wachstum der Kohlendioxidemissionen verantwortlich. Diese Nationen "müssen sich zu starken Maßnahmen verpflichten und zu ihnen stehen", sagte Obama, "genauso wie die entwickelten Länder zu ihren stehen müssen". Die Industrienationen müssten dafür finanzielle und technische Hilfe leisten. Das Problem sei am Ende nur durch die Zusammenarbeit der großen CO2-Emittenten lösbar. "Es gibt keinen anderen Weg", sagte Obama.

Yvo de Boer, der Chef des Klimasekretariats der Vereinten Nationen, hatte zuvor angekündigt, dass China in Kürze weitreichende Maßnahmen zur Senkung seines Kohlendioxidausstoßes verkünden werde. Dadurch werde sich die Volksrepublik "zu einer der führenden Nationen im Kampf gegen den Klimawandel" entwickeln.

"Endlich breite Anerkennung des Problems"

Insbesondere die ärmsten Länder bräuchten die Unterstützung der reichen Nationen, sagte US-Präsident Obama. "Sie haben nicht die gleichen Mittel wie die USA oder China, aber sie brauchen am dringendsten eine Lösung." Viele seien bereits schwer getroffen von den Folgen der globalen Erwärmung: Hungersnöte und Dürren, verschwindende Küstensiedlungen und Konflikte um Ressourcen. "In Zukunft stehen wir nicht mehr vor der Wahl zwischen einer wachsenden Wirtschaft und einer sauberem Planeten", sagte Obama. "Das Überleben hängt von beidem ab." Es helfe nicht viel, Armut zu lindern, wenn die Menschen keine Ernte und kein Trinkwasser mehr hätten.

Es gehe nicht nur darum, ein Abkommen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen zu schließen. "Wir suchen eine Übereinkunft, die es allen Nationen erlaubt, zu wachsen und ihre Lebensstandards zu erhöhen, ohne den Planeten zu gefährden." Eine gute Nachricht jedenfalls gebe es schon heute, findet Obama: "Nach zu vielen Jahren des Nichtstuns und des Leugnens gibt es nun endlich eine breite Anerkennung der Dringlichkeit der Herausforderung, die vor uns liegt."

Inzwischen will sogar die Luftfahrtindustrie im Klimaschutz aktiv werden. Laut einem Zeitungsbericht haben Fluglinien, Airports und Flugzeughersteller ein Abkommen unterzeichnet, das eine Halbierung des Treibhausgas-Ausstoßes bis zum Jahr 2050 vorsieht. Es soll auf dem Treffen in New York vorgestellt werden.

