Risiko-Index: Wo der Klimawandel die schlimmsten Folgen hat

Die Reichen sorgen für die globale Erwärmung, die Armen tragen die Folgen: Der "Klima-Risiko-Index 2010" zeigt, wo extremes Wetter von 1990 bis 2008 die größten Schäden und die meisten Todesfälle verursacht hat. Kein einziges Industrieland ist von den schlimmsten Katastrophen betroffen.

Risiko-Index: Extremwetter mit verheerenden Folgen Fotos
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Kopenhagen - Bangladesch, Burma und Honduras finden sich sonst eigentlich nicht an der Spitze internationaler Rankings wieder. Geht es um Wohlstand, Bildung, hohe Lebenserwartung und ähnliches, stehen üblicherweise die Industriestaaten an der Spitze.

Nicht aber, wenn es sich um die Folgen des Klimawandels handelt. Hier führen Bangladesch, Burma und Honduras die Liste an - und zwar die der Leidtragenden der globalen Erwärmung. Der "Klima-Risiko-Index 2010", den die Umweltorganisation Germanwatch jetzt beim Weltklimagipfel in Kopenhagen vorgestellt hat, zeigt in aller Deutlichkeit, wo der Klimawandel voraussichtlich die schlimmsten Folgen haben wird.

Der Index listet auf, welche Länder zwischen 1990 und 2008 die meisten Toten und die größten materiellen Schäden durch extreme Wetterereignisse zu beklagen hatten. Zwar sind Meteorologen äußerst zurückhaltend, wenn es darum geht, einzelne Unwetter direkt auf die globale Erwärmung zurückzuführen. Allerdings zeigt der "Klima-Risiko-Index", welche Länder Naturkatastrophen besonders schutzlos ausgeliefert sind - und deshalb die globale Erwärmung am meisten fürchten müssen.

Bangladesch: 140.000 Tote nach einen einzigen Sturm

Die Daten, die vom Rückversicherer Munich Re stammen, führen unter den zehn am stärksten bedrohten Ländern kein einziges Industrieland (siehe Fotostrecke). Bangladesch steht vor allem wegen des Zyklons von 1991, der 140.000 Menschen das Leben kostete, an erster Stelle. Das Land werde zudem kontinuierlich von Unwettern heimgesucht, teilte Germanwatch mit. Es habe aber auch schon reagiert und etwa höher gelegene Sicherheitshütten gebaut, was die Todeszahl bei Stürmen und Fluten reduziere, sagte der Studienautor Sven Harmeling. In Burma seien 95 Prozent der Todesfälle und Zerstörungen auf den Zyklon Nargis von 1998 zurückzuführen, in Honduras 80 Prozent auf den Hurrikan Mitch im Jahr 1998.

Deutschland steht auf Listenplatz 23. "Es hat viele kleinere Wetterextreme" erläuterte Harmeling. Einen Vorgeschmack auf die größeren Katastrophen gab es im Sommer 2003: In der Rekord-Hitzewelle sind in Deutschland rund 7000, europaweit etwa 70.000 Menschen gestorben. Die USA belegen wegen der vielen Hurrikane Platz 18. Zwar sei nicht alles auf den Klimawandel zurückzuführen, doch es sei nachweisbar, das die Zahl besonders großer Wetterkatastrophen weltweit zugenommen habe, erläuterte Harmeling. Auch die Schäden seien gestiegen, was nicht nur an der dichteren Besiedlung liege.

Betrachtet man nur das Jahr 2008, so wurden Birma, Jemen, Vietnam und die Philippinen am stärksten von Unwettern geschädigt. Insgesamt wurden allein 2008 weltweit 654 Wetterkatastrophen registriert. Der Großteil der 93.700 Todesopfer entfiel dabei auf die armen Länder, die wirtschaftlichen Schäden von mehr als 123 Milliarden Dollar (83 Milliarden Euro) waren vor allem in reicheren Staaten zu verzeichnen. Manche Versicherungskonzerne wie etwa die Allianz befürchten bereits, dass die durch den Klimawandel drohenden Schäden künftig nicht mehr versicherbar sein könnten.

