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Naturspektakel in Frankreich: Tausende bestaunen Rekord-Springflut

Gegen 7.45 Uhr erreichte der Wasserstand seinen ersten Höhepunkt, insgesamt soll sich das Meer meterhoch auftürmen. Die Rekord-Springflut an der französischen Küste hat die Klosterinsel Mont-Saint-Michel vom Festland abgeschnitten.

Sie kamen zu Tausenden an den Ärmelkanal: Rund zehntausend Menschen versammelten sich bereits in der Nacht an der Klosterinsel Mont-Saint-Michel in der Normandie, um die "Jahrhundert-Tide" an Frankreichs Küste zu erleben.

Gegen 7.45 Uhr erreichte sie am Samstagmorgen ihren ersten Höhepunkt. Fernsehbilder zeigten den Mont-Saint-Michel völlig vom Festland abgeschnitten. Das Wasser stieg rasch an und umschloss schließlich die Weltkulturerbestätte komplett. Die Brücke, die zu der Insel führt, stand an einer Stelle sogar unter Wasser. Dann zog es sich erst einmal wieder zurück. Der Meeresspiegel sollte vom tiefsten Punkt der Ebbe bis zum höchsten Punkt der Flut um 14,5 Meter ansteigen - das ist mehr, als ein vierstöckiges Haus hoch ist. Das seltene Schauspiel des bemerkenswerten Tidenhubs soll sich am Abend wiederholen.

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Rekord-Springflut: Wellenfreuden für Naturliebhaber
Auch in Großbritannien, Kanada und Australien wurde eine besonders hohe Springflut erwartet. In Großbritannien sollte das Wasser vor allem im Kanal von Bristol um mehr als 14 Meter steigen.

Sonne, Mond und Erde stehen auf einer Geraden

Ursache der Springflut ist eine besondere Himmelskonstellation, die auch zur Sonnenfinsternis in Mitteleuropa am Freitag führte: Sonne, Mond und Erde stehen in einer Linie, dadurch sind die Gezeitenkräfte auf der Erde, die Ebbe und Flut verursachen, besonders stark.

Laut Gravitationsgesetz ziehen sich zwei Körper gegenseitig an. Das führt dazu, dass der Mond abhängig von seinem Abstand zur Erde das Wasser in seine Richtung zieht. Es fließt auf der Erde dann in Richtung der dem Mond zugewandten Seite. Gleichzeitig wirken Fliehkräfte, die das Wasser auf der Erde in Richtung der mondabgewandten Seite drücken. Vorstellen kann man es sich wie bei zwei Kindern, die sich an den Händen gefasst im Kreis drehen. Durch die Fliehkraft fliegen ihre Haare nach hinten.

Die gleichen Kräfte wirken auch zwischen Sonne und Erde, allerdings schwächer, weil sie weiter voneinander entfernt sind. Steht der Mond, so wie am Samstag, in einer Linie mit Sonne und Erde, werden die Gravitationskräfte verstärkt. Ebbe und Flut sind dann besonders ausgeprägt.

Ein Tidenzyklus hat 18 Jahre

Weil der Mond die Erde monatlich umrundet, kommt es etwa alle 14 Tage zur Springflut, allerdings fällt sie in der Regel deutlich geringer aus als am Samstag. Die "Jahrhundertflut" kehrt nur alle 18 Jahre wieder. Der Zeitraum ergibt sich aus der sich periodisch verändernden Nähe von Sonne und Mond zur Erde. Nur alle 18 Jahre stehen alle drei Himmelskörper so zueinander, dass die Gezeitenkräfte besonders extrem ausfallen.

Am Klosterberg Mont Saint-Michel fallen Ebbe und Flut besonders stark aus. Für den Samstagmorgen hatten die Experten einen Gezeitenkoeffizienten von 118 auf einer Skala von 20 bis 120 vorhergesagt. Für Samstagabend, wenn die Flut ein zweites Mal kommt, ist sogar ein Koeffizient von 119 berechnet, ein Rekordwert.

