Rippströme Mysteriöser Sog ins Meer

Rippströme sind eine Gefahr an vielen Stränden: Ein unsichtbarer Sog zieht Badende ins Meer hinaus. Messungen zeigen jetzt, wann die Bedrohung am größten ist.

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Dave Clark/Woods Hole Oceanograp

Tsunamis, Sturmfluten, Haie - Küstenorte wappnen sich gegen allerlei Gefahren. Rippströme jedoch bleiben oft unbeachtet, dabei sterben allein in den USA jährlich Dutzende Menschen in den starken Strömungen am Strand.

Meistens bemerken Badende zu spät, dass sie in Gefahr sind. Ein Sog packt sie, zieht sie hinaus, wirft ihre Körper hin und her. Oft versuchen die Leute panisch gegen die Strömung anzuschwimmen - sie haben keine Chance: Rippströme können auf 2,5 Meter pro Sekunde beschleunigen, dagegen kommen nicht mal Schwimm-Olympiasieger an.

Die einzige Rettung: Ruhig zur Seite schwimmen - Rippströme sind zwar stark, aber meist nicht breit.

Wo Gefahr droht

In den USA versuchen Forscher, Warnsysteme zu entwickeln. Experimente sollen enthüllen, wann Rippströme drohen. Eine Kampagne in diesem Sommer brachte überraschende Erkenntnisse.

Rippströme kommen an Küsten mit kräftigen - aber nicht unbedingt hohen - Wellen vor. Die Energie der Brandung wird am Strand reflektiert, Wasser strömt zurück. In Vertiefungen im Meeresboden oder in Lücken in einer Sandbank kanalisiert sich der Rückstrom: Je mehr Wasser sich im Rippstrom sammelt, desto schneller fließt er.

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Strände an Ostsee und Nordsee sind weniger gefährdet, in flacheren Nebenmeeren bewegt sich weniger Wasser, mithin weniger Energie - die Rückströme bleiben klein. In den USA jedoch sterben in Rippströmen etwa 50 Menschen pro Jahr, warnt die Nationalen Behörde für Ozean- und Atmosphärenforschung (NOAA).

Umgepflügter Meeresboden

An einem Strand in North Carolina versuchten Meereskundler der Woods Hole Oceanographic Insitution nun, Rippströme bereits bei ihrer Entstehung zu erfassen: Die Forscher schufen einen künstlichen Rippstrom und verkabelten ihn wie einen Intensivpatienten.

Mit einem Propellerboot der Marine pflügten die Wissenschaftler einen künstlichen Kanal in den Meeresboden. Bald hatte sich ein 30 Meter breiter, zwei Meter tiefer und 50 Meter langer Rippstrom gebildet, der durch den Kanal vom Strand nach draußen floss.

Die Forscher rammten Stangen drei Meter tief in den Boden, an deren Spitzen Strömungsmesser hingen. 36 Stunden konnten sie Daten sammeln, dann versiegte die Strömung.

Die Ergebnisse:

  • Die Strömung war bei Niedrigwasser am stärksten.
  • Mittelhoher Wellengang schuf die kräftigsten Rippströme.
  • Liefen Wellen senkrecht zum Strand, entwickelten sich Rippströme - änderte die Brandung nur leicht ihre Richtung, erstarb der Sog ins Meer.
  • Die Ströme winden sich hin und her wie ein zappeliger Fisch.

Ob sich Regeln aus den Erkenntnissen ableiten lassen, die für Warnsysteme nützlich wären, sollen weitere Experimente zeigen.

Einstweilen raten die Forscher Badenden, auf unbestimmte Warnzeichen im Meer zu achten - Hinweise auf Rippströme können sein: aufgewühltes Wasser; eine andere Färbung als in der Umgebung; eine chronische Lücke in der Brandung; oder Seetang, der zügig von der Küste nach draußen driftet.

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