Abgenutzte Zähne: Forscher rätseln über das Ende der Säbelzahntiger

Warum starben Säbelzahntiger und Löwen in Amerika vor etwa 12.000 Jahren aus? Bisher hieß es, den großen Jägern sei wohl die Beute ausgegangen. Funde stark lädierter Zähne sollten das belegen. Doch nun deuten Wissenschaftler die Fossilien ganz anders.

Säbelzahntiger: Großwildjäger der Eiszeit Fotos
Courtesy Larisa DeSantis/ Vanderbilt University

Hamburg - Als die Eiszeit endete, war auch ihre Ära vorüber: Die großen Raubkatzen Nordamerikas starben vor etwa 12.000 Jahren aus - wie viele andere Mitglieder der sogenannten Megafauna: Mammuts, Mastodonten und Riesenfaultiere. "Der gängigen Theorie zufolge führte entweder das sich verändernde Klima oder menschlicher Einfluss - oder eine Kombination aus beidem - zum Aussterben der Großtierfauna", sagt Larisa DeSantis von der Vanderbilt University in Nashville (US-Bundesstaat Tennessee).

Doch die Forscherin und ihre Kollegen kratzen nun ein wenig an dieser Annahme - zumindest in Bezug auf den Säbelzahntiger (Smilodon fatalis) und den Amerikanischen Löwen (Panthera leo atrox), zwei ausgestorbene Großkatzen. Demnach hatten die Raubtiere auch als ihr Ende nahte, keinen Mangel an Beute.

Im Fachmagazin "PLoS One" berichten die Forscher über eine Analyse von Zahn-Fossilien aus den La Brea Tar Pits in Kalifornien. In den natürlich entstandenen Asphaltschichten findet sich eine Vielzahl von Großkatzen-Fossilien. Die jetzt untersuchten Zähne sind zwischen 11.500 und 35.000 Jahre alt.

Es sei bekannt, dass Fleischfresser in Hungerzeiten mehr der von ihnen erlegten Tieren verspeisen als sonst, erklärt DeSantis. Das bedeute, dass sie öfter und stärker auf Knochen herumkauen - und das hinterlasse Spuren an ihren Zähnen.

In schlechten Zeiten wird am Knochen genagt

Bereits 1993 bestätigte eine Fossilien-Analyse scheinbar die Annahme: Demnach finden sich bei den in La Brea Pits gefundenen Zähnen zum Ende der Eiszeit dreimal so oft abgebrochene Exemplare wie bei gleich alten Fossilien-Funden aus anderen Regionen. Das wurde als Hinweis gedeutet, dass die Raubtiere aus Hunger eben oft auch auf Knochen kauten.

DeSantis und Kollegen zählten jetzt nicht erneut, wie viele Zähne abgebrochen waren. Sie schauten sich unterm Mikroskop sichtbare Abnutzungsspuren an und vergleichen diese mit denen heute lebender Arten. Diese Muster lassen Schlüsse auf die Ernährung der Tiere zu.

Ihren Angaben zufolge ähnelt das Muster beim Amerikanischen Löwen dem des Geparden, der es vermeide, auf Knochen zu beißen. Beim Säbelzahntiger zeigt sich eine Parallele zum heutigen Löwen, der ab und zu auf Knochen kaut. Obwohl die Fossilien aus einem Zeitraum von mehr als 23.000 Jahren stammten, änderte sich das Abnutzungsmuster nicht. Wenn überhaupt deute es eher darauf, dass die Tiere zum Ende hin seltener auf Knochen kauten.

Dass sich in den La Brea Pits oft abgebrochene Zähne der beiden Großkatzen-Arten finden, ist aus Sicht der Forscher damit zu erklären, dass diese Raubtiere oft große Beute schlugen. Dabei würden die Frontzähne eher Schaden nehmen.

"Das Ergebnis unserer Analyse wirft Fragen zur gängigen Theorie auf, dass 'schwere Zeiten' im späten Pleistozän dazu beitrugen, dass die großen Fleischfresser langsam ausstarben", sagt Forscherin DeSantis. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass das Leben am Ende der Eiszeit für die Großkatzen nicht härter war, als das der heutigen Löwen in der afrikanischen Savanne.

Was dann aber das Ende von Säbelzahntiger und Amerikanischem Löwen brachte, können die US-Forscher leider nicht beantworten. Womöglich war es am Ende doch der Mensch, der ja auch heute noch den Löwen und seine nahen Verwandten immer weiter zurückdrängt.

wbr

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