Rote Liste: Barometer des Lebens zeigt tierische Not

Fast 4000 bekannte Arten sind vom Aussterben bedroht, zeigt die aktuelle Rote Liste. Zwar können Naturschützer Erfolge verbuchen - doch viele Lebewesen steuern auf ihr Ende zu. Und von manchen Tieren muss sich die Welt nun für immer verabschieden.

Rote Liste: Naturschützer zählen Tausende bedrohte Arten Fotos
Jörn Köhler

Hamburg - Die Zahl der bekannten vom Aussterben bedrohten Arten hat sich binnen eines Jahres um gut 300 auf 3879 erhöht. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) hat in ihrer am Donnerstag veröffentlichten Neubewertung der Roten Liste allerdings auch weit mehr Tiere und Pflanzen erfasst als noch 2010 - mit rund 61.900 Arten. Damit werde die Aufstellung immer mehr zu einem umfassenden "Barometer des Lebens", teilte die IUCN mit. Als "stark gefährdet" gelten jetzt 5689 Arten, als "gefährdet" 10.002.

"Die aktualisierte Liste zeigt beides, gute und schlechte Nachrichten, zum Status vieler Arten weltweit", sagte Jane Smart, Direktorin des IUCN Global Species Programme. Jedes vierte Säugetier ist der Liste zufolge gefährdet, stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht.

Schlimm sei die Situation etwa bei den Nashörnern: Das westliche Spitzmaulnashorn gilt nun offiziell als ausgestorben, die Unterart nördliches Breitmaulnashorn werde als möglicherweise ausgestorben geführt. Das Java-Nashorn, das ursprünglich in vielen südostasiatischen Ländern heimisch war, findet sich nun nur noch auf der Insel Java. Das letzte Exemplar in Vietnam wurde 2010 von Wilderern erlegt.

Erfolgsgeschichte Przewalski-Pferd

Es gebe aber auch Erfolgsgeschichten, hieß es bei der IUCN. So sei der Bestand der südlichen Breitmaulnashörner von rund 100 zum Ende des 19. Jahrhunderts auf mehr als 20.000 angewachsen. Von den Przewalski-Pferden, die es 1996 nur noch in Zoos gab, lebten wieder mehr als 300 in freier Wildbahn. Im Juni hatte die IUCN berichtet, dass die ebenfalls in der Wildnis ausgetrottete Arabische Oryx nach erfolgreichen Zuchtprogrammen wieder auf der Arabischen Halbinsel angesiedelt werden konnte. "Diese Erfolge zeigen, dass sich der Aufwand lohnt und in der Wildnis ausgestorbene oder stark bedrohte Tierarten gerettet werden können", sagte Stefan Ziegler, Artenschutzexperte beim WWF Deutschland.

Die Situation der Reptilien nennt die IUCN alarmierend. Auf Madagaskar seien mittlerweile 40 Prozent der landlebenden Reptilien-Arten gefährdet, stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht.

Die Forscher müssen noch einige Arbeit leisten, um Pflanzenarten weltweit ebenso genau zu erfassen wie die Tierwelt. In der aktualisierten Liste gibt es eine Bestandsaufnahme der Nadelbäume. Sie zeige einige beunruhigende Entwicklungen, so die IUCN. Beispielsweise wächst die chinesische Wasserfichte, früher weit verbreitet in China und Vietnam, kaum noch in der Wildnis. Die Umwandlung von Wäldern in landwirtschaftliche Flächen hat die Baumart an den Rand des Aussterbens gebracht, bald könnte sie nur noch in Parks vorkommen.

Von den 79 Arten blühender Pflanzen, die nur auf den Seychellen vorkommen, seien 77 Prozent vom Aussterben bedroht.

"Bei den Pflanzen eichen wir das Barometer des Lebens gerade", sagte Tim Entwisle von den britischen Royal Botanic Gardens in Kew. "Aber bei ihren Verwandten, den Pilzen und Algen, haben wir immer noch kaum Ahnung, was es dort draußen alles gibt und was wir alles verlieren."

wbr/dpa

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Traurig
lupo_nd 10.11.2011
Ist die letzte Kreatur am Ende, wird der Mensch endlich merken, dass man nur von Geld und Autos nicht leben kann! Eine traurige Geschichte über Dummheit. Tiere und Pflanzen sind am schönsten in der Wildnis und nicht im Zoo oder Botanischen Garten.
2. Kaltzeit
Peter4711 10.11.2011
Wir leben noch in einer Kaltzeit. Vor 65 Millonen Jahren, als die Dinosaurier ausstarben war es viel wärmer - auch ohne Menschen. Wie die Temperaturverhälnisse sein werden wenn die Menschen aussterben weiß ich nicht. Ich weiß nicht wo diese ganze Hysterie herkommt.
3. Mit uns die Sintflut.
kabelfritze 10.11.2011
Zitat von Peter4711Wie die Temperaturverhälnisse sein werden wenn die Menschen aussterben weiß ich nicht. Ich weiß nicht wo diese ganze Hysterie herkommt.
Die Menschheit täte wohl daran ihren Giftmüll unschädlich zu machen bevor sie ausstirbt. Dann gibt es immer eine Chance auf einen Neuanfang. Aber nicht mit Meeren voll atomarem Abfall, hunderten AKW, riesigen Mengen Dioxin, Quecksilber und was dergl noch an Schweinkram in der Gegend rumsteht. Wenn jetzt irgendwas Schlimmes passiert ist für die nächsten paar hunderttausend Jahre Schluss mit höherem Leben auf diesem Planeten, bis die Erdkruste einmal durch die tektonische Mühle gedreht worden ist. Da darf man gar nicht so genau drüber nachdenken, sonst könnte man glatt hysterisch werden...
4. .
schmidti43 11.11.2011
Die Menschheit täte wohl daran ihren Giftmüll unschädlich zu machen bevor sie ausstirbt. Dann gibt es immer eine Chance auf einen Neuanfang. Aber nicht mit Meeren voll atomarem Abfall, hunderten AKW, riesigen Mengen Dioxin, Quecksilber und was dergl noch an Schweinkram in der Gegend rumsteht. Wenn jetzt irgendwas Schlimmes passiert ist für die nächsten paar hunderttausend Jahre Schluss mit höherem Leben auf diesem Planeten, bis die Erdkruste einmal durch die tektonische Mühle gedreht worden ist. Da darf man gar nicht so genau drüber nachdenken, sonst könnte man glatt hysterisch werden... Weichei: Beipackzettelleser, Ostermarschierer, 2-Ärzte-Aufsucher, Bademantel-Wellnesser und die Klassiker Duschgel-Anwärmer und Frauenversteher.
5. Kontinente und Meeresströmungen lagen aber auch anders
Koda 11.11.2011
Zitat von Peter4711Wir leben noch in einer Kaltzeit. Vor 65 Millonen Jahren, als die Dinosaurier ausstarben war es viel wärmer - auch ohne Menschen. Wie die Temperaturverhälnisse sein werden wenn die Menschen aussterben weiß ich nicht. Ich weiß nicht wo diese ganze Hysterie herkommt.
Vor mehr als 65 Millionen Jahren lebten ja auch keine Menschen, sondern nur Tiere, die sich über die Folgen ihres Verhaltens kein Bild machen konnten. Heute wären mehrere Millionen Menschen auf der Flucht und wohin sollen sie dann flüchten? Vielfach zu uns. Die Folgen wären unabsehbar für unsere Kultur und Zivilisation.
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