Sachsen Wölfe reißen 19 Schafe auf gesicherter Weide

Eigentlich war die Schafherde in Sachsen durch einen Elektrozaun gesichert - doch offenbar ist sie trotzdem von Wölfen attackiert worden. Nun sind 19 Tiere tot. Verteufeln sollte man den Wolf dennoch nicht.

Wolf (im hessischen Reinhardswald, 2008): Mehr als 30 Rudel in Deutschland
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Wolf (im hessischen Reinhardswald, 2008): Mehr als 30 Rudel in Deutschland


Wölfe haben auf einer Weide in der Lausitz 19 Schafe gerissen. Ein Züchter im sächsischen Cunnewitz hat nach Angaben des Landratsamts Bautzen am Dienstag elf tote und sechs verwundete Tiere gefunden. Zwei weitere Schafe seien vermisst. "Es handelt sich definitiv um einen Wolfsriss", sagte ein Sprecher und berief sich auf die Einschätzung von Gutachtern.

Dabei sei die Herde durch einen Elektrozaun ausreichend geschützt gewesen. Die "Sächsische Zeitung" berichtete, Experten sprächen bei dieser Dimension von einem sogenannten Overkill: Der oder die Wölfe töten demnach weit mehr Tiere, als sie überhaupt fressen können.

Lange war der Wolf in Deutschland ausgerottet, erst nach dem Fall der Mauer kam er aus Osteuropa zurück. Es begann damit, dass 1998 zwei Wölfe in der Muskauer Heide in der Oberlausitz gesehen wurden. Zwei Jahre später hatte das Paar dann erstmals Nachwuchs. Das erste Wolfsrudel in freier Wildbahn nach Ausrottung des Wolfes in Deutschland war entstanden.

Mittlerweile leben wieder mehr als 30 Rudel in Deutschland, auch im Westen werden immer wieder Wölfe gesichtet, so Ende Januar 2015 im Kreis Siegen-Wittgenstein oder im Sommer im Schwarzwald. Nicht nur aus dem Osten kommen Wölfe zu uns, auch aus den Alpen wandern sie nach Süddeutschland ein. Die Tiere dürfen nicht gejagt werden - auch wenn es immer einmal wieder entsprechende Vorstöße gibt, es doch zu tun. Zuletzt forderte Hans-Heinrich Jordan, Vorsitzender des Landesverbands der Jäger in Sachsen-Anhalt, angesichts einer sich "zum Teil rasant entwickelnden Population", eine Veränderung des Schutzstatus des Raubtiers.

Beim Bundesamt für Natur sieht man das anders: Dort rechnet man vor, dass es in Deutschland Raum für etwa 400 Rudel gebe. Erst wenn der besondere Schutz für die seltenen Tiere nicht mehr nötig sei, könne man über Jagd reden.

Wolfsmanagement ist Ländersache

Klar ist: Der Wolf ist ein Raubtier, Menschen fallen nicht in sein Beuteschema. Bei Nutztieren kann das manchmal anders sein. Sogenannte Wolfsmanager sollen dafür sorgen, dass es einerseits nicht zu Ängsten in der Bevölkerung kommt und andererseits Nutztiere aber gut geschützt werden können. Wolfsmanagement ist Ländersache - und damit zum Beispiel auch Unterstützung, die etwa Tierhalter für den Schutz ihrer Herden durch Elektrozäune bekommen. Oder auch mögliche Kompensationszahlungen, wenn doch Tiere getötet wurden.

In jüngster Zeit gab es Berichte über Wölfe, die Menschen nahe kamen oder andere Tiere attackiert haben sollen. Für bundesweite Aufmerksamkeit sorgte die Aussage eines Mannes, dessen Hund Anfang des Monats bei Wietze in Niedersachsen von gleich drei Wölfen angegriffen und getötet worden sein soll.

Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz erklärte später jedoch, der Wolfsverdacht sei ausgeräumt. Das habe eine Genanalyse im Labor für Wildtiergenetik des Forschungsinstituts Senckenberg ergeben. Speichelreste unter anderem am Geschirr des toten Hundes hätten das genetische Profil eines Hundes aufgewiesen - "mit Verdacht auf Wolfhund", wie die Behörde erklärte.

In der Lausitz ist der Wolf durchaus zu einem Anziehungsobjekt für Touristen geworden. "Für sie gilt im Prinzip dasselbe, was wir alle unseren Kindern für eine Begegnung mit Hunden beibringen: nicht wegrennen", so hat der italienische Ökologe Luigi Boitani die richtige Verhaltensweise im Umgang mit Wölfen in einem SPIEGEL-Gespräch beschrieben. "Je besser man diese Tiere kennt, desto weniger fürchtet man sie."

"Die Angst vor dem Märchenwolf sitzt tief in der deutschen Volksseele", sagt auch André Baumann vom Nabu Baden-Württemberg. Der Wolf sei aber weder böser Märchenwolf noch Kuscheltier. Er sei ein Wildtier, das sich von Rehen und Wildschweinen ernähre.

chs/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 171 Beiträge
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Seite 1
1besserwisser1 27.08.2015
1.
Bei aller Liebe aber fragen sie mal einen Bauern in Brandenburg über Wölfe und das Wolfsmanagement. Einen Wolfangriff nachzuweisen ist durch die Bürokratie so leicht, wie eine Mordermittlung der Staatsanwalt. Das Thema hängt zum Hals raus. Es sollte auch nicht verschwiegen werden das wahrscheinlich 50% aller Wölfe gar nicht in der Karte auftauchen. Man muss erstmal beweisen das eine 20 Zentimeter große Bisswunde nicht von Dackel Waldi stammt. Der Wolf wurde ausgerottet und die Menschen haben sich dabei etwas gedacht. Mal schauen ob der Artikel durchkommt.
ringotheone 27.08.2015
2. 400 Rudel ...
Wer behauptet wir hätten Platz für 400 Rudel, hat definitiv keine Ahnung das ist eine Zahl von weit über 1000 Wölfen. Schweden hat die Anzahl der geduldeten Wölfe mit 400 (Tiere, nicht Rudel) angegeben. Dort leben allerdings 22 und nicht 230 Menschen pro Quadratkilometer. Da den deutschen Wölfen beigebracht wurde, dass von Menschen keine Gefahr ausgeht, wird die Zahl der Konflikte erheblich zunehmen.
ffmfrankfurt 27.08.2015
3. @1besserwisser1
Was eigentümlicher Kommentar der von ihrer Unwissenheit herkommt! Das Wolfsproblem gibt es nur in den Medien. Immer wieder werden Fälle hochstilisiert, bei denen sich hinterher herausstellt, daß es überhaupt kein Wolf war. Das Argument der Wolf wurde ausgerottet und der Mensch habe sich dabei etwas gedacht, ist ja wohl das Dümmste was es gibt. Der Mensch hat schon so viele Sachen ausgerottet – hat er sich dabei immer etwas gedacht?
Alfred Ahrens 27.08.2015
4. Wenn das erste Kleinkind einem Wolf zum Opfer gefallen ist, weil er es aus der Buddelkiste geholt hat, wird es andere Artikel geben.
Warum hat es jahrelang ohne Wölfe geklappt ??? Wer Wolf sehen will, soll in den Zoo gehen.
Bueckstueck 27.08.2015
5. Ja und?
Dann werden die Schafe eben ersetzt. Die Versicherung zahlt wenn die Herde vermeintlich ausreichend gesichert war. Ach, war nicht versichert? Gibt keine Versicherung für sowas? Pech, dann muss man da nachbessern. Ggf. einen Fonds für geschädigte Bauern auflegen... Aber ganz bestimmt nicht anfangen den Wolf erneut auszurotten!
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