Rhein kürzer als gedacht: Auf die Länge kommt es an

Wahrscheinlich ist ein Zahlendreher schuld: Jahrzehntelang fand sich in Nachschlagewerken, Lehrbüchern und offiziellen Unterlagen eine falsche Zahl für die Länge des Rheins. Ein Kölner Wissenschaftler hat nachgerechnet und den peinlichen Lapsus entdeckt.

Rhein: Auf die Länge kommt es an Fotos
dpa

Köln - Wann sich der Fehler in die Bücher einschlich, ist nicht mehr einfach nachzuvollziehen. Doch offenbar ist der Rhein in Wirklichkeit 90 Kilometer kürzer als in den letzten Jahrzehnten angenommen. Das behauptet zumindest der Biologe Bruno Kremer von der Universität Köln in der "Süddeutschen Zeitung" vom Samstag - und er hat gute Argumente. Der Wissenschaftler hat ein Buch mit ökologischem Schwerpunkt über einer der verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt geschrieben - und bei der Recherche dafür den Fehler gefunden.

In Büchern und Unterlagen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sei die Länge des Flusses noch mit 1230 Kilometern angegeben worden, argumentiert Kremer. In modernen Lexika aber sei nun von 1320 Kilometern die Rede. Schuld daran sei wohl ein simpler Zahlendreher - und nicht wie von einigen spekuliert die Begradigung des Flusses im 19. Jahrhundert.

Aufgefallen ist der Fehler noch nicht einmal internationalen Autoritäten wie der Kommission für die Hydrologie des Rheingebietes (KHR), die ihren Sitz in den Niederlanden hat. Allerdings wird über die Frage der Rheinlänge schon seit einiger Zeit diskutiert. Im Netz-Lexikon Wikipedia wurde die Längenangabe zum Beispiel schon Anfang des Jahres richtiggestellt, nachdem damals zum Beispiel der "Kölner Stadtanzeiger" über Kremers These berichtet hatte.

"Die Zahlenangabe der modernen Nachschlagewerke ist schlicht falsch", sagt der Forscher. "Irgendwann um 1960 wurde wohl aus 1230 eine 1320." Der Fehler habe sich immer weiter verbreitet, weil offenbar einer vom anderen abgeschrieben habe. "Ich will nicht ausschließen, dass ich mich um ein bis zwei Kilometer vertan habe", sagte Kremer. "Je nachdem, welchen Punkt man als Rheinquelle definiert, können Messungen um rund fünf Kilometer schwanken.

Behörden und Verlage sind nun offenbar aufgeschreckt - und wollen die korrekte Länge von 1230 Kilometern offiziell verbreiten. "Auch in unseren Veröffentlichungen steht die Zahl 1320 Kilometer, allerdings setzen wir intern ein dickes Fragezeichen dahinter", sagte etwa Alfred Hommes, Sprecher der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz.

Für die Länge des schiffbaren Teils des Rheins ändert die aktuelle Diskussion nichts. Doch die Angelegenheit zeigt, wie richtig schon der französische Literat Victor Hugo lag, als er schrieb: "Der Rhein ist der Fluss, von dem alle Welt redet und den niemand studiert, den alle Welt besucht und niemand kennt."

chs/dpa

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insgesamt 62 Beiträge
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1. Meine Güte!
wkawollek 27.03.2010
Hat man keine Probleme,findet man welche! VIEEL wichtiger heute Bayern verliert und Schalke gewinnt!
2. Nicht beim Wasser, sondern beim Schiff
k.h.a. 27.03.2010
kommt es drauf an: Länge läuft, sagt der Seemann, wenn er die Länge der Wasserlinie in den Blick nimmt. Je länger, je höher die sog. Eigengeschwindigkeit, durch welche die Höchstgeschwindigkeit im Verhältnis zum Energieaufwand begrenzt ist. Wirft man einen Blick etwa auf die Silhouette von Fregatte und Zerstörer, fällt die hinten lang auslaufende Bauweise auf - so gab es mehr Tempo.
3. Begradigung
franzosen 27.03.2010
Wurde der Rhein nicht an mehreren Stellen begradigt ? Vielleicht kommt der Längenunterschied daher...
4.
omega84 27.03.2010
Zitat von franzosenWurde der Rhein nicht an mehreren Stellen begradigt ? Vielleicht kommt der Längenunterschied daher...
Lesen Sie den verdammten Artikel.
5. Mama mia . . .
hazet 27.03.2010
haben die "Akademiker" wieder aus einer nebensächlichen Mücke einen Elefanten gemacht oder gibt's einfach keine anderern, wichtigeren Probleme mehr? Müssen jetzt alle Lexiken und Atlanten neu gedruckt werden? Die Buchdrucker freut's bestimmt!
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