Urzeit-Tier 150 Teile des Monster-Skorpions

Er hatte die Länge eines Menschen: In Urzeitmeeren lauerte ein Riesenskorpion auf Beute. Jetzt zeigen 150 Versteinerungen den Giganten im Detail - Stacheln, Schuppen, Follikel und Haare werden sichtbar.

DPA/ Patrick Lynch/ Yale UC

Forscher haben in den USA die Überreste eines großen Riesenskorpions entdeckt. Der vermutlich bis zu 1,70 Meter lange Gigant bevölkerte vor 460 Millionen Jahren die Meere.

Damit ist er der älteste bekannte Vertreter der seit rund 250 Millionen Jahren ausgestorbenen Seeskorpione (Eurypterida). Die Forscher um den Paläobiologen James Lamsdell von der Universität Yale (US-Staat Connecticut) tauften die Spezies Pentecopterus decorahensis - nach der Pentekontere, einem antiken griechischen Kriegsschiff.

Sie wählten den Namen aufgrund der ähnlichen Form und der vermutlich räuberischen Lebensweise des Riesenskorpions. Im Fachjournal "BMC Evolutionary Biology" berichten sie von 150 fossilen Überresten, die in der Winneshiek-Lagerstätte gefunden wurden. Dieser 27 Meter dicke, sandige Schiefer liegt in einem Meteoritenkrater im Nordosten des US-Staates Iowa.

Die Wissenschaftler sind begeistert vom Zustand der Fossilien. "Das Skelett ist zwar in Stein gepresst, kann aber abgezogen und unter dem Mikroskop untersucht werden", wird Lamsdell in einer Mitteilung der Zeitschrift zitiert. "So werden erstaunliche Details sichtbar, wie etwa das Muster von kurzen Haaren an den Beinen." Es sei fast, als würde man Überreste eines heutigen Tieres untersuchen.

"Außerordentlich bizarr"

Der gute Zustand der Fossilien erlaubt den Wissenschaftlern eine Analyse feinerer Strukturen wie Stacheln, Schuppen, Follikeln und Haaren. Die Hinterbeine mit dichten Borsten besetzt - ähnlich wie bei Krebsen, bei denen diese Borsten für eine vergrößerte Oberfläche und damit mehr Antrieb beim Schwimmen sorgen. Da die Haarfollikel bei dem Seeskorpion aber kleiner waren, dienten die daraus wachsenden Borsten vermutlich eher zum Fühlen, glauben die Forscher.

Die Hinterbeine des Seeskorpions hatten eine große paddelförmige Oberfläche und eigneten sich damit zum Schwimmen oder Graben. Das zweite und dritte Gliedpaar war vermutlich nach vorne geneigt, was darauf hindeute, dass diese Beine eher dem Beutefang als der Fortbewegung dienten.

Die drei hinteren Gliedpaare sind kürzer als das vordere, so dass Pentecopterus vermutlich auf sechs seiner acht Beine lief. "Die neue Spezies ist außerordentlich bizarr", kommentiert Lamsdell. "Die Paddelform ihrer Beine ist einzigartig, ebenso wie ihre Kopfform."

Zehn erstaunliche Entdeckungen

boj/dpa



insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
Layer_8 01.09.2015
1. Antike Kriegsschiffe
Da sieht man, dass die Evolution, wenn auch nicht zielgerichtet, immer wieder die gleichen Formen hervorbringt. Ala natürliche Reaktion auf die Naturgesetze. Einfacher gehts nicht.
cassandros 01.09.2015
2. Naturgesetze als Ziel
Zitat von Layer_8Da sieht man, dass die Evolution, wenn auch nicht zielgerichtet, immer wieder die gleichen Formen hervorbringt. Ala natürliche Reaktion auf die Naturgesetze. Einfacher gehts nicht.
Was bedeutet hier "immer gleiche Formen"? Das wird leider nicht klar.
spuze 01.09.2015
3. Naturgesetze als Formgeber
Eine evolutionäre Formentwicklung, bedingt durch die physikalischen Gesetze in Flüssigkeiten..?
Moewi 01.09.2015
4.
Zitat von cassandrosWas bedeutet hier "immer gleiche Formen"? Das wird leider nicht klar.
Z.B: Egal ob Urfische, Fischsaurier, oder ehemalige Landsäuger die ins Meer zurückgingen (Delfin, Wal): Diese Lebensformen sind hunderte von Millionen Jahren voneinander getrennt, haben nichts gemeinsam (Fisch, Reptil, Säugetier) und sehen sich doch auffallend ähnlich. Die Stromlinienform ist dem Lebensraum geschuldet. Es steckt kein geheimer Plan dahinter, es setzt sich einfach das physikalisch sinnvollste (hier: energiesparendste) durch.
Afrojüdischer_Sozi-Sinti 01.09.2015
5. Vorsicht
Zitat von Layer_8Da sieht man, dass die Evolution, wenn auch nicht zielgerichtet, immer wieder die gleichen Formen hervorbringt. Ala natürliche Reaktion auf die Naturgesetze. Einfacher gehts nicht.
Die Naturgesetze sind zwar universell, aber auf der Erde herrschen ja trotzdem noch überall unterschiedliche Bedingungen, die auch eine unterschiedliche Art der Anpassung erfordern. Der Mensch spielt hier eine Sonderrolle, da er mit seiner Technologie auch diese Umweltbedingungen bewusst verändern kann (selbstverständlich nicht die Naturgesetze).
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