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Rote Liste: Jede dritte Art in Nord- und Ostsee gefährdet

Seltene Lebewesen: Gefährdete Arten in Nord- und Ostsee Fotos
M. Zettler

Fischerei, Kiesgewinnung, Überdüngung: Aktivitäten des Menschen gefährden fast jede dritte Art in Nord- und Ostsee. Selbst in Schutzgebieten sind Lebewesen nicht sicher.

Bonn/Hamburg - Hunderte verschiedener Meeresorganismen tummeln sich vor deutschen Küsten - doch Grundschleppnetze, Baggerarbeiten und Abwässer machen ihnen das Leben schwer. Viele Arten sind bedroht.

Von 1700 untersuchten Arten an Fischen, wirbellosen Tieren und Großalgen in den deutschen Nord- und Ostseegewässern sind 30 Prozent gefährdet, berichtet das Bundesamt für Naturschutz (BfN), das am Montag in Bonn die Rote Liste der Meeresorganismen vorlegte. Von den 94 untersuchten Fischarten stehen 22 auf der Roten Liste, vier weitere auf der sogenannten Vorwarnliste. Für 21 Arten liegen nicht genug Daten für eine sichere Einordnung vor.

Auf der neuen Roten Liste stehen auch Knorpelfische wie Dornhai und Glattrochen. Ihre Lage ist laut BfN kritisch. Hauptursache für ihren Schwund sei übermäßige Fischerei mit Grundschleppnetzen, die selbst in den Meeresschutzgebieten weitgehend unreguliert stattfinde. Zudem würden die am Meeresgrund vorkommenden Organismen wie Schwämme und Muscheln und die Lebensgemeinschaften der Sandkorallenriffe beeinträchtigt.

Von den bei früheren Analysen untersuchten 9000 Arten an Land- und Süßwasserorganismen stehen sogar 45 Prozent auf der Roten Liste. "Damit scheint die Situation in den Meeren mit 30 Prozent Rote-Listen-Arten deutlich besser zu sein, doch der Eindruck täuscht", zitiert das BfN seine Präsidentin Beate Jessel. Bei einem Drittel der Meeresarten gebe es noch gar nicht genug Informationen, um die Gefährdung hinreichend einzuschätzen. Nur knapp 31 Prozent aller erfassten marinen Arten gelten nach bisheriger Erfahrung als ungefährdet.

Düngemittelreste in die Meere geleitet

Neben der Bodenfischerei tragen nach Meinung der Experten zwei weitere Faktoren besonders zur Gefährdung der Arten bei. Zum einen werden Abwässer und Düngemittelreste in die Meere geleitet und erhöhen den Nährstoffgehalt. Dadurch bilden sich verstärkt Mikroalgen, die Sauerstoffgehalt und den Lichteinfall verringern. Die Abwässer schaden nach Aussage der BfN-Experten vielen Großalgen und den sogenannten Filtrierern unter den wirbellosen Tieren. Außerdem zerstören maritimer Kiesabbau und Baggerarbeiten, beispielsweise an Häfen oder Fahrrinnen, den Lebensraum von Arten, die fest auf dem Meeresboden sitzen.

Meeressäugetiere wie Kegelrobbe, Seehund, Großer Tümmler und Schweinswal werden auf der Liste nicht berücksichtigt. Sie wurden bereits 2009 in der Roten Liste der Säugetiere Deutschlands behandelt. Der Große Tümmler gilt nach Angaben der Experten seit den siebziger Jahren als ausgestorben. Kegelrobbe und Schweinswal gelten als stark gefährdet. Lediglich der Seehund ist nicht bedroht.

Der WWF kritisierte, dass rund 30 Prozent der deutschen Meeresgebiete formal zwar unter Schutz stünden, es dort aber keine besondere Auflagen gebe: "In der Praxis darf jeder Quadratkilometer Meeresschutzgebiet befischt werden. Wir brauchen Meeresschutzgebiete, die diesen Namen auch verdienen", erklärte WWF-Experte Stephan Lutter. Der WWF forderte fischereifreie Zonen.

