Röttgen auf Klimagipfel "Wir sind sehr, sehr spät, viel später als geplant"

Die Teilnehmer des Klimagipfels in Durban ringen um den Durchbruch: Ein neues Abschlussdokument soll die bereits verlängerte Konferenz noch zum Erfolg führen. Umweltminister Norbert Röttgen sieht vor allem die USA, China und Indien in der Pflicht. Sie müssten sich endlich bewegen.

Demonstranten in Durban: "Die Zeit ist jetzt extrem kurz"
DPA

Demonstranten in Durban: "Die Zeit ist jetzt extrem kurz"


Durban - Eigentlich sollte die Tinte unter dem Abschlussdokument des Klimagipfels in Durban inzwischen schon getrocknet sein. Doch Stunden nach dem offiziell angesetzten Schlusstermin der Uno-Konferenz ist am Samstagmorgen weiter an den Dokumenten gefeilt worden. Die südafrikanischen Gastgeber legten ein neues Kompromisspapier vor, in dem vom Ziel eines "rechtlichen Instruments" zur Reduzierung der Treibhausgase die Rede ist. Konferenzteilnehmer äußerten allerdings die Sorge, die Konferenz könnte aus Zeitmangel noch scheitern.

Kern der Textentwürfe:

  • die Erderwärmung auf zwei Grad, möglicherweise auch auf 1,5 Grad zu begrenzen.
  • Das dazu geplante "Protokoll oder rechtliche Instrument" soll bis 2015 beschlossen werden. Dies würde alle Staaten mit einbeziehen, also auch beispielsweise die USA und China, die Hauptverursacher von Treibhausgasen.
  • Zudem wird in dem Dokument dazu aufgerufen, auf Grundlage neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse ehrgeizigere Ziele ins Auge zu fassen.
  • Eine weitere Beschlussvorlage sieht eine neue Verpflichtungsperiode für das Kyoto-Protokoll für die Jahre 2013 bis 2017 vor.
  • Angestrebt werden soll demnach, die Emissionen der Industriestaaten bis 2020 um 25 bis 40 Prozent verglichen mit 1990 zu verringern.

Nachdem sich die Teilnehmer bis Freitagabend in den zentralen Punkten nicht einigen konnten, war zuvor die offizielle Schlussrunde auf Samstagvormittag vertagt worden. Hauptstreitpunkte in nächtlichen Ministerrunden waren bis zuletzt ein Mandat für das angestrebte neue umfassende Klimaabkommen sowie die zweite Kyoto-Verpflichtungsperiode. Ein erster Textentwurf Südafrikas war auf heftige Kritik vor allem der EU und der kleinen Inselstaaten gestoßen, weil darin nicht das Ziel eines umfassenden rechtlich verbindlichen Klimaabkommens auftauchte. Stattdessen war nur allgemein von einem rechtlichen Rahmen die Rede gewesen, der nach 2020 wirksam werden soll.

Röttgen wird ungeduldig

"Die Zeit ist jetzt extrem kurz", sagte EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard am Rande der nächtlichen Beratungen. Zahlreiche Abschlusstexte lägen noch gar nicht vor. Sie könnten aber eigentlich nur im Zusammenhang miteinander beraten werden.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen forderte ein Ende der Blockadehaltung von den USA, China und Indien. Es müssten sich diejenigen bewegen, "die bislang noch im Weg stehen, dass es ein Ergebnis hier gibt, das sich orientiert an dem Zwei-Grad-Ziel", sagte der CDU-Politiker mit Blick auf diese drei Staaten. Er fügte hinzu: "Wir sind sehr, sehr spät, viel später als geplant."

"Das größte Problem ist jetzt, dass wir keine Zeit mehr haben", sagte auch der Umweltminister der Malediven, Mohamed Aslam. Optimistisch äußerte sich der brasilianische Chefdelegierte Alberto Figueiredo. Er sagte, es sei inzwischen ein relativ hohes Maß an Übereinstimmung erzielt worden.

Die EU, kleine Inselstaaten und zahlreiche weitere Entwicklungsländer hatten in den Verhandlungen eng zusammengearbeitet, während unter anderem die USA und Indien Vorbehalte gegen das Ziel eines rechtlich bindenden Abkommens hatten. Chinas Haltung ist nach Angaben von Konferenzteilnehmern nicht eindeutig.

