Reptilien auf Madagaskar Zwei von fünf Arten sind vom Aussterben bedroht

Forscher haben erkundet, wie viele Reptilienarten noch auf Madagaskar leben. Das Ergebnis ist alarmierend: Fast 40 Prozent der rund 370 Arten der Insel drohen auszusterben.

Frank Glaw/ Miguel Vences

Madagaskar ist ein Hotspot der Artenvielfalt. Seit der Abspaltung vom afrikanischen Kontinent vor etwa 150 Millionen Jahren haben sich auf der Insel Tiere und Pflanzen entwickelt, die es nirgendwo anders gibt. Für die Verbreitung der Reptilienarten fehlte bisher aber eine offizielle Einschätzung. Diese Lücke hat jetzt ein internationales Forscherteam nun geschlossen.

Die rund 40 Experten wurden von der Weltnaturschutzunion IUCN zusammengerufen, um die Rote Liste der gefährdeten Arten zu ergänzen. Die Ergebnisse, die im Fachmagazin "PLoS One" veröffentlicht wurden, klingen alarmierend: 39 Prozent der Reptilienarten auf Madagaskar sind demnach vom Aussterben bedroht.

Die Abholzung der Regen- und Trockenwälder gefährdet vor allem Echsen und Schlangen. Prekär ist die Situation auch bei den Schildkröten: Alle Schildkrötenarten auf Madagaskar haben die Forscher als stark gefährdet eingestuft. Die Tiere werden international gehandelt und wegen ihres Fleisches gejagt.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Grundsätzlich besonders gefährdet seien Arten, die ausschließlich in sehr kleinen Lebensräumen vorkämen, wie zum Beispiel in den Küstenwäldern, von denen es nur noch sehr wenige gebe, sagt der Evolutionsbiologe Miguel Vences von der Technischen Universität Braunschweig, der den Bericht mitverfasst hat. Eine Auswahl der gefährdeten Arten mit Beschreibung zeigt unsere Bildstrecke.

Madagaskar hat bereits viele Gebiete unter Schutz gestellt und mehrere Nationalparks eingerichtet. "Wir beobachten aber leider immer wieder, dass die Schutzverordnungen nicht eingehalten werden und trotz Verbots abgeholzt wird", so Vences.

Trotzdem bleibt der Forscher optimistisch: "Madagaskar bietet bessere Voraussetzungen für den Artenschutz als viele andere afrikanische Länder", so der Forscher. "Es gibt genug fruchtbare Böden, was eine nachhaltige Landwirtschaft prinzipiell möglich macht. Und das Land kann sich mit dem Ökotourismus einen gute Einnahmequelle erschließen."

Tatsächlich kommen die meisten Reptilienarten Madagaskars in mindestens einem der Schutzgebiete vor. Und: Fast alle Arten sind in den letzten Jahren noch im Freiland beobachtet worden. Die aktuelle Studie soll nun helfen, die bedrohten Arten gezielter zu schützen.

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Rote Liste: Vom Aussterben bedrohte Arten

