Römerschlachten gegen Germanen Gemetzel an grimmigen Wilden mit begehrten Haaren

Fast 30 Jahre lang versuchten römische Herrscher, Germanien in ihr Imperium zu integrieren. Doch die Bewohner des Landes der dunklen Wälder leisteten Widerstand - so lange, bis Arminius die Gelegenheit bekam, den Römern eine vernichtende Niederlage beizubringen.

Von Manuel Zeiler


Sonderlich begeistert zog sicher kein Legionär gegen die Stämme der Germanen ins Feld. Die kriegerischen Bewohner der dunklen Wälder jenseits des Rheins waren gefährliche Gegner. Das wussten die Römer spätestens seit dem Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr., als Stämme der Kimbern und Teutonen im heutigen Südfrankreich eine Legion nach der anderen besiegten, schließlich in der Schlacht von Aquae Sextiae (Aix-en-Provence) aber unterlagen.

Hermannsdenkmal in Detmold: Der Cheruskerfürst Arminius schmiedete eine Allienz gegen Rom
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Hermannsdenkmal in Detmold: Der Cheruskerfürst Arminius schmiedete eine Allienz gegen Rom

Im Jahrhundert darauf kamen Tenkterer und Usipeter dem Gallieneroberer Gaius Iulius Caesar in die Quere. Im Winter 55/54 v. Chr. überquerten sie den Rhein, die von Caesar festgesetzte Grenze Galliens, und bedrohten die Menapier, einen mit den Römern verbündeten gallischen Stamm. Der Feldherr eilte rasch zu Hilfe, ging dabei aber so brutal vor, dass er sein Image beschädigte. Dabei ließ er Unterhändler gefangen nehmen und verstieß gegen jede diplomatische Etikette. Seine Gegner in Rom forderten die Auslieferung des Feldherrn an die Barbaren. Obendrein war die ganze Aktion eher ein Fehlschlag. Zwar hatten römische Soldaten jede Menge Frauen, Alte und Kinder massakriert, ein Großteil der germanischen Reiterei aber konnte auf die andere Rheinseite entkommen.

Vermutlich um dem Feind die Möglichkeit zu nehmen, dort Verbündete zu werben, überquerte Caesar 55 v. Chr. seinerseits den Fluss. Doch wieder entkamen seine Gegner, zogen sich in den Schutz der Wälder zurück. Er hinterließ verbrannte Erde und kehrte nach eigenem Bekunden als Sieger nach Gallien zurück. Noch ein zweites Mal, 53 v. Chr., setzte der Römer über. Nur eine weitere Drohgebärde? Wollte Caesar gar das Terrain für eine mögliche Eroberung erkunden? Oder sich lediglich davon überzeugen, dass die Gerüchte wahr waren – auf der rechten Rheinseite gebe es nichts, was eine Invasion lohne?

Während die Stämme Galliens in Verhältnissen lebten, die denen "zivilisierter" Länder rund um das Mittelmeer nicht unähnlich waren, erschien Germanien einem Römer wohl als ödes Entwicklungsland. Es gab keine Städte, nur Dörfer und Gehöfte; Landwirtschaft und Handwerk hatten einen niedrigen Standard. Chaotisch gar schien das Herrschaftsprinzip: Wer als Heerführer Erfolg hatte, dem schloss man sich an. So bildeten sich immer wieder neue kriegerische Gruppen und Verbände. Gab der Boden nichts mehr her, zog man weiter. Alles in allem also dürfte Germanien einem auf reiche Beute erpichten römischen Feldherrn wenig attraktiv erschienen sein.

Als Caesar 44 v. Chr. einem Attentat zum Opfer fiel, so berichtete der Dichter Vergil (70–19 v. Chr.), verhießen Erdbeben und andere Zeichen in Germanien dem Imperium nicht Gutes. Und tatsächlich folgte dem Tod des Tyrannen der Bürgerkrieg und dem Bürgerkrieg das Ende der Republik. Caesars siegreicher Adoptivsohn Octavian, bald Augustus genannt – zu Deutsch "der Erhabene" –, etablierte das Kaisertum und versprach dafür ein goldenes Zeitalter des Friedens. Dies sei erreicht, so ließ er es von dem Dichter Horaz in Versform verkünden, sobald Land und Meer Rom zu Füßen lägen. Mit anderen Worten: Frieden war Chefsache und militärische Siege ein Prüfstein, ob die Götter Kaiser und Reich ihre Gunst gewähren würden.

Augustus machte bald ernst und schickte seine Soldaten aus. Überallhin. In Britannien lockten Zinn- und Goldvorkommen, in Arabien der Weihrauchhandel. Leichte Beute waren diese Länder nicht, die Kelten der Britischen Inseln erwiesen sich als zähe Gegner, im Orient rafften Wassermangel und Krankheiten die Legionäre dahin. Dennoch konnte kein römischer Herrscher bis dahin einen vergleichbaren Gebietsgewinn verbuchen. Dem Imperium fielen Nordspanien, Ägypten, Äthiopien, Zentral- sowie Nordanatolien zu. Fehlte nur Germanien.

Eine Gelegenheit fand sich 16 v. Chr. Usipeter und Tenkterer übten späte Rache für Caesars Strafexpeditionen – sie vernichteten am Niederrhein einen ganzen Heeresverband. Rom war brüskiert, sah seine Grenze gefährdet. Augustus brach nach Gallien auf, ließ das Straßennetz ausbauen und verlegte sechs Legionen – ein Fünftel des gesamten römischen Heeres – an den Rhein. Im Folgejahr führten seine Stiefsöhne Drusus und Tiberius ihre Truppen in das Nordalpengebiet und in den Donauraum. Dort "zähmten sie Stämme, die durch die Lage ihrer Wohnsitze sehr gut geschützt, schwer zu erreichen, von großer Zahl und grimmig in ihrer Wildheit waren". Überflüssig zu erwähnen, dass "deren Blut in Strömen floss". Doch mit der 9 v. Chr. abgeschlossenen Eroberung Pannoniens, das Teile der heutigen Staaten Österreich, Ungarn, Kroatien, Serbien und Slowenien umfasste, sicherten die Stiefbrüder auch Roms Gebiete gegen Einfälle der Germanen.



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