Am Klosterberg Mont-Saint-Michel lautet eine Redensart, dass die Flut "mit der Geschwindigkeit eines Pferdes im Galopp" daherkommt. Die Menschen an den Küsten sind daher zur Vorsicht aufgerufen, im Vorfeld fanden sogar Katastrophenübungen für den Fall von Überflutungen statt.

heb/dpa/AFP

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1. Ja und wie hoch...
K-T 21.03.2015
...war die Springflut nun? "Soll", "sollte", "man erwartet"...es fehlt noch: "Hätte, hätte, Farradkette." Hallo, SPON, die Springflut ist um 07:45 eingetreten, nun ist es 11:30. Seid ihr nicht in der Lage, die wirklich erreichten Werte zu nennen? An der Kaimauer von St. Lo sieht es zumindest nicht nach nem 4-stöckigen Haus aus.
2. Die Apokalyptiker. Erst Apo, dann Calypso
Grafsteiner 21.03.2015
Das war wieder nichts. Wie die ständigen Schneestürme in New York in diesem Winter. Man stelle sich vor, es ist Winter und es gibt Schnee.... Man schaue sich die Fotos hier an. Glotzaffen auf der Pier und die Flut nässte denen nicht einmal die Füsse und auch nicht den Mont-Saint-Michel. Wie es gestern ebenfalls in dem grössten Teil von Deutschland keine gross angekündigte Sonnenfinsternis gab. Es gab nur die Pressehype, um Blendschutz zu verkaufen. Dabei braucht es eher Blendschutz vor den Blendern der Medien. Die Presse knallt in einer absurden Sensationsgeilheit durch.
3.
thola49 21.03.2015
Da war doch was im Physikunterricht vor 45 Jahren: Das Baryzentrum. Nicht die direkte Anziehung des Wassers von Mond und Sonne (nur ca. 30 cm), sondern das "Eiern" der sich drehenden Erde um den gemeinsamen Schwerpunkt des Systems Sonne-Mond-Erde lässt den Tidenhub von mehreren Metern entstehen.
4. abwarten
cobaea 21.03.2015
Zitat von K-T...war die Springflut nun? "Soll", "sollte", "man erwartet"...es fehlt noch: "Hätte, hätte, Farradkette." Hallo, SPON, die Springflut ist um 07:45 eingetreten, nun ist es 11:30. Seid ihr nicht in der Lage, die wirklich erreichten Werte zu nennen? An der Kaimauer von St. Lo sieht es zumindest nicht nach nem 4-stöckigen Haus aus.
"Um 7:45 Uhr erreichte eine erwartete «Jahrhundert-Tide» ihren ersten Höhepunkt. Den höchsten Unterschied zwischen Ebbe und Flut erreicht das Meer in der Bucht von Mont Saint-Michel am Sonntag. Um 8.30 Uhr wird der Pegel bei 14,4 Metern stehen, bis um 15.50 Uhr zieht sich das Meer zehn Kilometer zurück und hat nur noch einen Pegel von 0,1 Metern." Quelle: Tagesanzeiger, Zürich
5. Seltsame Formulierungen
kritischerleser50 21.03.2015
Also gut: "Eine Insel wird vom Festland abgeschnitten"... Ok, ich habe schon kapiert, dass es sich darauf bezieht, dass der Damm unter Wasser liegt, aber trotzdem lustig... Und "Die Jahrhundertflut kehrt alle 18 Jahre wieder"... Ich habe gelernt, dass ein Jahrhundert 100 Jahre umfasst.... Oder ist auch das dem schnelleren hektischen Zeitablauf unserer Tage angepasst worden...? Jetzt mal im Ernst: Dieses ständige Geschreibsel von "Jahrhundertdies und Jahrhundertdas", das permanene Herbeischreiben und -reden der bevorstehenden Apokalypse (Hilfe, es wird morgen (27. Dezember) tatsächlich 5 cm Schnee erwartet - lasst die Kinder zu Hause, deckt euch mit Vorräten ein) ist doch nur noch der verzweifelte Versuch der Medien, Aufmerksamkeit zu erreichen. Und unsere Wetterdienste nähern sich immer mehr amerikanischen Verhältnissen an. Um "Klagen" zu vermeiden, wird heute bei jeder erwarteten Windbewegung über Windstäke 7, jedem Regen über 10 cm und jedem Schneefall über 2 cm die Nation mit "Unwetterwarnungen" beglückt. Um nicht falsch verstanden zu werden: Klar, lieber einmal zu früh warnen als zu spät, aber dieses ständige "Morgen geht die Welt unter"-Gerede führt doch nur zur Abstumpfung. Und niemand nimmt die ständige Unwetterwarnerei noch ernst.
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