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Rohstoffsuche am Meeresboden: Deutschland steckt Claims im Indischen Ozean ab

Von Hilmar Schmundt

Rohstofferkundung im Indischen Ozean: Suche nach wertvollen Mineralien Zur Großansicht
BGR/ Geomar

Rohstofferkundung im Indischen Ozean: Suche nach wertvollen Mineralien

Bergbau auf dem Meeresgrund: Nach Informationen des SPIEGEL will Deutschland im Indischen Ozean nach wertvollen Mineralien suchen. Es soll sich um die metallreichsten Felder handeln, die je entdeckt wurden.

Hannover - Deutschland steckt neue Claims am Grund der Weltmeere ab. Nach SPIEGEL-Informationen will die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) mit Sitz in Hannover den Meeresboden im Indischen Ozean südöstlich von Madagaskar nach wertvollen Mineralien in einer Tiefe von etwa 3000 Metern absuchen.

Die Genehmigung zur Exploration von Metallvorkommen wurde am 21. Juli von der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA) mit Sitz in Jamaika erteilt. In dem betreffenden Gebiet "haben einige Felder einen Kupfergehalt von 24 Prozent, das sind damit die höchsten Metallanreicherungen, die bisher vom Meeresboden bekannt sind", sagt Ulrich Schwarz-Schampera von der BGR im aktuellen SPIEGEL. (Die Meldung lesen Sie hier im neuen SPIEGEL.)

Erzlager unter heißen Quellen vermutet

"Wir werden ein 10.000 Quadratkilometer großes Gebiet im Indischen Ozean erkunden, fünf Tagesreisen südöstlich von Madagaskar", sagt Schwarz-Schampera: "In etwa 3000 Meter Tiefe existieren dort sogenannte Schwarze Raucher. Aus diesen teils 400 Grad heißen Vulkanquellen am Meeresgrund treten schwarze Wolken aus Mineralien aus, die auf verborgene Erzlager hinweisen können."

Bereits im Jahr 2006 bekam Deutschland eine ähnliche Lizenz zur Erkundung eines Areals im Pazifik südlich von Hawaii. Umweltschützer warnen, der unterseeische Bergbau könnte die verletzlichen Biotope am Meeresgrund gefährden. Das federführende Bundeswirtschaftsministerium verspricht jedoch "umfangreiche Untersuchungen und Schutzmaßnahmen zum Erhalt der marinen Umwelt".

Auch Russland, China, Indien und Südkorea verfügen über Explorationslizenzen. Sie gelten jeweils für 15 Jahre und könnten danach in Abbaulizenzen münden.

Mangan muss als "Sondermüll" entsorgt werden

Kritiker wie Gerd Schriever vom privaten BIOLAB-Forschungsinstitut in Kiel warnen vor dem Abbau der Tiefsee-Erze: "Beim Verhüttungsprozess werden jede Menge Chemikalien eingesetzt, und es verbleiben bei den Manganknollen je nach Extrahierung mitunter bis zu 85 Prozent des gewonnenen Materials als Reststoffe übrig."

Diese könnten so nicht wieder ins Meer verbracht werden und müssten irgendwo voraussichtlich als "Sondermüll" entsorgt werden. Schriever schränkt allerdings ein: "Die Erteilung einer Explorationslizenz durch die ISA bedeutet noch nicht, dass die dort gefundenen Ressourcen auch abgebaut werden dürfen."

Im Wirtschaftsministerium feiert man die Explorationslizenz als großen Erfolg: "Für Deutschland ist der internationale Tiefseebergbau unter wirtschaftlichen Aspekten doppelt interessant", sagt Uwe Beckmeyer, der Koordinator für die maritime Wirtschaft im Bundeswirtschaftsministerium: "Erstens kann er zur Versorgungssicherheit Deutschlands mit Hochtechnologierohstoffen langfristig beitragen. Zweitens eröffnet er interessante Marktchancen für deutsche Hersteller von innovativer, umweltverträglicher Meerestechnologie. Vor allem deutsche Mittelständler haben hier umfangreiches Know-how und nehmen technologisch einen Spitzenplatz ein."

Beim BGR werde derzeit eine Expedition vorbereitet, so der Lagerstätten-Experte Schwarz-Schimpera: "Wir konstruieren zurzeit eine Art Schnüffelschlitten voller Sensoren, der hinter dem Schiff hergezogen wird und sich dabei wie ein Jo-Jo in der Wassersäule auf- und absenkt. Auf diese Art suchen wir nach Wolken voller Mineralien, die aus den Schwarzen Rauchern austreten und uns die Lagerstätten anzeigen." Ende Oktober soll die Expedition in die Tiefe des Indischen Ozeans starten.

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insgesamt 117 Beiträge
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1.
kuac 03.08.2014
Klingt wie Fracking am Meeresboden.
2.
Zitrone! 03.08.2014
"fünf Tagesreisen südöstlich"? Eine Angabe, mit der man auch was anfangen kann, war ihnen zu gefährlich, oder was? Bloß keine Fakten verbreiten ;)
3. Last uns noch den Rest der Welt zerstören, den wir bis jetzt noch nicht vernichten konnten!!!!
mike 09 03.08.2014
Auf gehts!!!
4. Wir brauchen,
ruzoe 03.08.2014
im Hinblick auf die demografische Entwicklung, allerhöchstens ein Wachstum von 0,05 %. Also Finger weg vom Indischen Ozean und lasst endlich diesen Planeten in Würde vor die Hunde gehen...
5.
morgain01 03.08.2014
Zitat von sysopBGR/ GeomarBergbau auf dem Meeresgrund: Nach Informationen des SPIEGEL will Deutschland im Indischen Ozean nach wertvollen Mineralien suchen. Es soll sich um die metallreichsten Felder handeln, die je entdeckt wurden. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/rohstoffsuche-am-meeresboden-deutschland-erforscht-indischen-ozean-a-984124.html
Was hat Deutschland im Indischen Ozean zu suchen und dort Claims abzustecken und Bodenschätze auszubeuten ? Jetzt macht auch wieder der Spruch von unserem Bundepfarrer Gauck einen Sinn, indem er militärische Auslandseinsätze gutheißt. Vielleicht mussen demnächst deutsche Truppen die "Ausbeute" im Indischen Ozean verteidigen. Hatten wir ja alles schon mal !
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