Brasilien: Präsidentin kämpft um den Schutz des Regenwalds

Kein Freibrief für Abholzungen: Während führende Politiker in Brasilien mit immer neuen Tricks versuchen, das Gesetz zum Schutz des Regenwalds aufzuweichen, hält die Präsidentin dagegen - bereits zum zweiten Mal legt sie ihr Veto ein.

Abgeholzt: "Sprunghafter Anstieg der Rodungen in Brasilien" Zur Großansicht
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Abgeholzt: "Sprunghafter Anstieg der Rodungen in Brasilien"

Brasília - Dilma Rousseff lässt nicht locker. Die Präsidentin Brasiliens hat zum zweiten Mal in diesem Jahr wesentliche Punkte der umstrittenen Reform des Waldschutzgesetzes blockiert. Sie legte in insgesamt neun Punkten ihr Veto ein. Betroffen ist unter anderem die vom Kongress gebilligte Änderung, laut der unter Schutz stehende Uferstreifen für kleine Flüsse nur 15 statt 20 Meter breit sein müssen.

Ebenfalls blockiert hat sie die geplanten Freigaben zum Anbau von Monokulturen wie Orangen- und Apfelbäume in ökologisch sensiblen Gebieten. Umweltministerin Izabella Teixeira betonte am Mittwoch, durch die Entscheidung der Präsidentin sollten auch Amnestie-Möglichkeiten für illegale Rodungen verhindert und Anreize für weitere Abholzungen vermieden werden.

Rousseff hatte bereits im Mai dieses Jahres ihr Veto gegen die Reform des sogenannten Código Florestal eingelegt. Der Kongress in Brasília hatte zuvor Bestimmungen für den Schutz des Regenwaldes aufgeweicht. Die Waldzerstörung wird in Brasilien für nahezu zwei Drittel der klimaschädlichen CO2-Emissionen verantwortlich gemacht.

Der seit 1965 geltende Código Florestal regelt die Nutzung von Waldgebieten und ökologisch sensiblen Räumen in Brasilien. Die Agrarlobby fordert mehr Flächen für ihre Produktion. Kritiker warnen dagegen vor einem Freibrief für mehr Abholzungen im Amazonas-Gebiet.

Seit langem beschäftigen sich brasilianische Behörden mit drastischen Rodungsmethoden. 1984 kam es zu einem großen Umweltskandal, weil eine Elektrizitätsgesellschaft die Trasse ihrer Hochspannungsleitung mit dem Entlaubungsgift Agent Orange besprühte, um das üppige Gewächs von den Leitungen fernzuhalten. Es dauerte lange Zeit, bis man die mysteriösen Tode vieler Menschen und etlicher Tiere mit dem weißen Pulver überhaupt in Verbindung brachte und sich die Beschuldigten vor Gericht verantworten mussten.

Im Jahr 2011: Sprunghafter Anstieg der Waldzerstörung

Seither ist es mit der illegalen Abholzung weitergegangen. Zwar meldete eine Londoner Forschungseinrichtung im Juli 2010 weltweit einen deutlichen Rückgang der illegalen Rodungen seit 2002. Brasilien aber ist offenbar eine traurige Ausnahme. Erst 2011 registrierten die dortigen Behörden einen sprunghaften Anstieg der Waldzerstörung: Im Bundesstaat Mato Grosso, südlich des Amazonas, war die Vernichtung von Regenwaldflächen zwischen August 2010 und April 2011 um 43 Prozent gestiegen. Die Rodungen im gesamten Amazonasgebiet erhöhten sich im selben Zeitraum um 27 Prozent.

Diese Statistiken wolle die brasilianische Regierung nicht hinnehmen, im Mai 2011 kündigte sie deshalb an, verstärkt gegen illegale Abholzung vorzugehen. Umweltverbrechen sollen verstärkt geahndet werden, ließ das Umweltministerium wissen. "Wir weiten unsere Maßnahmen aus", erklärte Umweltministerin Teixeira. International hat sich Brasilien verpflichtet, die Quote der Abholzungen zu senken. Dafür seien mehr als 500 Kontrolleure der Ibama alleine im Bundesstaat Mato Grosso im Einsatz.

