Rückzieher nach Protesten Japan verzichtet auf Buckelwal-Jagd

Der politische Druck war groß: Nach weltweiten Protesten gegen die Wiederaufnahme der Buckelwal-Jagd hat die japanische Regierung eingelenkt. Für ein bis zwei Jahre sollen keine Buckelwale mehr erlegt werden. Zwerg- und Finnwale allerdings werden weiterhin getötet.


Tokio - Vor allem Australien und Neuseeland hatten in der Vergangenheit scharfe Kritik an Japan geübt. "Ich hoffe, dass sich unsere Beziehungen zu Australien verbessern", sagte Regierungssprecher Nobutaka Machimura heute nach der Entscheidung in Tokio. Die Regierung begründete den Schritt, die Buckelwal-Jagd für bis zu zwei Jahre auszusetzen, mit den laufenden Verhandlungen innerhalb der Internationalen Walfangkommission (IWC).

Der Entscheidung vorausgegangen waren Beratungen mit den USA, dem gegenwärtigen Vorsitzenden der Walfangkommission. Das US-Außenministerium hatte die Regierung in Tokio gewarnt, dass einige Staaten aus Protest die IWC-Sitzungen boykottieren könnten. "Das war nicht im Interesse Japans", sagte der zuständige Abteilungsleiter der japanischen Fischereibehörde, Hideki Moronuki.

Unabhängig von der vorübergehenden Aussetzung der Jagd auf Buckelwale hält Japan an der geplanten Tötung von bis zu 935 Zwergwalen und bis zu 50 Finnwalen fest. "An unserer Haltung bezüglich der Jagd zu Forschungszwecken hat sich nichts geändert", sagte Machimura.

Regierungssprecher Machimura betonte die kulturellen Unterschiede zwischen Australien und Japan in Sachen Walfang: "Australier sehen Wale als liebevolle Wesen an, was ich nicht verstehen kann", sagte er. "Anscheinend geben sie jedem Wal einen Namen. Die Öffentlichkeit hat dort sehr starke Gefühle." Australiens neuer Ministerpräsident Kevin Rudd hatte seit seinem Amtsantritt Ende November den Druck auf Japan erhöht und ein Beobachtungsschiff sowie mehrere Flugzeuge in die Gewässer der Antarktis entsandt, um die Walfänger zu verfolgen. Auch die Regierung von Neuseeland hatte Japan scharf kritisiert.

Japan hatte im November die Jagd auf die seltenen und in den sechziger Jahren vom Aussterben bedrohten Buckelwale wieder aufgenommen. Das Land nutzt dabei eine Ausnahmebestimmung des internationalen Moratoriums von 1986, wonach eine begrenzte Anzahl der Meeressäuger für wissenschaftliche Zwecke gejagt werden darf. Kritiker sehen darin eine Verschleierung des kommerziellen Walfangs. Erst Mitte November war eine japanische Walfangflotte Richtung Antarktis ausgelaufen.

"Japan muss seine Flotte unverzüglich zurückholen", forderte Steve Shallhorn, Pazifik-Chef der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Sowohl Greenpeace als auch die US-Tierschützer von "Sea Shepherd" haben jeweils ein Schiff in die Antarktis geschickt, um die japanische Flotte von der Jagd abzuhalten. Während Greenpeace einen friedlichen Kampf ankündigte, drohte "Sea Shepherd", mit ihrem Schiff die Fangflotte zu rammen.

ala/AP/AFP



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