Reviergehabe: Karpfen kommunizieren mit kurzen Blitzen

Andere Männchen fernzuhalten ist einer Karpfenart so wichtig, dass sie dafür ein raffiniertes Signal entwickelt hat: Durch Augenrollen schicken die Fische kurze Blitze zu ihren Rivalen. Auch wenn das Wasser fast schon zu dunkel zum Sehen ist, klappt das noch - und geht ebenso fix wie diskret.

London - Karpfen haben keine Taschenlampen im Kopf, auch nordamerikanische Saugkarpfen der Art Xyrauchen texanus nicht. Umso erstaunter waren Wissenschaftler, als sie einige dieser Fische im Colorado River beobachteten: Normalerweise hielten sich die Fischmännchen dicht am Boden und waren kaum vom Hintergrund zu unterscheiden. Hin und wieder jedoch verrieten sie ihre Anwesenheit durch zwei kurze, etwa eine halbe Sekunde andauernde Lichtblitze.

Zuchtkarpfen: Nordamerikanische Verwandte haben eine Augenroll-Technik entwickelt, um sich Rivalen vom Leib zu halten
AP

Zuchtkarpfen: Nordamerikanische Verwandte haben eine Augenroll-Technik entwickelt, um sich Rivalen vom Leib zu halten

Wie und warum blitzten die bloß? Inigo Novales Flamarique von der Simon Fraser University im kanadischen Burnaby und seine US-Kollegen sahen genauer hin: Die Fische verdrehen ihre Augäpfel, bis das Weiße zu sehen ist und das von oben darauffallende Restlicht in Form kurzer, intensiver Lichtblitze reflektiert wird. Das berichten Flamarique und sein Team in der Wissenschaftszeitschrift "Proceedings of the Royal Society B". Besonders häufig zeigten die Fische dieses Verhalten, wenn umherstreifende Männchen in ihre Nähe kamen.

Doch was soll das Ganze? Die Forscher setzten einige Saugkarpfen in ein Aquarium und konfrontierten sie mit Fisch-Dummys, die über blitzende Leuchtdioden anstelle von Augen verfügten - und mit diesen abwechselnd blitzten. Dann ließen die Forscher jeweils fünf Fische in das Becken und beobachteten deren Verhalten. Das Ergebnis: Männlichen Testfische hielten sich immer deutlich näher bei dem nicht blitzenden als bei dem blitzenden Fischmodell auf, während weibliche Tiere keine Vorliebe für einen der beiden künstlichen Artgenossen zeigten.

Im Gegensatz zu anderen Tierarten, die ihre Weibchen mit optischen Signalen beeindrucken wollen, zielt das Augenrollen der Karpfen auf andere Männchen ab - es soll sie erschrecken und so aus dem eigenen Revier fernhalten, folgern die Biologen.

Weitere Untersuchungen zeigten außerdem, dass die Augen der Tiere optimal auf das Augenblitzen eingestellt sind: Die Blitze enthalten einen hohen Anteil ultravioletten Lichts, und die Netzhaut der Fische weist im unteren Bereich Sinneszellen auf, die auf genau dieses Licht reagieren. Es handele sich bei dem Augenrollen daher um eine sehr effiziente Kommunikationsmethode, schreiben die Forscher. Die Signale seien zwar auffällig, aber immer nur kurz sichtbar - erschwerten potenziellen Feinden daher das Aufspüren der Tiere, während Artgenossen sie leicht wahrnehmen könnten.

stx/ddp

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