Sieben Kilo Gewichtsverlust Rentiere specken unfreiwillig ab

Einen Schlitten voller Geschenke ziehen kostet Kraft. Ob die Rentiere auf Spitzbergen die in diesem Jahr aufbringen können, ist fraglich. Sieben Kilo haben sie in den vergangenen Jahren abgenommen.

AFP

Was ist los mit den Rentieren in der norwegischen Arktis? Zwölf Prozent ihres Körpergewichts haben sie in den vergangenen sechzehn Jahren verloren, berichten Forscher auf dem Jahrestreffen der British Ecological Society in Liverpool. Bei allen Weihnachtsmann-Witzen, machen sie sich ernsthaft Sorgen um die Tiere.

Steve Albon vom James Hutton Institute in Schottland und Kollegen markieren seit 1994 jedes Jahr zehn Monate alte Rentierkälber einer Herde auf Spitzbergen und dokumentieren in den folgenden Jahren die Größe und das Gewicht der Tiere. Zu Anfang der Studie geborene Rentiere erreichten demnach im Durchschnitt ein Erwachsenengewicht von 55 Kilo. Tiere aus dem Geburtsjahr 2010 kamen nur auf 48 Kilo.

"Ein Verlust von zwölf Prozent mag zuerst nicht nach besonders viel klingen", sagt Albon. Bedenke man aber, wie wichtig das Gewicht für die Fortpflanzungsfähigkeit ist, könne er durchaus bedeutsam sein. Frühere Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Rentierpopulation abnimmt, wenn das Durchschnittsgewicht der Tiere im April unter 50 Kilogramm liegt.

Mehr Tiere, mehr Konkurrenz

Warum die Rentiere auf Spitzbergen derzeit so schlank sind, lässt sich dabei schwer mit Gewissheit sagen. Die Wissenschaftler haben mehrere Theorien, die alle das Ergebnis haben, dass die Rentiere weniger Futter finden.

Zum einen könnten höhere Temperaturen auf Spitzbergen die Nahrungssuche erschweren, berichtet Albon. Im Winter falle nun mehr Regen. Er legt sich auf die Schneedecke, gefriert und versiegelt den Untergrund, sodass die Rentiere nicht mehr an das unter der Schneedecke liegende Futter - vor allem Flechten - kommen. Die Rentiere hungern und gebären leichtgewichtigere Kälber.

Gleichzeitig werden immer mehr Kälber geboren. Die Zahl der Rentiere hat sich in den vergangenen 20 Jahren fast verdoppelt - in der untersuchten Herde stieg sie von 800 auf 1400 Tiere. Das wiederum könne an höheren Temperaturen im arktischen Sommer liegen, so Albon.

Auf Spitzbergen verdeckt Schnee den Boden acht von zwölf Monate im Jahr. Grasen können die Rentiere vor allem im Juni und Juli. Dadurch, dass es in dieser Zeit nun wärmer ist, wachsen die Gräser stärker. Rentierweibchen fressen sich bis zum Herbst zunächst gute Vorräte an - die Fortpflanzungsrate ist hoch.

Doch sinkt das Futterangebot plötzlich im Winter, kommen letztlich viele, aber dafür recht kleine Kälber zur Welt - die später alle gegenseitig und mit älteren Tieren um Nahrung konkurrieren.

jme



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