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Ringen um Rohstoffe: Exklusiver Zirkel will Zukunft der Arktis aushandeln

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Inuit-Schlitten in der kanadischen Arktis: Vertrauliche Gespräche Zur Großansicht
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Inuit-Schlitten in der kanadischen Arktis: Vertrauliche Gespräche

Diplomaten in Island, Schweden und Finnland sind sauer, traditionelle Arktis-Völker erst recht: Fünf Polarstaaten wollen bei einem Treffen in Kanada die Zukunft der Arktis bestimmen - abgeschirmt von allen Kritikern.

Der glücklose Tüftler hatte sich ein ausgesprochen hübsches Plätzchen gesucht. Ein riesiges Mischwaldgebiet umschließt das abgeschiedene Sommerhaus, das sich der kanadische Erfinder Thomas Willson Anfang des 20. Jahrhunderts nordöstlich der kanadischen Hauptstadt Ottawa bauen ließ. Zu Füßen der rotbedachten Villa plätschern sanft die Wellen des Meech Lake. Willsons nahe Düngemittelfabrik floppte allerdings. Ihr hochverschuldeter Besitzer starb 1915 an den Folgen eines Herzinfarkts.

Schon lange nutzt die kanadische Regierung die frühere Fabrikantenunterkunft als Ort für exklusive Zusammenkünfte. Die Abgeschiedenheit des Gatineau Parks bietet die Chance auf vertrauliche Gespräche. So wurde im Willson-Haus zum Beispiel im Jahr 1987 eine Vorlage zur Reform der kanadischen Verfassung ausgearbeitet.

Am Montag lädt Kanadas Außenminister Lawrence Cannon nun zu einem ebenso exklusiven wie umstrittenen Treffen ins Willson-Haus: Zusammen mit Amtskollegen aus vier weiteren Arktisstaaten - den USA, Russland, dem von Dänemark vertretenen Grönland und Norwegen - will Cannon über die Zukunft des hohen Nordens verhandeln. Weitere Gäste sind dabei nicht zugelassen. Diplomaten aus mehreren ausgeladenen Ländern sind wütend, Vertreter der traditionellen Einwohner erst recht.

Kein Interesse an einem umfassenden Umweltschutzvertrag

Es gibt reichlich Diskussionsstoff. Die Arktis verändert sich in einem unvorstellbar hohen Tempo. Zwischen mehreren Ländern schwelen Grenzkonflikte. Außerdem droht Streit um zusätzliche Gebietsforderungen der Polarstaaten bei der Uno. Und erst vor wenigen Tagen hatte Russlands Präsident Dmitrij Medwedew beklagt, andere Staaten würden versuchen, den Zugang Moskaus zur Arktis einzuschränken. Gleichzeitig würden diese Länder "aktive Schritte " unternehmen, um ihre Forschungsarbeit sowie die wirtschaftliche und militärische Präsenz rund um den Nordpol zu verstärken, beklagte der Staatschef - ohne freilich zu sagen, gegen wen sich seine Kritik eigentlich richtete.

Einig dürfte sich die arktische Fünfergruppe bei ihrem Treffen in Kanada vor allem über eines sein: Die Länder haben kein Interesse an einem umfassenden Umweltschutzvertrag für den hohen Norden, wie es ihn für die Antarktis gibt. Zu viele Rohstoffe locken in der Arktis, als dass sich die umliegenden Staaten bei deren Ausbeutung zu stark selbst beschränken möchten. Umweltschützer sehen diese Haltung extrem kritisch. Greenpaece-Chef Kumi Naidoo hat eigens einen Brief an die Außenminister der fünf Staaten geschrieben, der SPIEGEL ONLINE vorliegt. Der Plan, die Zukunft der Arktis hinter verschlossenen Türen zu entscheiden, sei nicht akzeptabel, heißt es in dem Papier.