"Industrieländer haben klare rechtliche und moralische Verantwortung"

Die Industrieländer müssen den Entwicklungsländern helfen, sich besser an den Klimawandel anzupassen, sagte Christoph Bals, der politische Geschäftsführer von Germanwatch. Sie müssten beispielsweise einen Versicherungsmechanismus für diese Länder finanziell unterstützen. Dieser wurde von Germanwatch gemeinsam mit der Munich Climate Insurance Initiative entwickelt.

Saleemul Huq aus Bangladesch, Experte des Institute for Environment and Development (IIED), betonte, dass sich viele der armen Länder bereits auf den Klimawandel vorbereiteten. Trotzdem hätten die Industrieländer die "klare rechtliche und moralische Verantwortung", ihre Anpassungsgelder aufzustocken - zusätzlich zu den bereits versprochenen Geldern der Entwicklungszusammenarbeit in Höhe von 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Ein erstes Signal in diese Richtung gab es auf dem Kopenhagener Klimagipfel bereits: Viele Industrieländer, darunter die USA, haben sich prinzipiell dazu bereit erklärt, von 2010 bis 2012 jährlich zehn Milliarden Dollar an die Entwicklungsländer zu zahlen.

mbe/dpa/AFP

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Forum - Klimakonferenz Kopenhagen - was soll die Welt beschließen?
insgesamt 1467 Beiträge
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    Seite 1    
1.
Klo 30.11.2009
Zitat von sysopDer Druck auf die USA, China und andere Staaten steigt. Jetzt schlug der dänische Gastgeber in einem Verhandlungspapier vor, die CO2-Emissionen bis 2050 zu halbieren. Was soll die Welt Ihrer Meinung nach im Einzelnen beschließen?
Irgendwas. Aber man wird sich auch diesmal nicht durchringen können, irgendwas zu beschließen. Folglich wird auch diese Konferenz wieder eine sinnlose Farce.
2.
Edgar 30.11.2009
Zitat von sysopWas soll die Welt Ihrer Meinung nach im Einzelnen beschließen?
Eine kritische Reevaluierung der Daten, Methoden und Aussagen des 'Weltklimarats'.
3.
Angler29 30.11.2009
Zitat von EdgarEine kritische Reevaluierung der Daten, Methoden und Aussagen des 'Weltklimarats'.
.....und als Konsequenz, dessen Abschaffung.
4.
de.nada 30.11.2009
Zitat von KloIrgendwas. Aber man wird sich auch diesmal nicht durchringen können, irgendwas zu beschließen. Folglich wird auch diese Konferenz wieder eine sinnlose Farce.
Na also was soll den schon beschlossen werden, wenn das so vom IPCC empfohlen wird wie am Ende des Artikels zu lesen ist ? "Der Weltklimarat (IPCC) hat von den Industriestaaten gefordert, die Emissionen bis 2020 um 25 bis 40 Prozent zu senken. Dazu sagte Steiner: "Es klafft noch eine große Lücke, aber sie beginnt sich zu schließen." Die geforderten 25 bis 40 Prozent seien von den Potentialen her "durchaus zu schaffen", wie diverse Studien gezeigt hätten." Das ist ja sehr genau angedeutet möchte man als Leser da ausrufen. Das Viertel der Weltbevölkerung das "God save the Queen" sagen kann, hat's da doch wesentlich einfacher.
5. Die
saul7 30.11.2009
Zitat von sysopDer Druck auf die USA, China und andere Staaten steigt. Jetzt schlug der dänische Gastgeber in einem Verhandlungspapier vor, die CO2-Emissionen bis 2050 zu halbieren. Was soll die Welt Ihrer Meinung nach im Einzelnen beschließen?
Welt möge verbindliche und effektive Beschlüsse fassen, um die herannahende Klimakatastrophe aufzuhalten. Dazu wäre es nötig, dass alle Staaten ihre Partikularinteressen hintanstellen. Ein Traum und wahrscheinlich unerfüllbar...
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Klimawandel: Die teuersten Naturkatastrophen
Weltklimaverhandlungen
Wichtige Punkte
Die G-8-Staaten haben sich grundsätzlich zu dem Ziel bekannt, den globalen Temperaturanstieg im Vergleich zum Beginn des Industriezeitalters auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Auch die Schwellenländer haben sich dem jetzt angeschlossen. Doch konkrete Vorgaben und Zusagen zur Finanzierung fehlen noch - deshalb könnte es beim bloßen Lippenbekenntnis bleiben.
Worum geht es?
Die internationale Staatengemeinschaft will sich vom 7. bis 18. Dezember in Kopenhagen auf ein neues Weltklimaabkommen einigen. Es wird das Kyoto-Protokoll ersetzen, das 2012 ausläuft. Es schrieb vor, dass die Industrieländer die Emissionen der wichtigsten Treibhausgase zwischen 2008 bis 2012 um durchschnittlich 5,2 Prozent unter das Niveau von 1990 senken. Doch die USA, bis vor kurzem der größte Kohlendioxid (CO2)-Emittent, haben das Abkommen nie ratifiziert. Und China, heute größter Luftverschmutzer, bekam überhaupt keine verbindlichen Reduktionsziele vorgeschrieben, weil es damals noch als reines Entwicklungsland eingestuft wurde.
Wer sind die wichtigsten Akteure?
Außer den USA und China sollen diesmal auch die anderen Schwellenländer wie Indien, Mexiko oder Brasilien ins Boot geholt werden. Insgesamt werden 192 Staaten nach Kopenhagen reisen. Doch auch die Entwicklungsländer sollen Verantwortung übernehmen und Wege festlegen, wie sie klimaschonendes Wirtschaftswachstum erreichen wollen. Der Westen ist dafür auch zu Finanz- und Technologietransfers bereit.
Wie ist der Stand in Europa?
Europa - vor allem Deutschland - sieht sich gerne als Vorreiter im globalen Kampf gegen die Erderwärmung. In den globalen Verhandlungen tritt das Bündnis gemeinsam auf, vertreten von der EU-Kommission und der EU-Ratspräsidentschaft, derzeit Schweden. Die 27 EU-Staaten haben im Dezember in ihrem "EU-Klimapaket" beschlossen, bis 2020 den CO2-Ausstoß um ein Fünftel gegenüber 1990 zu senken. Jetzt fordert die EU von den anderen großen Verschmutzern ähnliche Bekenntnisse.

