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Noch ohne Messgeräte: Riesiger Klimaturm wird in Brasilien eingeweiht

Turm im Dschungel: Geheimisse der Höhe Fotos
REUTERS

Weit über den Baumkronen des brasilianischen Regenwaldes sollen Messgeräte wichtige Daten für die Klimaforschung sammeln. Der dazugehörige, mehr als 320 Meter hohe Turm wird in dieser Woche eingeweiht - allerdings noch ohne Technik.

Der Berliner Fernsehturm ist mit 368 Metern das höchste Gebäude Deutschlands - und wenn man seine Maße kennt, kann man ein Bauprojekt vielleicht etwas besser einschätzen, das in wenigen Tagen im Urwald Brasiliens offiziell eingeweiht wird. Die Rede ist vom "Amazonian Tall Tower Observatory", kurz "Atto". Das ist eine 325 Meter hohe Metallkonstruktion, die Klimaforschern in Zukunft als einzigartige Messplattform dienen soll - und gewissermaßen die Lücke schließen soll zwischen Satelliten- und Boden-Messungen.

Soll, wohlgemerkt. Denn zum Start gibt es noch gar keine Messgeräte auf dem Turm. Die müssen nach einer Ausschreibung noch bestellt werden, heißt es beim Projektträger im DLR in Bonn. Anfang des kommenden Jahres werde das so weit sein. In mehreren Höhenstufen werden dann die Messgeräte an Auslegern installiert und schweben so quasi über den Baumkronen, auch in stabile Luftschichten, in denen Treibhausgase nicht dem Tag-Nacht-Wechsel durch Pflanzen unterliegen.

Die Klimaforscher wollen mithilfe des Turms zwei grundlegende Fragen beantworten:

  • Wie viel Treibhausgase schlucken die Wälder?
  • Und wie stark tragen sie zur Bildung von Wolken bei?

Über einen Aufzug oder eine Treppe können sich Wissenschaftler und Techniker auf dem Turm bewegen. Doch einmal installiert, sollen die Messgeräte vor allem selbstständig Daten sammeln und übers Netz übertragen.

Merkel nicht im Dschungel

Am Samstag wird "Atto" also offiziell eingeweiht, nach sechs Jahren Planung und Bau - der Termin hat vor allem mit den aktuellen deutsch-brasilianischen Regierungskonsultationen zu tun. "'Atto' hilft, Klimaveränderungen besser zu verstehen und die grünen Lungen unseres Planeten zu schützen", sagt Forschungsministerin Johanna Wanka. Doch weder sie noch Kanzlerin Angela Merkel werden zur Einweihung dabei sein - dafür ist der Standort des Turms wohl einfach zu abgelegen: rund 150 km nordöstlich von Manaus, im größten zusammenhängenden Regenwaldgebiet der Welt. Deutschland wird durch Vertreter der Botschaft vertreten.

"Alle Daten, die wir an diesem neuen Messturm generieren, fließen in Modelle zur Vorhersage der Klimaentwicklung ein", verspricht Ferdi Schüth, Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft. Der Turm wird von den Max-Planck-Instituten für Chemie (Mainz) und Biogeochemie (Jena) sowie dem brasilianischen Bundesinstitut für Amazonasforschung (INPA) und der Universität des Staates Amazonas (UEA) betrieben. Deutschland und Brasilien hatten sich im Jahr 2009 verpflichtet, die Kosten von insgesamt 8,4 Millionen Euro für Bau und zunächst fünf Jahre Betriebsdauer je zur Hälfte zu tragen.

Bei der Max-Planck-Gesellschaft kennt man sich mit Klima-Messtürmen übrigens aus. Zusammen mit russischen Partnern betreiben die Wissenschaftler in der Taiga Sibiriens eine ähnliche Anlage. Sie ist 304 Meter hoch und heißt "Zotto", nach dem nächstgelegenen Ort Zotino.

chs

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