Und Greenpeace-Mitarbeiterin Iris Menn fordert sogar ein "übergeordnetes, rechtsverbindliches Abkommen für die Arktis". Bis die Bedingungen für die Nutzung der Ressourcen der Region geklärt seien, müssten alle industriellen Aktivitäten im bisher eisbedeckten Bereich des arktischen Ozeans komplett ruhen, sagt die Umweltschützerin. Eine Forderung, der sich die Polarstaaten wohl kaum beugen werden.

"Das ist unsere Heimat, warum sollten wir da nichts zu sagen haben?"

Um über Angelegenheiten im hohen Norden zu verhandeln, gibt es eigentlich den Arktischen Rat. Darin sitzen neben den fünf Staaten, die sich nun in Kanada treffen wollen, noch eine Reihe weiterer Mitglieder - Finnland, Schweden, Island und einige Nichtregierungsorganisationen zum Beispiel. Außerdem gibt es ein halbes Dutzend ständiger Beobachter, darunter Deutschland. In politischen Fragen ist der Arktische Rat vergleichsweise schwach, weil die Mitglieder ihm nicht mehr Kompetenzen geben wollen. Doch in Sachen Umweltschutz genießt die Arbeit des Gremiums hohes Ansehen.

Die Ratsmitglieder Island, Finnland und Schweden stören sich nun daran, dass sie nicht an dem exklusiven Gesprächskreis im kanadischen Waldrefugium teilnehmen dürfen. Der finnische Außenminister Alexander Stubb hat sich bei einem Treffen mit dem Kanadier Cannon unlängst formell darüber beklagt. Außerdem stürmten mehrere Botschafter der ausgeladenen Staaten wütend in die Außenministerien des polaren Fünferclubs. "Dieses spezielle Treffen ist nur für Küstenstaaten des Arktischen Ozeans gedacht", verteidigt dagegen die kanadische Außenamtssprecherin Catherine Loubier im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Das sieht Greenpeace-Frau Iris Menn anders: Die Zusammenkunft der Fünf führe "den Arktischen Rat und seine Rolle ad absurdum". Auch die traditionellen Bewohner der Arktis hadern damit, dass das Treffen ohne sie stattfinden soll: "Das ist unsere Heimat, warum sollten wir da nichts zu sagen haben?", sagt Gunn-Britt Retter. Normalerweise vertritt die Norwegerin die Interessen des samischen Volkes beim Arktischen Rat. Bei dem Treffen in Kanada werden sie und ihre Kollegen ebenso wenig dabei sein können wie die Vertreter des Inuit Circumpolar Council, die sonst ebenfalls im Rat mitarbeiten. Und auch bei den Inuit ist man genervt über die Ausladung durch die Kanadier.

"Rahmen für eine friedliche Entwicklung im arktischen Ozean in der Zukunft"

Es ist bereits das zweite Mal, dass sich der exklusive Club der Fünf hinter verschlossenen Türen trifft - und die Draußengebliebenen vernehmlich grummeln. Im Mai 2008 hatte Dänemark die arktischen Schwergewichte zu einem gemeinsamen Treffen ins grönländische Ilulissat geladen. In trauter Runde traf man sich in den Konferenzräumen des Hotels Arctic mit spektakulärem Blick auf die mit Eisbergen angefüllte Disko-Bucht. Die Minister einigten sich auf eine Erklärung, die einen "guten politischen Rahmen für eine friedliche Entwicklung im arktischen Ozean in der Zukunft" verspricht - und darauf, dass man die Belange der Arktis am besten unter sich ausmachen werde.

Denn längst interessieren sich nicht mehr nur die unmittelbaren Anrainer für die Arktis. Gerade hat das schwedische Friedensforschungsinstitut Sipri einen Bericht vorgestellt, der Chinas zunehmendes Interesse am hohen Norden belegt. Die Europäer haben sogar schon eine eigene Polarstrategie vorgelegt. Im vergangenen Frühling blitzte Brüssel allerdings bei den Arktis-Staaten mit seinem Wunsch nach mehr Einfluss in der Arktis ab. Im kommenden Jahr wird immerhin noch einmal über einen Antrag der EU beraten, dauerhafter Beobachter im Arktischen Rat zu werden.

