Bakterienkur gegen Pilze Bremer Forscher wollen den Safran retten

Seit Jahren plagt eine Pilzerkrankung in Indien die Zwiebeln der kostbaren Safranpflanze. Forscher aus Bremen wollen nun mit einer Bakterienkur helfen.

Frischer Safran (Archivaufnahme)
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Frischer Safran (Archivaufnahme)


Im indischen Kaschmir, der dortigen Safran-Hauptanbauregion, kämpften Bauern seit Jahren mit zunehmenden Ernteausfällen. Dies berichtet Barbara Reinhold von der Universität Bremen. Schuld daran sei ein Pilz, der die Blumenzwiebeln faulen lässt.

"Das Problem besteht besonders in Nordindien, auch wenn Bauern in Italien oder dem Iran vermutlich auch Probleme haben", sagt die Professorin für Mikrobiologie. Sie leitet die Abteilung für Mikroorganismen und Pflanzen-Interaktionen. Im Rahmen eines Austauschprogramms forschen sie und ihr Team mit Wissenschaftlern der indischen Universität Jammu gemeinsam daran, die Wirkungsweise des Pilzes zu verstehen und ein Gegenmittel zu finden.

Die Safran-Pflanze ist eine Krokusart, die man an ihrem violetten Kelch erkennt, wenn die Blütezeit im Herbst beginnt. Und es ist auch die Blüte, die Safran zu einem teuren Edelgewürz macht. Denn jede von ihnen enthält gleich mehrere duftende Griffel, die aufwändig getrocknet und dann weiterverarbeitet werden. Der Aufwand ist groß: Nach dem Pflücken müssen die Safranfäden von Hand aus der Blüte herausgelöst werden. Sie dienen später als natürlicher Geschmacksverstärker, passen zu süßen und herzhaften Gerichten.

Normalerweise beschäftigt sich Reinhold in ihrer Arbeitsgruppe mit Bakterien, die positive Effekte auf das Wachstum von Reispflanzen haben. Mithilfe von Bioinformatik, Mutationen und Gensequenzierung, versuchen sie und ihre Kollegen, die Ursachen dieser Effekte zu verstehen. Dann können sie Bakterien gezielt einsetzen, um mit ihnen das Wachstum von Pflanzen zu stärken und zu beschleunigen. Wenn die Forscher aus Jammu nach Bremen kommen, erfolgen ähnliche Experimente mit der Safranpflanze.

Erste Feldexperimente sind vielversprechend

Auf diese Weise konnten die Wissenschaftler bereits einige Bakterienstämme finden, die sich vermutlich zur Bekämpfung des Pilzes eignen. Ob und wie gut diese den Kleinbauern im Kaschmir tatsächlich helfen, ist noch nicht klar. Erste Feldexperimente sähen jedoch gut aus, berichtet die Bremer Wissenschaftlerin. Reinhold hofft, dass die Bauern in ein paar Jahren ihre Safranzwiebeln mit einem Bakterienpulver bestreuen können, bevor sie diese einpflanzen - und sie so vor dem Pilz schützen können.

Beim Safran gibt es noch viel zu erforschen, findet Stephan Clemens. "Bei vielen Pflanzen hat man bereits ein viel detaillierteres Verständnis", sagt der Forscher vom Lehrstuhl für Pflanzenphysiologie der Universität Bayreuth. Das hat seine Ursachen, denn der "Crocus sativus" - so der botanische Name des Safrans - verlangt Bauern und Forschern viel Geduld ab.

Normalerweise könne man für die Erforschung einer Pflanze einfach die jeweiligen Samen der Pflanze bestellen. Nach der Anzucht folgten dann die Experimente, sagt Clemens. So einfach macht es der Safran seinen Erforschern nicht. Die Pflanze ist steril. Sie vermehre sich nur über Ableger, deshalb dauere die Anzucht neuer Safranzwiebeln, aus denen sich die Krokusse entwickeln, sehr lange. "Erst nach einigen Jahren sind Experimente möglich. Safran ist keine Pflanze, über die sie ihre Doktorarbeit schreiben wollen", sagt Clemens.

Safran ist auch für die Medizin interessant

Auch in anderer Hinsicht bleibt es spannend, die Safranpflanze zu erforschen: Sie könnte in der Zukunft vielleicht in der Medizin bei Nervenkrankheiten hilfreich sein. "Es gibt Hinweise aus Tiermodellen, dass die Stoffe aus dem Safran eine günstige Wirkung haben könnten", sagt Clemens. Wie genau diese Wirkung aussieht und ob sich das Ganze auf den Menschen übertragen lässt, sei jedoch noch nicht weiter erforscht.

Wyona Schütte, dpa/AFX/stu



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