Diese haben inzwischen nach eigenen Angaben einen Verantwortlichen erwischt, der hochgiftiges Herbizid in den Regenwäldern versprühte. Ihm droht eine Geldstrafe von bis zu 900.000 Euro. Es war eine erste Erfolgsmeldung im Kampf gegen die illegalen Abholzungen - ob die hohen Strafen die Holzmafia vor weiteren Vergehen abschrecken werden, ist aber nicht absehbar.

nik/dpa

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1. Der letzte große Regenwald ist in Gefahr!
rolandjulius 18.10.2012
Nur kranke Menschen bringen es fertig, unsere Natur zu zerstören. Der Drang nach Reichtum, ein Maxime der westlichen Kultur, und der westlichen Bildungspolitik, fordert im Amazonas, aber auch in allen Regenwäldern der Welt seine Opfer. Mit jedem gefällten Baum geht seinen Bewohnern ein Stück Habitat verloren. Darüber wird nichts berichtet. Hier ist der Beweis, dass der Kapitalismus eine kriminelle Weltan- schauung ist,welche den Weltuntergang des Geldes wegen fördert.
2. Der Kapitalismus ist also Schuld?
ancarion 18.10.2012
@rolandjulius Ich Ihnen da nicht ganz folgen. Ich sehe hier keinen direkten Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Umweltzerstörung. Wenn ist Umweltzerstörung ein Problem der Zivilisation und Urabanisierung in Verbindung mit einer steigenden Bevölkerungsdichte.... - gut die Globalisierung kann hier auch nicht ausser acht gelassen werden. Ein Population wächst immer weiter, bis ihr der Ressourcen ausgehen, dann kommt der Schock, alles bricht zusammen und es fängt von vorne an. So passiert das mit jeder Population auf unserem Planeten, die keine natürlichen Feinde hat. Der Mensch ist inzwischen nun mal sehr professional in der "Nutzung" der vorhandenen Ressourcen, das hat aber nichts mit dem Wirtschaftssystem zu tun, so ist der Mensch einfach, solange es niemanden gibt der ihn Aufhält geht das munter so weiter.... Was wollen Sie den als Alternative anbieten? Was funktionierne könnte wäre so ne Art "Gutmensch-Öko-Diktatur" aber wer will das schon? --- Und die wäre dann sicher auch bald korrupt, wie das bei Gewaltmonopolen immer passiert.........
3.
Ponce 18.10.2012
Zitat von ancarion@rolandjulius Ich Ihnen da nicht ganz folgen. Ich sehe hier keinen direkten Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Umweltzerstörung. Der Mensch ist inzwischen nun mal sehr professional in der "Nutzung" der vorhandenen Ressourcen, das hat aber nichts mit dem Wirtschaftssystem zu tun, so ist der Mensch einfach, solange es niemanden gibt der ihn Aufhält geht das munter so weiter....
Es ist eben doch ein Grundproblem des Kapitalismus, da nur Waren in der Berrechnung des Preises für das Endprodukt berücksichtigt werden. Der Umwelt lässt sich aber kein Preis zuordnen bzw. die Umweltzerstörung lässt sich nicht bzw. nur schwer als Ware erfassen und so in die Berechnung mit einbinden. Zum Teil wird ja versucht über CDM der CO2 Emission einen Preis zu geben und so der Umweltzerstörung einen Preis zu geben. Auf der anderen Seite ist es aber auch wieder kein Problem des Kapitalismus. In der Sowjetunion wurde ja auch nicht gerade schonend mit der Umwelt umgegangen. Das Problem, in dem was rolandjulius anspricht ist, dass wir heute zum ersten Mal in der Geschichte dabei sind die Lebensgrundlagen des ganzen Planeten zu zerstören bzw. zu verändern. Das ist wesentlich gravierender als beispielsweise die Abholzungen in Mittelamerika durch die Maya bis ins 9. Jh nach Christus, die unter Umständen zur Auslöschung der Maya-Kultur geführt hat. Dies war regional begrenzt! Wenn wir das auf globaler Ebene durchziehen wird es echt ungemütlich auf der Erde!
4. Wer ohne Sünde ist der werfe den Ersten Stein
ein_deutscher 18.10.2012
Wer sind denn die größten Abnehmer für Edelholz ? Wo ist sind denn die Wälder in Europa geblieben ? Wofür wurden Deutschlands Flüsse begradigt?
5. Bravo!
lb9000 18.10.2012
Die Präsidentin und die jetzige Gesetzeslage haben meinen vollsten Respekt. Politiker wie sie bräuchte man dringend auch in Europa, Nordamerika, China und bald auch in den Polarregionen und in Afrika. Ich wünsche Frau Rousseff ein langes Leben, Gesundheit, Durchhaltevermögen, gute Leibwächter und die richtigen Mitstreiter an ihrer Seite!
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