Klein und recht gedrungen ist die Arabische Oryx. Ein flinkes und widerstandsfähiges Tier mit weißem Körper, braunen Beinen und erstaunlich langen, geraden Hörnern, das an ein Leben in der Wüste angepasst ist. Flink genug, um andauernder Jagd standzuhalten, waren die Antilopen jedoch nicht. Um das Jahr 1972 herum wurde das letzte wild lebende Exemplar getötet. Nur in Zoos und Privatbesitz gab es diese Tierart noch.
Doch nun leben wieder rund 1000 dieser Antilopen auf der Arabischen Halbinsel, berichtet die Weltnaturschutzorganisation IUCN. Zuchtprogramme und Auswilderungen hätten dies ermöglicht. Auf der aktualisierten Roten Liste der bedrohten Arten, die am Mittwoch in Gland bei Genf vorgestellt wurde, hat die Organisation die Arabische Oryx nun aus der Kategorie "stark gefährdet" auf "gefährdet" zurückgestuft. Es ist das erste Mal, dass dies mit einer Tierart gelungen ist, die in der Wildnis als ausgestorben galt, berichtet die IUCN.
Jede dritte Art bedroht
Doch die Rote Liste birgt auch weniger erfreuliche Daten. Von den knapp 60.000 erfassten Arten gelten 3801 als vom Aussterben bedroht, 5566 als stark gefährdet sowie 9898 als gefährdet. Etwa ein Drittel der erfassten Arten befindet sich also in einer schlechten Situation. Die Liste führt zudem 797 ausgestorbene Arten sowie 64, die in der Wildnis ausgestorben sind - wie es die Arabische Oryx war.
Über knapp 9000 Arten wissen die Forscher zu wenig, um ihre Gefährdung einzuschätzen. Zum ersten Mal für die Liste untersucht haben Wissenschaftler Reptilien, die in Neukaledonien, einer Inselgruppe im Südpazifik, heimisch sind. Zwischen 60 und 70 Prozent dieser Arten sind laut IUCN bedroht, weil ihr Lebensraum zerstört werde. Ein Grund dafür sei der Abbau von Nickel, Neukaledonien verfügt über enorme Vorkommen des Metalls. Auch vom Menschen eingeschleppte Arten - Schweine, Wild und Feuerameisen - bedrohten die Kriechtiere.
Allerdings konnten die Biologen bei einigen der untersuchten Reptilien noch nicht genug herausfinden, um sie in eine der Rote-Liste-Kategorien einzuordnen. Ähnliches gilt auch für die 248 Hummer-Arten, welche die IUCN jetzt erfasst hat: Für gut ein Drittel ist die Datenlage zu dünn.
Lurche fallen Pilz zum Opfer
Besonders dramatisch stellt sich die Lage der Amphibien dar - 41 Prozent der Arten gelten als vom Aussterben bedroht, stark gefährdet oder gefährdet. 19 Arten von Fröschen, Kröten oder Salamandern stehen jetzt erstmals auf der Roten Liste, gleich acht davon stünden kurz vor dem Aussterben. Nicht nur die Zerstörung ihrer Lebensräume bedroht die Amphibien. Ein Pilz, der sich weltweit ausbreitet, fordert erschreckend viele Opfer unter den Lurchen.
Vor kurzem hatte die IUCN zusammen mit Birdlife International verkündet, dass fast jede siebte Vogelart bedroht ist - insgesamt 1253 Spezies. Auch dabei wiesen die Organisationen darauf hin, wie wichtig Artenschutzprogramme sind: "Im Zeitraum eines Jahres sind 13 weitere Vogelarten in die bedrohten Kategorien aufgenommen worden", erklärte der Vizedirektor des IUCN-Artenschutzprogramms, Jean-Christophe Vié. "Allerdings wären die Zahlen noch schlechter, wenn die Naturschutzinitiativen nicht greifen würden."
Es ist zwar natürlich, dass Arten aussterben, doch momentan schwinden die Arten in ungewöhnlich hoher Geschwindigkeit. Einige Forscher gehen sogar davon aus, dass die Welt an der Schwelle eines Massenaussterbens steht. Erfolgsgeschichten wie die von der Arabischen Oryx zeigen jedoch, dass sich das Ende mancher Art verhindern lässt.
wbr
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