Rote Liste Glattrochen ist akut vom Aussterben bedroht

Die größte Rochenart an den europäischen Küsten steht offenbar kurz vor dem Aussterben. Die Zahl der verbliebenen Tiere ist nach einer neuen Studie noch weit niedriger als gedacht. Offenbar haben sich Biologen jahrelang bei der Zählung vertan.

DPA

Frankfurt/Main - Auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten steht er schon lange: Dipturus batis, der Glattrochen, ist der größte Rochen an den europäischen Küsten. Jetzt haben französische Forscher alarmierende Nachrichten: Ihren Ergebnissen zufolge werden unter der Spezies Dipturus batis irrtümlich bisher zwei Rochenarten geführt. Zwar sind beide bedroht, doch die größere steht demnach unmittelbar davor, auszusterben, berichten die Wissenschaftler der Meeresbiologischen Station Concarneau im Fachblatt "Aquatic Conservation."

Der Grund für die Bedrohung dieser Tierart liege vor allem in der Überfischung der Meere. Die Rochenart lebt im vorwiegend im Ostatlantik, seltener auch in der Nordsee, in einer Meerestiefe von etwa 100 bis fünfhundert Metern und wird im Handel auch als Seeforelle verkauft.

Der Glattrochen hat eine Eigentümlichkeit: Besonders große Exemplare können knapp drei Meter lang werden, für gewöhnlich hat er jedoch eine Länge von etwa 1,40 Meter. Bisher gingen Meeresbiologen davon aus, dass es sich dabei um die gleiche Spezies handelt. Doch die französischen Forscher kommen zu einem anderen Ergebnis: Bei der kleineren Art handelt es sich demnach um Dipturus flossada, die größere Spezies nennen sie Dipturus intermedia. Ihre neue Klassifikation begründen die Forscher mit Details zu Größe, Körperbau, Farbe und Entwicklung.

Ohne Prüfung und Anerkennung ihres eigenen Status könne die größere Rochenvariante in naher Zukunft ausgestorben sein, mahnen die Experten. Glattrochen besiedelten ursprünglich weite Teile der europäischen Atlantikküste inklusive Ärmelkanal, Nordsee und westlicher Ostsee. Das Fleisch der Tiere gilt als schmackhaft. 60 Prozent der dokumentierten Fänge gehen auf das Konto französischer Fischer.

Auf der aktuellen Roten Liste der International Union for Conservation of Nature (IUCN) stehen derzeit insgesamt 17.291 Tierarten, vor allem Amphibien sind vom Aussterben bedroht.

cib/AP



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