Naturgefahren Liste der bedrohten Länder

Eine Rangliste zeigt, wie stark Länder von Naturgewalten bedroht sind. Vor allem Pazifikstaaten sind gefährdet. Doch auch manch hochentwickelte Region liegt in heikler Position.

Erdrutsch in Frankreich (16. Juni 2010): Alle Länder kann es treffen
AFP

Erdrutsch in Frankreich (16. Juni 2010): Alle Länder kann es treffen


Hamburg/Berlin - Die neue Risikotabelle offenbart ein fatales Gesetz: Katastrophen suchen meist arme Länder heim. Stürme, Erdbeben, Fluten oder Dürren werden oft erst dann zum Desaster, wenn Bewohner sich nicht ausreichend gegen die Gefahren schützen können.

Die Rangliste der gefährdeten Länder wurde von Wissenschaftlern der Universität der Vereinten Nationen (UNU) und Entwicklungshelfern erstellt. Auftraggeber ist das Bündnis Entwicklung Hilft. Der sogenannte Weltrisikoindex 2014, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde, zeigt: Vor allem in Städten, die rapide wachsen, sind Menschen bei Naturkatastrophen großen Gefahren ausgesetzt.

Dieses Phänomen erklären die Experten so: Wenn in einer Stadt planlos illegale Siedlungen entstehen, sind die Frühwarnsysteme und Möglichkeiten zur Bewältigung von Naturkatastrophen besonders schlecht. Die Stadt mit dem höchsten Bevölkerungswachstum ist derzeit die 2,1-Millionen-Einwohner-Stadt Ouagadougou in Burkina Faso - das Land steht auf Rang 41 im Risikoindex.

Auf Platz 1 mit dem größten Risiko findet sich dieses Jahr der Inselstaat Vanuatu im Südpazifik, gefolgt von den Philippinen, Tonga, Guatemala und Bangladesch (siehe Tabelle links). Erwartet werden dort Überschwemmungen, Erdbeben, Tsunamis, Stürme, Vulkanausbrüche und Erdrutsche. Am sichersten vor Naturgewalten ist man in Katar und Malta. 22 Länder wurden wegen Datenmangels nicht bewertet.

Ein fatales Gesetz

Der aktuelle Index sieht Deutschland auf Platz 147 von 171. Das Rheinland könnte von einem starken Beben oder ganz Deutschland von einem schweren Orkan heimgesucht werden. Im Vergleich zu den Risiken, mit denen die Menschen in den besonders schnell wachsenden Städten Afrikas und Asiens leben, sind die Gefahren, denen man in Deutschland ausgesetzt ist, jedoch gering.

Allerdings berücksichtigt der Index nur Risiken, die mit Naturkatastrophen und den Kapazitäten zur Bewältigung von Naturereignissen wie Erdbeben oder Hochwasser zusammenhängen. Politische Risiken fließen in die Berechnung nicht mit ein, weshalb Saudi-Arabien, Bahrain, Ägypten und Katar besser abschneiden als Deutschland.

Von den hochentwickelten Staaten steht Japan mit Platz 17 am weitesten oben auf der Liste, obwohl die Industrienation bei den Sicherungsmaßnahmen an der Weltspitze liegt. Doch Japan wird von geologischen Kräften in die Zange genommen, wie das schwere Tsunami-Beben im März 2011 gezeigt hat.

Gefahr in Europa

Auch die Niederlande, in der Rangliste auf Platz 51, sind bedroht. Zwar schützen Deiche das Land. Doch der anschwellende Meeresspiegel werde zunehmend zu Gefahr, heißt es im Risikobericht. Etwa ein Viertel des Landes liegt unterhalb des Meeresspiegels. Griechenland auf Platz 71 ist dem Report zufolge ein weiteres westliches Land, das mit einem größeren Risiko leben muss - vor allem Beben und Tsunamis gefährden den südeuropäischen Staat.

Die Rangliste mit ihren exakten Zahlen suggeriert zwar wissenschaftliche Präzision. Doch die Kalkulationen des Weltrisikoreports fußen eigentlich auf groben Abschätzungen. Die Wissenschaftler der UNU haben für den Weltrisikobericht unter anderem Daten aus folgenden Bereichen ausgewertet:

  • die von Naturgefahren betroffene Bevölkerung
  • Anfälligkeit von Verkehrswegen, Wohnungen und Versorgung
  • Wirtschaft, Ernährung, medizinische Versorgung
  • politische Lage, soziale Absicherung
  • Bildung, Forschung, Warnsysteme

Ein Katastrophenrisiko sei sowohl auf die Gefährdung durch Naturgefahren als auch auf die Verwundbarkeit der Gesellschaft zurückzuführen. Dieses Gesetz zeigte sich 2010, als nacheinander Großstädte in Haiti und Neuseeland von Erdbeben ähnlicher Art getroffen wurden: In Haiti starben Hunderttausende Menschen, in Neuseeland blieb es bei Gebäudeschäden. Bei einem weiteren Beben 2011 in Neuseeland gab es dann allerdings auch Todesopfer.

In Neuseeland werden Häuser seit Jahrzehnten auf Erschütterungen vorbereitet. Und in wirtschaftlich starken Nationen wie Japan oder den USA werden seit Jahrzehnten hohe Summen in die erdbebensichere Architektur der Gebäude investiert.

Experten schlagen diverse Vorkehrungen vor: Größere Neubauten wie Schulen sollten in armen Ländern zu Notunterkünften für Wirbelsturm-Betroffene umfunktioniert werden können. Straßen müssten bei einem Taifun auch als Entwässerungskanäle fungieren - wie bereits mancherorts in Japan. Behörden sollten Bürger zudem umfassender vor Gefahren warnen.

boj/dpa



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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
cindy2009 16.09.2014
1. Tsunami
im Mittelmeer?
cassandros 16.09.2014
2. Platz ist in der kleinsten Wanne
Zitat von cindy2009im Mittelmeer?
Warum nicht? Eine Tsunami kann es auch in einer Talsperre im Harz geben, wenn z.B. durch einen Bergrutsch eine große Menge Material plötzlich in den See strömt.
mars55 16.09.2014
3. Gab es alles schon mal
Zitat von cindy2009im Mittelmeer?
"Beginn der Antike: Santorin explodierte 100 Jahre früher" http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/beginn-der-antike-santorin-explodierte-100-jahre-frueher-a-413451.html auch in der Nordseee sind zumindest 2 Tsunamis bekannt. Der letzte Mitte des 19.Jahrh. "Historische Belege: Forscher warnt vor Nordsee-Tsunami" http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/forscher-warnt-vor-tsunami-in-der-nordsee-a-826009.html
cindy2009 17.09.2014
4. Eieieiei
Da hat die Forensoftware aber mein Grübeln unterschlagen;-) http://www.tsunami-alarm-system.com/phaenomen-tsunami/vorkommen-mittelmeer.html Und das auch gleich dazu: http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/tsunami-simulation-gefahr-von-den-kanaren-1194921.html
doclocke 17.09.2014
5. 'Der Schwarm'
ist ein ehemaliger Bestseller von Frank Schätzing. Allein schon um die Naturgewalten zu verstehen, lohnt sich das Buch wirklich (also ich hab's verschlungen ;)) Entstehung und Auswirkungen eines Tsunamis (z.B. in der Nordsee) beschreibt der Autor darin sehr präzise und 'einfühlsam'.
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