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Augsteinerbrochenes 12.08.2014
1. Ausgestorben! Na und?
Über 99% aller Tier- und Pflanzenarten sind bisher ausgestorben. Vermissen wir etwa diese Biodiversität? Nein? Na also! Entweder die Viecher passen sich an (auch an den Menschen) oder die müssen mit den Konsequenzen leben. Der Natur wird es nicht schaden. Wie sagte es Volker Pispers so schön: "Delfine werde ich nicht vermissen, Thunfisch hingegen schon."
EmmaDiel 12.08.2014
2. Nur 2 von nur 5?
Na, das ist ja nicht viel. Ach halt, 40% von 370... da muss man ja schon wieder rechnen ... Also knapp 150 von 370, na, das sagt doch schon eher was. Spon und Darstellung von Zahlen ... Na, wie heisst's so schön: die Hoffnung stirbt zu letzt. Was so viel bedeutet wie: alles andere ist schon voher gestorben.
reever_de 12.08.2014
3. Grüße an die Einwohner!
Die alte Mär, das die Naturvölker ja so liebevoll mit ihrer Umwelt umgehen und umgegangen sind, ist ja klar auf den Osterinseln zu erkennen, gell? Kompletten Wald über Generationen abgeholzt und dann verhungert und ausgestorben. Ich wünsche den lieben Einwohnern von Madegakar, das sie selber von Schädlingen aufgefressen werden, nachdem sie systematisch ihre Umwelt zerstört und ihre Tierwelt abgeschlachtet, gekocht, gegessen oder verkauft haben. Aus diesem Grund suchen wir ja auch neue Welten im All; damit wir diese dann genauso zerstören und ausplündern können wie wir es hier immer schneller und gewaltsamer betreiben.
hermannheester 12.08.2014
4. Die Vergehung der Arten
Zitat von sysopFrank Glaw/ Miguel VencesForscher haben erkundet, wie viele Reptilienarten noch auf Madagaskar leben. Das Ergebnis ist alarmierend: Fast 40 Prozent der rund 370 Arten der Insel drohen auszusterben. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/rote-liste-reptilien-in-madagaskar-sind-vom-aussterben-bedroht-a-985156.html
So oder ähnlich könnte man den alten Darwin umkehren, denn nur durch das allmähliche Aussterben alter Arten kann sich neues Leben neu entwickeln. 9 von 10 Arten sind auf der ganzen Welt ausgestorben und keiner konnte oder musste Alarm schlagen....
yram 12.08.2014
5. Grüße zurück an die Imperialisten und Neu-Imperialisten
Bevor die "schöne zivilisierte Welt" auf Madagaskar kam, lebten die Menschen ziemlich im Einklang mit der Natur. Damals hatten wir auch richtige Philosophen genannt "Ntaolo", deren Weisheiten auf Natur und Menschenbeobachtungen beruhten. Dann kamen aber die Missionaren, die uns "evangelisiert" haben und unsere "animistische" Weltanschauung als Teufelswerk bezeichneten. Dann kamen die Franzosen mit deren Kolonisation und deren Rohstoffabbau für die "Grande Nation". Heute geht es um Abbau von Ilmenit, Zirkon, Nickel, Kobalt, Gold, Edelsteine und zusätzlich den von Finanzinstitutionen programmierte Abbau von unserem Sozialsystem (ja ein Sozialsystem gibt/gab es auch bei uns und keine nackte Ur-Menschen). Motto in den 80er und 90er Jahren war das schöne Wort "Strukturanpassung": Alle öffentlichen Ausgaben reduzieren, Marktöffnung, usw. Außerdem werden die Preisen unserer landwirtschaftliche Erzeugnisse nicht von uns bestimmt sondern in den tollen Börsen von London und Co. Wenn Ihre subventionierte Bauer bei uns deren Güter grenzenlos verkaufen dürfen und unsere Preise dadurch kaputt machen, wenn dann unsere Bauer nicht von Landwirtschaft leben können und unsere Bevölkerung sich selbst überlassen wird, weil unsere Regierung einfach gelähmt ist, sind solche Zustände abzusehen. Es ist leicht sich in Europa vor einem PC oder Smartphone hinzusetzen und so die ganze Schuld auf die Bevölkerung abzuwälzen. Wenn Sie mit Ihrem beliebten Ausdruck "Korruption" her kommt, dann kann ich Ihnen Europäer sagen, daß Ihre Firmen und indirekt auch Ihre Regierungen von der Korruption in unseren Ländern stark profitieren, denn dort werden Projekte nicht nach dem Modell Ausschreibung/Angebot gewonnen sondern nach dem Modell "bester Bakshish-Anbieter". Die Korruption geht zwar bis oben an der Spitze unserer Regierungen aber dafür sorgen auch viele Europäer, das es richtig schmiert und wenn nicht, dann wird einfach gemekert, bis dann die integere Person durch eine "kooperationsbereite" ausgetauscht wird. Das nennt man in beliebten Kreisen "politische Stabilität". Trotz allem leben die Menschen auf Madagaskar auch wenn es wirtschaftlich schwierig ist. Und die leben unkompliziert. Man muss nicht 3 Wochen vorher anrufen und alles von A bis Z planen, um sich mit Jemandem zu treffen sondern es ist ein einfaches Leben, von Mensch zu Mensch. Menschen helfen sich gegenseitig zumindest im großen familiären Umkreis. Geckos, Insekten usw.. spielen bei den Einwohnern eine sekundäre Rolle (sowie hier in Europa die Bären, Wölfe oder andere aussterbende Tierarten), nicht weil wir böse und dumm sind (beliebte Sichtweise bei pseudo selbstbewussten Europäern), sondern weil es beim einfachen Menschen andere Prioritäten gibt, nämlich um das tägliche Überleben in einem machiavelischen Weltwirtschaftsystem das die Imperialisten (und heute dazu ex-Kommunisten) geschaffen haben. Unsere neue Regierung arbeitet hart daran, damit wir vielleicht doch den Anschluss wieder kriegen aber wer weiss, welche Wirtschaftskiller schon rum lauern! http://www.youtube.com/watch?v=3ZpnOX4l7XA. Grüße zurück an die ganzen Europäer/ Amerikaner/ Russen/ Chinesen und deren Multinationalen!
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