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boj/dpa/AFP

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insgesamt 7 Beiträge
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1. Erst mal
barney9 12.05.2014
erkundigen und dann schreiben, nicht alles unreflektiert wiederkäuen weil es ins Konzept passt. Fucus vesicolsus ist ein Tag der Gezeitenzone, wieso sollte er tiefer als 3 m vorkommen, auf was beziehen sich die 3 m. Mittlers Tidenhochwasser oder was? Ausserdem werden auf Helgoland jedes Jahr mehr Kegelrobben geboren und die Seehunde nehmen auch immer mehr zu.
2. Fucus
MarBiol 12.05.2014
Zitat von barney9erkundigen und dann schreiben, nicht alles unreflektiert wiederkäuen weil es ins Konzept passt. Fucus vesicolsus ist ein Tag der Gezeitenzone, wieso sollte er tiefer als 3 m vorkommen, auf was beziehen sich die 3 m. Mittlers Tidenhochwasser oder was? Ausserdem werden auf Helgoland jedes Jahr mehr Kegelrobben geboren und die Seehunde nehmen auch immer mehr zu.
F. vesiculosus ist sehr wohl eine Algenart, die IN DER OSTSEE (also nahezu tidenfrei) früher tiefer vorkam (bis 12 m) und heute aus verschiedenen Gründen, aber hauptsächlich wegen der Überdüngung, nur noch bis etwa 3-4 m Tiefe gefunden wird! Auf Helgoland ist es eine Art der Gezeitenzone, aber nicht in der Ostsee. Dort hat sie sehr mit der schlechten Sichtweite zu kämpfen. Also lieber erstmal erkundigen und dann schreiben!! Gerne nächstes Mal in einer gängigen Rechtschreibung, so dass andere auch verstehen, was Sie sagen wollen, so viel Zeit und (bei solch wissenschaftlichen Themen) Kenntnis sollte doch bitte vorhanden sein! Desweiteren ist es zwar richtig, dass die Geburtenrate der Kegelrobben seit Jahren auf Helgoland steigt, aber verglichen mit früheren Beständen sind wir immer noch am Anfang, was eine Einordnung in die Rote Liste rechtfertigt. Außerdem gab es früher große Bestände der Kegelrobben an der deutschen Ostseeküste, die komplett verloren sind durch Bejagung und Überfischung. Auch die Seehunde sind noch lange nicht auf dem Stand von vor der Bejagung durch den Menschen. Soweit beste Grüße von einem Meeresbiologen
3. Wo
Margot 357 12.05.2014
bleibt der menschenversachte Klimawandel? Muss doch sonst für alles herhalten, insbesondere um das Geld aus der Tasche zu ziehen!
4. Naturschutz tut Not
nervmann 13.05.2014
Zitat von sysopM. ZettlerFischerei, Kiesgewinnung, Überdüngung: Aktivitäten des Menschen gefährden fast jede dritte Art in Nord- und Ostsee. Selbst in Schutzgebieten sind Lebewesen nicht sicher. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/rote-liste-der-bedrohten-arten-fuer-nordsee-und-ostsee-a-968908.html
Es wäre interessant zu erfahren, auf welcher Datenbasis die marine Rote Liste zustande gekommen ist. Richtig ist, dass die Schutzbestimmungen in Deutschland sehr lasch sind. Es ist schon kurios, dass der "Deutsche" angeblich "die Natur" (was immer das auch sein soll) so liebt, jedoch nichts unterlässt, sie zu schädigen oder zu beseitigen. Wir sind eben große Etikettenschwindler: formaler Akt vollzogen - Problem gelöst. So einfach ist es allerdings nicht. Einiges, was in dem Artikel hier steht, ist schwer nachzuvollziehen, z.B. das Thema Eutrophierung im Meer.
5. Um das Geld aus der Tasche zu ziehen???
torte111 13.05.2014
Also wer heutzutage immer noch behauptet, dass der Mensch nicht die Umwelt kaputtmacht, der muss irgendwas komplett verschlafen haben. Genug Beispiele wurden ja wohl im Artikel selbst schon genannt und dem wären sicherlich unzählige hinzuzufügen. Das Hauptproblem scheint tatsächlich die Menge Menschen zu sein, die sich um die kommenden Generationen nicht schert und meint, die Natur wird das schon machen... Da wird mir schlecht!
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