Brasilien 8000 Quadratkilometer Regenwald in zwölf Monaten abgeholzt

Die Fläche entspricht ungefähr dreimal der des Saarlandes. Fast 8000 Quadratkilometer Regenwald wurden in Brasilien innerhalb von zwölf Monaten abgeholzt - ein Anstieg um 29 Prozent.

Sägewerk im Amazonas-Gebiet in Brasilien (Archivbild)
Werner Rudhart/dpa

Sägewerk im Amazonas-Gebiet in Brasilien (Archivbild)


Es handelt sich um den größten Waldverlust in Brasilien seit 2008. Von August 2015 bis Ende Juli dieses Jahres sei eine Regenwaldfläche von 7989 Quadratkilometern zerstört worden, heißt es in einem von dem staatlichen Umweltforschungsinstitut INPE veröffentlichten Bericht auf der Basis von Satellitendaten. Die Entwaldung entspricht rund dreimal der Fläche des Saarlands.

Im Vergleichszeitraum von 2015 hatte die Behörde noch eine gerodete Fläche von 6207 Quadratkilometern erfasst, mit einem Anstieg von 24 Prozent im Vergleich mit dem Vorjahr. Die jetzt erhobene Zahl entspricht einem Anstieg um 29 Prozent.

Am größten war der Waldverlust im Bundesstaat Pará im Norden des Landes, dort wurden 2153 Quadratkilometer Wald gerodet. Mehr als 1000 Quadratkilometer Wald gingen zudem jeweils in den Staaten Mato Grosso und Rodonia im Wesen von Brasilien verloren.

Klimagas freigesetzt

130 Millionen Tonnen CO2 seien durch die Abholzung freigesetzt worden, das entspreche zweimal den jährlichen Emissionen von ganz Portugal, erklärte Tasso Azevedo von der brasilianischen Beobachtungsstelle für Treibhausgase.

Gründe für die Abholzung sind der Flächenbedarf für Viehzucht und Sojaanbau, zudem werden viele Tropenbäume illegal gefällt, um mit dem edlen Holz Geld zu verdienen.

Sojaproduzent als Agrarminister

Die Umweltstiftung WWF wertete die Zahlen als gefährliche Trendwende. "Die Abholzung nimmt seit dem historischen Tiefstand von 2012 mit 4571 Quadratkilometern wieder zu. Angesichts der politischen Lage in Brasilien könnte die neue Statistik zudem nur ein Vorzeichen sein für weit größere Zerstörungen", erklärte Christoph Heinrich vom WWF Deutschland.

Die linke Präsidentin Dilma Rousseff wurde Ende August des Amtes enthoben. Das Amt übernahm ihr konservativer Vizepräsident Michel Temer. Für viel Kritik sorgte, dass mit Blairo Maggi einer der größten Sojaproduzenten neuer Agrarminister wurde. Es gibt starken Druck, Schutzgebiete aus ökonomischen Interessen weiter aufzuweichen.

jme/dpa

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