Artenschutz Gute Nachrichten bei Finnwal und Berggorilla

Fast 27.000 Tier- und Pflanzenarten gelten laut Roter Liste als bedroht. Naturschützer warnen vor neuen Problemen, etwa durch Überfischung. Doch sie berichten auch von Erfolgen.

Finnwal (Archivbild)
DPA/ WWF

Finnwal (Archivbild)


Wie stark ist eine Tier- oder Pflanzenart in ihrer Existenz bedroht? Über diese Frage wacht seit Jahrzehnten die Weltnaturschutzunion (IUCN), die ihren Hauptsitz in Gland am Genfer See in der Schweiz hat - und dafür sogenannte Rote Listen führt. Experten ermitteln dafür regelmäßig die Wahrscheinlichkeit für ein Aussterben der jeweiligen Art. Die untersuchten Spezies werden in Kategorien von "nicht gefährdet" bis "ausgestorben" eingeordnet.

Die Listen werden regelmäßig aktualisiert, so auch an diesem Mittwoch. Aktuell gelten rund 26.500 Pflanzen- und Tierarten als bedroht. Das sind 10.000 mehr als noch vor rund zehn Jahren - und 27 Prozent aller untersuchten Arten. Schwierig ist, dass bei vielen Spezies nicht genug Daten vorliegen, um ihren Gefährdungsstatus überhaupt einschätzen zu können.

In der aktuellen Version der Liste gibt es durchaus auch einige positive Nachrichten: So haben sich die Bestände der Berggorillas und der Finnwale dank umfassender und langfristiger Schutzmaßnahmen erholt. Die Zahl der Finnwale habe sich seit den Siebzigerjahren auf rund 100.000 Exemplare ungefähr verdoppelt, teilte die IUCN mit.

Erfolg durch Verbot des kommerziellen Walfangs

Die Finnwale gelten daher auch nicht mehr als "stark gefährdet", sondern sind nun als "gefährdet" aufgeführt. Auch die Situation der Grauwale, die bisher als "vom Aussterben bedroht" galten, habe sich verbessert. "Die Bestände dieser Wale erholen sich dank der Verbote von kommerziellem Walfang, internationalen Vereinbarungen und weiteren Sicherungsmaßnahmen", sagte IUCN-Mitarbeiter Randall Reeves. Allerdings existieren noch immer Schlupflöcher, die Staaten wie Japan den Walfang erlauben, vorgeblich aus wissenschaftlichen Gründen. Norwegen und Island halten sich ebenfalls nicht an das Walfangverbot und gestatten ihren Fischern ebenfalls, Tiere zu erlegen.

Gute Nachrichten gab es zur Situation der Berggorillas. Nicht zuletzt durch Maßnahmen gegen Wilderer in ihrem Lebensraum hat sich ihr Bestand zuletzt deutlich vergrößert. Laut IUCN ist die Zahl der Tiere in den vergangenen zehn Jahren von etwa 680 auf mehr als 1000 gestiegen. Die Berggorillas leben in geschützten Gebieten in Ruanda, Uganda und in der Demokratischen Republik Kongo. Sie werden nun als "stark gefährdet" und nicht mehr als "vom Aussterben bedroht" eingestuft.

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Menschenaffen: Gorillas aus dem Gebirgswald

Mit Blick auf die neue Einstufung machte die IUCN aber trotz der Erfolge deutlich, dass die Schutzmaßnahmen weiter fortgeführt werden müssten. Unter anderem müsse die Zahl der Touristen reduziert und ein enger Kontakt von Menschen zu den Gorillas vermieden werden.

Probleme gibt es in zahlreichen anderen Bereichen. So warnten die Experten vor Problemen durch Überfischung. 13 Prozent der Zackenbarsch-Arten weltweit und 9 Prozent der rund 450 Fischarten im ostafrikanischen Malawisee seien vom Aussterben bedroht. "Der Artenrückgang beeinflusst den Preis von Fisch weltweit erheblich und reduziert die Lebensmittelsicherheit für Millionen Menschen", sagte die IUCN-Expertin Yvonne Sadovy.

Diskussion um nachhaltigen Fisch

Eine bedenkliche Entwicklung sehen die IUCN-Experten auch bei einigen Holzarten. Die vermehrte Nachfrage in China nach Bau- und Möbelholz führe zu Raubbau in Afrika. Inzwischen stünden auch alle Arten des Adlerholzbaumes auf der Roten Liste. Bestandteile des Baumes würden in der Parfüm- und Duftindustrie gebraucht, was das Holz zu einem der teuersten der Welt mache.

Weiter stark vom Aussterben bedroht sind Arten wie der Amazonasflussdelfin und mehrere Vogelspezies in Südostasien. "Einzelne Erfolge beim Artenschutz dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir uns in einem dauerhaften, ökologischen Ausnahmezustand befinden. Die weltweite biologische Vielfalt ist durch den Menschen in einem ständigen Krisenmodus gefangen", erklärte Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland anlässlich der Vorstellung der neuen Roten Liste. Die positiven Beispiele zeigten aber auch, dass Naturschutz erfolgreich sein könne, wenn entschlossen gehandelt werde.

chs/dpa

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