Evolution Ältester Vorfahr von Land-Pflanzenfressern entdeckt

Forscher haben die Überreste des ältesten bisher bekannten Pflanzenfresser-Vorfahren gefunden. Das Tier, das vor 300 Millionen Jahren lebte, markiert einen Umbruch: Landbewohnern gelang es, nur von Grünzeug zu leben. Es war eine Revolution.

Danielle Dufault

Als Larry Martini im US-Bundesstaat Kansas die stark beschädigten Überreste des Fossils aufsammelte, ahnte er noch nicht, was er da in den Händen hielt. Die Überreste, so stellte sich später heraus, stammten vom ältesten bisher bekannten Vorfahren an Land lebender Pflanzenfresser. Das Urtier selbst hatte noch Fleisch auf dem Speiseplan - doch seine Nachfahren konnten mehr.

Die Fähigkeit, Pflanzen als Energiequelle zu nutzen, sei revolutionär für das Leben an Land gewesen, erklärt Robert Reisz von der University of Toronto, der das Fossil untersucht hat. Denn Pflanzenfresser dienten ihrerseits als wesentliche Nahrungsquelle für große Raubtiere an Land.

Eocasea martini, benannt nach seinem Entdecker, lebte vor etwa 300 Millionen Jahren - rund 70 Millionen Jahre vor den Dinosauriern. Damit ist es der älteste bekannte Vertreter seiner Abstammungsgemeinschaft und einer der ältesten Vorfahren moderner Säugetiere, schreiben Reisz und sein deutscher Kollege Jörg Fröbisch vom Museum für Naturkunde in Berlin im Fachmagazin "PloS One".

Die Überreste des Tieres bestehen aus einem Teil des Schädels, einem Großteil der Wirbelsäule, dem Becken und einem Hinterbein. Eocasea martini war weniger als 20 Zentimeter lang, schätzen die Forscher. Sie verglichen das Skelett mit ähnlichen Fossilien und kamen zu dem Schluss, dass das Tier zu den Caseidae gehört haben muss - typischerweise Pflanzenfresser, aus denen sich später moderne Säugetiere entwickelt haben.

Pflanzen ließen Urtiere in die Länge sprießen

Auf dem Speiseplan des urzeitlichen Räubers standen Insekten und anderen kleine Tiere. Jüngere und größere Vertreter der Caseidae hätten sich dagegen ausschließlich von Pflanzen ernährt, so Reisz. Das zeige, dass große an Land lebende Pflanzenfresser aus der Gruppe der Caseidae aus kleinen Fleischfressern der gleichen Gruppe hervorgegangen seien.

Dank der Fähigkeit, sich vom reichhaltigen Pflanzenangebot an Land zu ernähren, seien die Vorfahren der heutigen Säugetiere immer größer geworden. Die nun entdeckten, sehr alten Eocasea brachten weniger als zwei Kilo auf die Waage, schätzen die Forscher. Die jüngsten Mitglieder der Gruppe dagegen, die im Zeitalter des Perm vor 290 bis 260 Millionen Jahren lebten, erreichten ein Gewicht von 500 Kilogramm und wurden über vier Meter lang, vermuten Paläontologen.

Aus den Erkenntnissen schließen Reisz und Fröbisch auf die Entwicklung der Tier- und Pflanzenwelt insgesamt. Reisz erklärt: "Eocasea ist das erste Tier, das den Prozess zu einem Ökosystem an Land in Gang setzte, in dem viele Pflanzenfresser und wenige Raubtiere zusammenleben."

jme



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