Meteorologie Regentropfen brechen Tempolimit

Kleine Regentropfen fallen langsamer als große - so lautet ein Grundsatz der Meteorologie. Messungen von Millionen Tropfen aber offenbaren, dass die Winzlinge doch schneller sein können. Forscher sind verblüfft.

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Regen: Tröpfchen mit Superspeed
Corbis

Regen: Tröpfchen mit Superspeed


Hamburg - Eine Regensammlung böte eine abwechlungsreiches Bild: Niesel glitzerten wie Diamantensplitter - die Tröpfchen sind kleiner als ein halber Millimeter. Landregen ließe sich zu Perlenketten verbinden. Und Tropfen aus Wolkenbrüchen wirkten mit ihren mehreren Millimetern Durchmesser fast wie funkelnde Murmeln. Im Fallen aber ändern sie ihre Form: Der Luftwiderstand staucht sie zu wässrigen Pfannkuchen.

Nicht nur Aussehen, auch das Verhalten von Regentropfen unterscheidet sich: Große fallen üblicherweise schneller, sie stürzen mit mehr als 20 km/h. Kleinere Tröpfchen sind erheblich langsamer.

Nun aber zeigen Messungen, dass kleine Regentropfen serienweise ihr vermeintliches Tempolimit brechen - sie fallen mit Superspeed, fast so schnell wie große, berichten Forscher um Michael Larsen vom College of Charleston in den USA im Fachmagazin "Geophysical Research Letters".

In der Radarfalle

Etwa anderthalb Millionen Tropfen in sechs Regenwettergebieten hätten sie analysiert, berichten die Gelehrten. 22 Messgeräte bildeten die Radarfalle, darunter Laser, deren Reflexionen zeigen, wie rasch sich Tropfen fortbewegen. Das Ergebnis überrascht: Je nach Wetter fielen ein Drittel bis zwei Drittel der kleinen Tröpfchen mit Superspeed. Gemessen wurde bei Flaute, sodass Wind die Ergebnisse nicht verfälschte.

Die Studie bestätigt eine Arbeit von vor fünf Jahren. Damals glaubten Forscher noch, dass die Messapparatur die Analyse verfälscht haben könnte. Waren Tropfen auf den Geräten zerplatzt und dabei beschleunigt worden?

Nein, unterstreichen nun Larsen und seine Kollegen. Kleine Regentropfen, die schneller fallen als ihr Tempolimit, seien allgegenwärtig, resümieren sie - und rätseln nun: Warum beschleunigen die Tröpfchen stärker als die Meteorologen erlauben?

Offenbar wirke ein Billiardeffekt, meinen die Forscher. Stoßen große Tropfen zusammen, zerfetzen sie, behalten aber offenbar zunächst ihre hohe Geschwindigkeit.


Über weitere erstaunliche Rätsel der Erde berichtet der Autor in seinem neuen Buch "Die Erde hat ein Leck". Dieser aktuelle Text stammt nicht aus dem Buch.



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