Das neuerliche Exklusivtreffen werde "die laufende Zusammenarbeit in der Region stärken, inklusive des Arktischen Rats", darauf beharrt Kanadas Außenminister Cannon. Doch die nicht berücksichtigten Mitglieder des Rates befürchten genau das Gegenteil. "Das ist genau der Grund, warum Island gegen das Treffen protestiert hat", sagt die Sprecherin des dortigen Außenministeriums Urdur Gunnarsdóttir im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Dass das Haus am Meech Lake seinen Gästen indes nicht nur Glück bringt, beweist neben dem traurigen Schicksal von Thomas Willson auch eine weitere Episode: Die dort ausgehandelte Verfassungsreform, der sogenannte Meech-Lake-Accord, flog der kanadischen Bundesregierung mit Pauken und Trompeten um die Ohren.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Tja, ...
JEW-T 29.03.2010
... aus Sicht der Inuit eine Greenpeace-isierung der Arktispolitik, nur diesmal nicht in Namen des Natur'schutzes', sondern der Rohstoff'sicherung' - gerade, so, als müsse man sich beeilen, um überhaupf noch etwas abzubekommen. Wo es doch nur eine Frage des Preises ist, den man später dann für den Rohstoff zahlen wird müssen, mit all den bekannten Spekulationsschwankungen, die in den Griff zu bekommen die industrialisierten Länder offensichtlich nicht fähig sind.
2.
Zero Thrust 29.03.2010
Hmm, interessantes und bewegendes Thema für alle Polarfüchse und Nordicity Buffs, mich eingeschlossen. Ich finde es ja schon mal gut, dass die Leute, d.h. die (geladenen) Staaten, miteinander sprechen! Den Unmut der indigenen Völker kann ich wohl nachvollziehen, das ist nur verständlich, allerdings ist ein Vor-, bzw. Übergehen dieser Art nun leider auch nichts Neues. Das betrifft beileibe nicht nur die Arktis. Wer fragt in etwa die Ureinwohner in den tropischen Regenwäldern (z.B.) Südamerikas, wenn es um dessen (und damit deren) Zukunft geht, wer bezieht die (wirklich) ein? Haste nix, biste nix, und wirst auch nicht groß nach deiner etwaigen Meinung gefragt. War auch in diesen Fragen doch nie anders. Andererseits siehe man sich an, welch globale Schwerstgewichte dort miteinander verhandeln (müssen).. USA.. Russland, allein die beiden müssen erstmal ihren gemeinsamen Nenner finden - da mutet die Vorstellung dann schon etwas absurd an, in derartiger Runde würden auch noch die etlichen traditionellen Völker auf den Tisch hauen. So traurig es ist. Mich wundert unabhängig davon übrigens einigermaßen, dass die USA überhaupt dabei sind, denn in der Vergangenheit hielt sich ihr (sichtbares) Interesse an der Region ja durchaus in Grenzen. Möglicherweise hat sich jetzt auch bis Washington herumgesprochen, was dort so alles lagert, oder man wollte sich einfach nicht lumpen lassen und am Ende noch leer ausgehen... Die Begründung, dieses Treffen sei im Speziellen nun mal für solche Arktisanrainer gedacht, die in der Hinsicht Küstenstaaten sind, finde ich, ehrlich gesagt, gerade noch nachvollziehbar. Das Einzige, was mir dann rätselhaft bleibt, ist der Ausschluss Islands. Wenn man Island zu diesem Kreis hinzurechnet - und das kann man (knapp, aber wohl) - dann weiß ich nicht, worum es sich bei der Insel handelt, wenn nicht um einen Küstenstaat. Und (auch) Island grenzt ans Nordpolarmeer. An der Stelle ist man dann leider inkonsequent. Gemessen daran, wirkt das Laden einer dänischen Delegation dann, mit Verlaub, schon ein wenig kurios, obschon mir der Hintergrund dessen (Grönland) wohlbekannt ist.