mbe

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Forum - Was tun zum weltweiten Klimaschutz?
insgesamt 320 Beiträge
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1.
lateral 18.09.2009
Zitat von sysopFrankreichs Präsident Sarkozy verliert die Geduld: Er droht mit Strafzöllen in Europa, sollte beim Gipfel in Kopenhagen kein globales Klimaabkommen zustande kommen. Doch die Einführung von Energie-Importabgaben hätte verheerende Folgen, warnen Experten. Wie kann effektiver Klimaschutz weltweit erreicht werden?
Sich immer und immer nur eine einzige Frage zu stellen: "Cui bono?"
2.
AndyH 18.09.2009
Zitat von sysopFrankreichs Präsident Sarkozy verliert die Geduld: Er droht mit Strafzöllen in Europa, sollte beim Gipfel in Kopenhagen kein globales Klimaabkommen zustande kommen. Doch die Einführung von Energie-Importabgaben hätte verheerende Folgen, warnen Experten. Wie kann effektiver Klimaschutz weltweit erreicht werden?
Völliger Unfug. Garnicht. Klima ist ein Durchschnittwert von 30 Jahren Wetter. Das heisst Sarkozy müsste Wetter machen, aber das konnten weder die Hexen noch die Regentänzer. Es ist mir schon klar, dass die Staatshaushalte klamm sind und gegen die Konkurrenten gerne mal Zölle eigneführt werden sollten, aber das alles ist nur Unfug und nichts anderes als Protektionismus im Ökogewand.
3. ...
e-ding 18.09.2009
Zitat von sysopFrankreichs Präsident Sarkozy verliert die Geduld: Er droht mit Strafzöllen in Europa, sollte beim Gipfel in Kopenhagen kein globales Klimaabkommen zustande kommen. Doch die Einführung von Energie-Importabgaben hätte verheerende Folgen, warnen Experten. Wie kann effektiver Klimaschutz weltweit erreicht werden?
Der Zug ist abgefahren, es sei denn Sarkozy schafft es irgendwie, die Weltbevölkerung zu halbieren.
4.
login37 18.09.2009
Mal abgesehen davon, das ich überhaupt kein Fan von Zöllen bin, verstehe ich das Duckmäusertum gegenüber China nicht. Natürlich würde es einer Reihe von europäischen Unternehmen weh tun, wenn China als Gegenreaktion auch diverse Strafzölle einführt. Aber egal ob Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, andere europäische Länder oder auch die USA: Die haben alle seit Jahren ein gigantisches Außenhandelsdefizit mit China. Für China ist Deutschland der wesentlich wichtigere Exportmarkt als umgekehrt China für Deutschland. Für die anderen Länder gilt das genauso. Bei einem Handelskrieg hat China wesentlich mehr zu verlieren als Europa. Und insofern darf das Thema schon mit harten Bandagen ausgefochten werden. Der ständige Verweis auf Chinas Bedeutung als Absatzmarkt ist so nicht gerechtfertigt.
5. Dummes Geschwätz
filou11 18.09.2009
Das was Sarkorzy da fordert ist Unfug hoch 3! Dieser Mann hat im Gegensatz zu seinem Vorgänger von nichts eine Ahnung, davon aber eine ganze Menge. Da es nun modern ist von „Klimaveränderungen“ zu reden, glaubt dieser „Präsident“ er müsse auch seinen Senf dazu geben. Ich möchte dazu einmal in Erinnerung rufen, dass es die gleichen „Wissenschaftler“ sind, sofern diese noch leben, die jetzt von Klimakatastrophe und Erderwärmung faseln, noch vor 30 Jahren eine Eiszeit beschworen haben. Glaubt etwa der Herr der „Grand Nation“ im ernst, dass Länder wie China oder Indien ihn ernst nehmen? Wenn der glaubt, Europa sei noch immer der Mittelpunkt der Welt unter Führung Frankreich, so hat der die Zeichen der Zeit überhaupt nicht mitbekommen. Europas und auch Frankreichs Zeit ist schon lange, lange vorbei. Und das kann dem nur klar gemacht werden, wenn Indien und China sich nicht erpressen lassen. Und Frankreich hat diesen Ländern so wie so nichts zu bieten!
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Geo-Engineering
Pro und Contra
Wenn der Klimawandel dramatische Ausnahmen anzunehmen droht, bleibt als letzte Option wohl nur Geo-Engineering, sagen viele Forscher. Entweder man verringert die Sonneneinstrahlung auf der Erde, etwa durch Wolken oder Aerosole. Oder man filtert massenhaft CO2 aus der Atmosphäre und lässt es unter der Erde oder im Meer verschwinden. Doch so gut das auch klingt, Geo-Engineering ist umstritten.

Die einen warnen vor den Risiken und Nebenwirkungen menschlicher Eingriffe, die nur wenig erforscht sind. Die anderen fürchten, Geo-Engineering könnte die Menschheit dazu verleiten, andere Maßnahmen zum Klimaschutz gleich ganz bleiben zu lassen. Möglicherweise lässt sich mit den Eingriffen aber Zeit gewinnen. Geo-Engineering könnte für 10 oder 20 Jahre helfen, den Klimawandel zu bremsen. Um die eigentliche Aufgabe, den CO2-Ausstoß drastisch zu reduzieren, wird die Menschheit jedoch nicht herumkommen.
Mit Aeorosolen das Sonnenlicht dimmen
USGS / Cascades Volcano Observatory
Der Nobelpreisträger Paul Crutzen hat im Jahr 2006 eine Art Giftkur fürs Weltklima vorgeschlagen: Feinste Schwefelpartikel, ausgebracht in 10 bis 50 Kilometer Höhe, sollen das Sonnenlicht dämpfen. Um ein paar Prozent nur, aber das würde reichen, damit die Temperatur auf der Erde bis zum Ende des Jahrhunderts nur um zwei bis zweieinhalb Grad ansteigt.

