Rote Liste Antilope, vom Aussterben bedroht

Immer mehr Tier- und Pflanzenarten gelten als "stark gefährdet" - einige haben sich für alle Zeiten verabschiedet. Das geht aus der Roten Liste der Weltnaturschutzunion hervor. Erheblichen Anteil hat: der Mensch.

IUCN Photo Library/ Alicia Wirz/ IUCN

Tausendfüßler, Antilopen und Eschen - Tausende Tier- und Pflanzenarten weltweit sind in ihrem Bestand gefährdet. Das geht aus der neuen Ausgabe der Roten Liste hervor, die die Weltnaturschutzunion (IUCN) vorgestellt hat.

So sind die Rumpelstilzchen-Zwergheuschrecke, der zirpende Riesenkugler und die ganz gemeine amerikanische Esche vom Aussterben bedroht. Für die winzige Weihnachtsinsel-Zwergfledermaus (Pipistrellus murrayi) gebe es keine Hoffnung mehr. Sie gilt nun als ausgestorben.

"Wir Menschen scheuchen die Arten mit unserem Verhalten so schnell an den Rand des Abgrunds, dass es für Umweltschützer fast unmöglich ist, den Niedergang in Echtzeit zu dokumentieren", sagte IUCN-Generaldirektorin Inger Andersen. "Es besteht weltweit dringend Handlungsbedarf, damit das Überleben der Arten und unsere eigene nachhaltige Zukunft gesichert werden."

Mehr als ein Drittel der Arten bedroht

Experten haben für die Rote Liste fast 88.000 Arten unter die Lupe genommen. Das ist nur ein Bruchteil der geschätzten zehn Millionen Tier- und Pflanzenarten auf dem Planeten. Von den untersuchten Arten sind nach Meinung der Experten gut 25.000 bedroht.

Fotostrecke

7  Bilder
Rote Liste: Diese Arten sind vom Aussterben bedroht

In der Roten Liste gibt es mehrere Kategorien. "Vom Aussterben bedroht" ist die höchste. Die Kategorien darunter heißen "stark gefährdet" und "verletzlich".

Die Zahl der Arten in der höchsten Kategorie, "vom Aussterben bedroht", stieg von 5157 auf 5403. Die Zahl der ausgestorbenen Arten stieg von 849 auf 859 Arten. Oft hat sich aber nicht die Situation der Art dramatisch geändert. Vielmehr haben die Wissenschaftler bessere Daten zusammengetragen.

  • Auf Madagaskar seien sieben der nur dort vorkommenden 71 Heuschreckenarten vom Aussterben bedroht. Darunter sei die Rumpelstilzchen-Zwergheuschrecke (Agkistropleuron simplex), von der zuletzt 1995 ein Exemplar gesichtet wurde. Auf der Insel vor Afrika stehen auch 27 der 145 Tausendfüßler kurz vor dem Aussterben, darunter der zirpende Riesenkugler (Sphaeromimus splendidus), der auf den ersten Blick wie eine Schnecke aussieht.

    Das Abholzen der Wälder bedrohte das Überleben vieler Arten. Der Riesenkugler könne nur auf den sandigen Böden des Küstenregenwaldes überleben, heißt es bei der IUCN. Das Biotop verschwinde aber. Zu allem Überfluss sei dort nun auch ein Tagebaubergwerk geplant.
  • In den 48 US-Bundesstaaten ohne Hawaii und Alaska gibt es Milliarden von Eschen. Der Asiatische Eschenprachtkäfer (Agrilus planipennis) drohe aber nun, fünf der sechs verbreitetsten Arten zu vernichten, teilte die IUCN mit. 80 Pozent der Bäume seien in Gefahr, darunter Rot,- Weiß- und Schwarz-Eschen (Fraxinus pennsylvanica, F. americana, F. nigra).

    Der Käfer sei Ende der Neunzigerjahre auf Schiffspaletten eingeschleppt worden und habe sich rasant ausgebreitet. Die Klimaerwärmung lasse ihn auch in einigen eigentlich für ihn zu kalten Regionen überleben.

    Die Weiß-Esche ist nach Angaben der IUCN der wertvollste Baum der amerikanischen Holzindustrie. Daraus werden Möbel, Baseball- und Tennisschläger gemacht. Mit den Bäumen würde auch ein wichtiger Teil des Lebensraums von Vögeln, Eichhörnchen und Insekten verschwinden.

Christiane Oelrich, dpa/brt



insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kj.az 14.09.2017
1. Eine Frage der Zeit (zweiter Versuch):
Innerhalb eines ueberschaubaren Zeitraums wird auch das Saeugetier, das sich selbst als 'sapiens' bezeichnet, ausgestorben sein. Dann wird es auch keine Zensoren beim Spon-Forum mehr geben. Schade drum, sie haetten noch so viel von Kommentatoren lernen koennen.
kodu 14.09.2017
2. Wenn ökologisch überhaupt noch etwas zu retten ist...
... dann nur durch einen umgehenden ökonomischen Paradigmenwechsel (Stichwort: weg vom Wachstumsfetisch und globale Umverteilung der Produktivitätsgewinne; eine Weltregierung müsste her, die ALLEN Menschen verpflichtet ist) Warum wird das voraussichtlich nicht rechtzeitig gelingen?
omnium_consensu 14.09.2017
3.
bei der zahlenmäßige Entwicklung der Weltbevölkerung braucht man kein Pessimist sein, um eine Voraussage zu treffen: in wenigen Jahrzehnten wird es - außer in zoologischen Gärten - weitgehend nur noch auf kleinstem Raum gehaltene "Nutztiere" und landwirtschaftlich genutzte Flächen geben. Die Weltbevölkerung hat sich gegenüber 1950 fast verdreifacht, das Wachstum ist exponentiell - es wird in nicht allzuferner Zukunft alles gefressen werden, was nicht absolut ungeniessbar ist und beackert, was irgendwie ein paar kümmerliche Körner oder Knollen abgibt. Der SciFi-Klassiker "… Jahr 2022 … die überleben wollen" gibt einen Vorgeschmack auf das, was kommen wird.
El pato clavado 14.09.2017
4. Artensterben
auch die Spezie Mensch wird aussterben
Lord Menial 14.09.2017
5.
Zitat von omnium_consensubei der zahlenmäßige Entwicklung der Weltbevölkerung braucht man kein Pessimist sein, um eine Voraussage zu treffen: in wenigen Jahrzehnten wird es - außer in zoologischen Gärten - weitgehend nur noch auf kleinstem Raum gehaltene "Nutztiere" und landwirtschaftlich genutzte Flächen geben. Die Weltbevölkerung hat sich gegenüber 1950 fast verdreifacht, das Wachstum ist exponentiell - es wird in nicht allzuferner Zukunft alles gefressen werden, was nicht absolut ungeniessbar ist und beackert, was irgendwie ein paar kümmerliche Körner oder Knollen abgibt. Der SciFi-Klassiker "… Jahr 2022 … die überleben wollen" gibt einen Vorgeschmack auf das, was kommen wird.
Das Wachstum der Weltbevölkerung ist sogar hyperbolisch (überexponentiell). Das hat populationsökologische andere Folgen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.