Doch während in der EU, aber auch in Russland, der CO2-Ausstoß von 1990 bis 2005 wegen des Zusammenbruchs der Ostblock-Schwerindustrien sowieso sank, stieg er im gleichen Zeitraum in den USA, Japan und anderen großen Industrienationen. Gemessen am derzeitigen Niveau müsste die EU ihren Ausstoß nur noch um zwölf Prozent senken. Besonders Japan fordert deshalb 2005 als Basisjahr und hat ein Reduktionsziel von 15 Prozent angeboten. Die USA wollen ihre Treibhausgase im gleichen Zeitraum um 17 Prozent reduzieren. Der Weltklimarat (IPCC) fordert Minderungen um 25 bis 40 Prozent bis 2020 gegenüber 1990.
Was sind die Knackpunkte der Verhandlungen?
Es geht um Geld, Bezugsjahre und Prozente. Der Streit um das Basisjahr steht symptomatisch für das globale Ringen um die Lastenteilung. Die Entwicklungs- und Schwellenländer beharren auf der Schuld des Westens am Klimawandel und fordern ihre Rechte auf Wohlstand und Wirtschaftswachstum. Die Industrienationen sind bereit, der Dritten Welt zu helfen, in Kopenhagen kursiert die Zahl von hundert Milliarden Dollar, die bis 2020 pro Jahr gezahlt werden sollen. Experten Umstritten ist auch der Schlüssel, mit dem die Gelder auf die einzelnen Länder umgerechnet werden sollen.

Experten streiten zudem darüber, ob Technologien wie die CO2-Abscheidung und -Lagerung oder klimafreundliche Projekte in Entwicklungsländern angerechnet werden können oder ob sie nicht vielmehr das Problem nur aufschieben und deshalb abzulehnen sind.
Was, wenn die Verhandlungen scheitern?
Gibt es in Kopenhagen keine Einigung, ist nicht alles verloren, aber es wird zeitlich eng: Bis 2012 muss eine neue Konvention ratifiziert sein, da dann das Kyoto-Protokoll ausläuft. Und sollte die Weltgemeinschaft nicht zusammenstehen, dürfte die Erderwärmung ungebremst weitergehen. Experten warnen, dass die Temperaturen noch in diesem Jahrhundert um mehr als sechs Grad steigen würden. Es drohen katastrophale Überschwemmungen wegen der Eisschmelze, Dürren, Stürme, Artensterben und Millionen "Klimaflüchtlinge". ssu/dpa

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