Dass das Verfahren funktioniert, zeigte sich 1991 beim Ausbruch des Vulkans Pinatubo auf den Philippinen. Mehr als 20 Kilometer hoch wurde damals die Aschewolke geschleudert. Schwefeldioxide oxidierten zu genau jenen kleinen Schwefelsäure-Tröpfchen, die Crutzen nutzen will. Der Himmel verdunkelte sich ein ganz kleines bisschen, die Temperatur sank weltweit um 0,5 Grad. Atmosphärenforscher wissen inzwischen, dass der Schwefel die Ozonschicht stark schädigen könnte und denken deshalb über andere Aerosole nach. Der Charme der Methode ist aber, dass sie vergleichsweise billig umzusetzen ist. Ein US-Forscher hat ausgerechnet, dass Militärjets die mit Abstand billigste Variante sind, um Schwefelpartikel in den Himmel zu transportieren.
Ozeane mit Eisen düngen
AWI
Seit Wissenschaftler wissen, dass Eisensulfat Plankton dazu bringt, deutlich mehr CO2 zu binden als normalerweise, gilt die Düngung der Ozeane als mögliches Klimaschutzprojekt. Damit das Verfahren tatsächlich klappt, muss das Phytoplankton nach dem Absterben zum Meeresboden sinken - und möglichst lange dort verbleiben. Forscher halten das massenweise Verschütten von Eisen in die Ozeane allerdings auch für ein riskantes Experiment: Es könnte marine Ökosysteme radikal verändern. Zudem ergaben mehrere Experimente, darunter auch von deutschen Forschern im Südmeer, dass durch eine Düngung viel weniger Treibhausgas Kohlendioxid gebunden wird als angenommen.
Sonnenschirme im All
UA Steward Observatory
Wie aus einem Science-Fiction-Roman klingt der Vorschlag, einen gigantischen Spiegel im Weltall zwischen Sonne und Erde zu positionieren, der wie ein Sonnenschirm wirkt. 1992 wurden die Kosten für ein solches Projekt grob geschätzt: Man kam auf über hundert Milliarden Dollar, um die Sonnenstrahlung um ein Prozent zu verringern. In dieser Größenordnung sollen auch die globalen Kosten des Klimawandels pro Jahr liegen. Der Spiegel müsste in etwa die Größe Manhattans haben. Von der Erde aus wäre der Spiegel praktisch nicht erkennbar, höchstens als kleiner dunkler Fleck auf der Sonne.

Die Idee wurde an der University of Arizona weiterentwickelt: Ein 100.000 Kilometer langen Schweif aus 16 Billionen Scheibchen soll im All schweben. Jedes Scheibchen soll aus transparentem Kunststoff bestehen, 60 Zentimeter groß und nur ein Gramm schwer sein. Der Effekt: Die Sonneneinstrahlung würde um 1,8 Prozent sinken.

Für die Idee eines wie auch immer aufgebauten Sonnenschirms im All spricht, dass er keine chemischen Eingriffe in die Atmosphäre erfordert, deren Folgen schwer abzusehen sind. Theoretisch ließe sich der kosmische Sonnenschutz auch wieder abbauen. Allerdings sind Klimaexperten skeptisch, ob die Idee wegen der enorm hohen Kosten praktikabel ist.
Die Wolken aufhellen
DPA
Hunderte Geisterschiffe sollen auf den Ozeane rund um die Uhr Meerwassertropfen in die Luft blasen, die Kondensationskeime bilden. Erhoffter Effekt: hellere Wolken, die mehr Sonnenstrahlung zurück ins All reflektieren und so abkühlend wirken. Die Idee besticht durch ihre verblüffend niedrigen Kosten: Nicht einmal hundert Millionen Euro pro Jahr soll die Flotte aus Roboterschiffen kosten, die ihre Energie aus dem Wind beziehen. Statt mit Segeln sollen die Boote mit sogenannten Flettner-Rotoren bestückt werden.
Künstliche Bäume (Air Capture)
Institution of Mechanical Engineers
In Kohlekraftwerken der Zukunft soll das klimaschädliche CO2 aufgefangen und unterirdisch gespeichert werden (Carbon Capture and Storage -: kurz CCS). Künstliche Bäume arbeiten im Prinzip genauso, nur dass sie das CO2 nicht aus Abgasen, sondern direkt aus der Atmosphäre herausfiltern (Air Capture). Das ist aufwendiger und auch deutlich teuerer als CCS. Doch mit Air Capture lässt sich auch schon vor Jahren emittiertes CO2 nachträglich wiedereinfangen, was mit CCS nicht möglich ist. Ein künstlicher Baum soll nach Angaben britischer Forscher etwa 20.000 Dollar kosten und könnte zehn Tonnen CO2 pro Tag absorbieren. In ganz Großbritannien müssten 100.000 derartige Bäume aufgestellt werden, um sämtliches CO2 aufzufangen, das vom Verkehr der Insel stammt.
Bäume anpflanzen, verbrennen, CO2 auffangen
DPA
CO2 aus der Luft holen - das beherrschen natürlich nicht nur teure Anlagen, sondern auch Wälder. Man müsste den in Holz einlagerten Kohlenstoff nur noch dauerhaft speichern - fertig wäre das natürliche Geo-Engineering. Forscher haben vorgeschlagen, das Holz nicht mit großem Aufwand zu lagern, sondern einfach zu verbrennen. Das dabei entstehende CO2 wird dann aufgefangen und unterirdisch gespeichert (CCS). Diese Geo-Engineering-Variante würde nicht nur analog zu Air Capture die CO2-Konzentration der Atmosphäre senken, sondern nebenbei auch Energie produzieren. Freilich gibt es auch beim gezielten Holzverbrennen Probleme. So könnten neu angepflanzte Wälder auf der Nordhalbkugel die Erdoberfläche zusätzlich verdunkeln. Folge: Es wird mehr Wärmestrahlung der Sonne absorbiert, die Temperaturen steigen.

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