Weitgehende Einigkeit herrschte dagegen über die Arbeitsfähigkeit des neuen globalen Klimafonds, der Entwicklungsländer bei Klimaschutz und Klimaanpassung unterstützen soll. Umweltschützer wandten sich allerdings dagegen, auch Privatunternehmen Zugang zu dessen Mitteln zu gewähren, die bis 2020 auf jährlich 100 Milliarden Dollar anwachsen sollen. Auch die Herkunft dieser Mittel blieb vorerst offen.

yes/AFP/dapd

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
rehabilitant 10.12.2011
1. Wo ist Merkel?
Zitat von sysopDie Teilnehmer*des Klimagipfels in Durban ringen um den Durchbruch: Ein neues Abschlussdokument soll die bereits verlängerte Konferenz noch zum Erfolg führen.*Umweltminister Norbert Röttgen sieht vor allem die USA, China und Indien in der Pflicht. Sie müssten sich endlich bewegen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,802885,00.html
Wieso findet eigentlich die Klima-Diskussion ohne Angela Merkel statt? Hat sie nicht vollmundig den Klimawandel zur Chefsache erklärt? Aber im Grunde genommen gilt für das Klima ebenso wie für Euro und Europa: ob mit oder ohne Murksel, es geht alles seinen Gang.
hollah 10.12.2011
2.
Zitat von rehabilitantWieso findet eigentlich die Klima-Diskussion ohne Angela Merkel statt? Hat sie nicht vollmundig den Klimawandel zur Chefsache erklärt? Aber im Grunde genommen gilt für das Klima ebenso wie für Euro und Europa: ob mit oder ohne Murksel, es geht alles seinen Gang.
Sie sprechen mir aus der Seele, wie man so schön sagt. Wenn ein Herr Röttgen die USA und China, von Middle East wo ich gerade bin, (Baghdad)in die Pficht nehmen will, dann lache ich mich halb tot, sorry und wenn Frau Merkel und Herr Sarkosy Europa retten wollen dann lach ich mich fast ganz tot. Da ich aber gerne lebe, verkneife ich mir das lachen und schaue wie es weitergeht. Alle drei haben leider von der Sache direkt wohl überhaupt keine Ahnung. Jeder will Wahlen gewinnen, das wars. Zählt mal auf wie viel verschiedene Statements Frau Merkel und Herr Sarkosy zur Eurokrise abgegeben haben. vor allen Dingen über Sanktionen die verhängt werden sollen, und wieder zurückgenommen wurden. schönes Wochenende
einbelgier 10.12.2011
3.
Zitat von rehabilitantWieso findet eigentlich die Klima-Diskussion ohne Angela Merkel statt? Hat sie nicht vollmundig den Klimawandel zur Chefsache erklärt? Aber im Grunde genommen gilt für das Klima ebenso wie für Euro und Europa: ob mit oder ohne Murksel, es geht alles seinen Gang.
Das fehlte noch, dass sich die Spitzenpolitiker statt um die echten Probleme (Schuldenkrise) um den Klimahype kümmern würden. Dazu gibt es doch den Klima-Kasper (Umweltminister), der die Leute damit unterhält....
MiniDragon 10.12.2011
4. Lächerliches Vorhaben
Das Vorhaben von Juristen , die Erderwärmung mithilfe von vertraglichen Vereinbarungen auf zwei Grad, möglicherweise auch auf 1,5 Grad zu begrenzen, ist so naiv und irreal, dass man darüber eigentlich nur noch lachen kann. Wenn diese Konferenz in Durban noch etwas Gescheites anstoßen soll, dann die Anregung zu mehr Forschungsanstrengungen mit dem Ziel, die Abhängigkeit der Menschheit von fossilen Kohlenstoff- haltigen Energieträgern zu reduzieren
PH-sauer 10.12.2011
5. Wir sind einfach zuviele
Zitat von MiniDragonDas Vorhaben von Juristen , die Erderwärmung mithilfe von vertraglichen Vereinbarungen auf zwei Grad, möglicherweise auch auf 1,5 Grad zu begrenzen, ist so naiv und irreal, dass man darüber eigentlich nur noch lachen kann. Wenn diese Konferenz in Durban noch etwas Gescheites anstoßen soll, dann die Anregung zu mehr Forschungsanstrengungen mit dem Ziel, die Abhängigkeit der Menschheit von fossilen Kohlenstoff- haltigen Energieträgern zu reduzieren
Es folgt die Ensicht, daß die Verhinderung der ultimativen Katastrophe ausbleibt. Werden die Ziele auch nur geringfügig verschoben, so sind die Teilnehmer dieser Konferenz für die vielen Toten der kommenden Jahre persönlich zur Rechenschaft heranzuziehen. Den Beweis werden wir bald haben, wenn der erste Hurricane die Flutwelle in die Bucht von New-York treibt und die Stadt untergeht. Da das Risiko jetzt schon bekannt ist, habe ich jetzt bereits beschlossen, kein Mitleid zu haben. Andererseits kann man es auch so ausdrücken: die Welt ist krank, sie hat nun Fieber und die Krankheit heißt "Mensch". Ein Tip zum überleben: Meiden Sie vor allem Küstengebiete und leben sie in höheren Lagen in moderater Entfernung zum Meer. Dort sind die Chancen von einer Naturkatastrophe getroffen zu werden am geringsten.
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