3.
Zero Thrust 29.03.2010
Interessant für mich auch die Verlinkung zum Artikel "Polarstaaten lassen Europäer abblitzen". War mir so gar nicht recht bewusst. Und ich find's richtig und gut! Ein Teil Europas ja, aber was hat bitte die EU dort zu suchen, geschweige denn zu sagen? Genau so wenig, wie China, in meinen Augen. Norwegen ist klug und nicht EU. Island auch nicht. Diese Länder aber sind, so weit ich sehe, die einzigen europäischen (Küsten)anrainer an die Arktis - Dänkemark muss man hierbei übergehen, da es in dem Fall um Grönland geht und die Menschen aus/auf Grönland haben mit der EU, Verzeihung, einen Dreck am Hut. Darüber hinaus sind "wir" dort nun mal nicht vertreten und ich find's nicht so falsch, dass man irgendwo auch mal die Grenze zieht. Darum seh' ich das mit diesem etwas eigenartigen Treffen zum ggw. Zeitpunkt auch nicht so dramatisch. Ich habe Verständnis, für Länder, die dort direkt betroffen sind und und deren Zahl ist halt begrenzt. Was aber ist so verwerflich daran, wenn die sich ab und an mit ihresgleichen treffen? Der Arktische Rat kann nicht für alles herhalten und, wie auch zu lesen, ist sein politisches Gewicht arg limitiert. Europa, nein Quatsch, die sog. EU, würde ich gern an Folgendes erinnern: Es gibt in meinen Augen *in* Europa - teilweise sogar innerhalb der EU - genügend Brennpunkte in unterschiedlichster Hinsicht, um die man sich doch bitte zunächst einmal bemühen möchte. Kehrt erstmal euren eigenen Hof! Und dann, und nur vielleicht, erhebt abgehobene Großmachtsansprüche in Regionen, mit denen ihr nicht viel mehr gemein habt, als die selbe Hemisphäre. Mir geht das wirklich auf die Nerven, dieses Gehabe à la "Europe? Everywhere!". Wo die (wirklich) Großen feilschen, darf "Europa" (d.h. die EU) nicht fehlen. So kann man im übrigen auch den Grundton dieses Artikels interpretieren. Norwegen geladen?? Schweden/Finnland nicht? EU-Affront!! Ergo beleidigt. Ist nervig. Einfach nur nervig.
4. .
frubi 29.03.2010
Zitat von sysopDiplomaten in Island, Schweden und Finnland sind sauer, traditionelle Arktis-Völker erst recht: Fünf Polarstaaten wollen bei einem Treffen in Kanada die Zukunft der Aktis bestimmen - abgeschirmt von allen Kritikern. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,685514,00.html
Wieso regen die sich denn noch auf? Lässt sich doch sowieso nicht ändern. Es gibt halt ein paar Vögel die meinen, dass alles auf der Welt ihnen gehört. Solange man Sie auch lässt werden die damit weitermachen. Die Menschen in ölreichen Regionen in Afrika können ein Lied davon singen.
5. Bedenklich
Rübezahl 29.03.2010
Zitat von sysopDiplomaten in Island, Schweden und Finnland sind sauer, traditionelle Arktis-Völker erst recht: Fünf Polarstaaten wollen bei einem Treffen in Kanada die Zukunft der Aktis bestimmen - abgeschirmt von allen Kritikern. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,685514,00.html
Bei der Habgier des Menschen, kann dass nicht gutgehen. Da braut sich etwas für die Zukunft zusammen.
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