Sahara Forscher entdeckt rollende Spinne

Es ist eine erstaunliche Erfindung von Mutter Natur: In der Sahara hat ein deutscher Forscher eine Spinne entdeckt, die sich rollend fortbewegt - aus eigener Kraft und nicht nur bergab. Schon denkt der Bioniker an rollende Mars-Autos.


Berlin - So etwas ist Ingo Rechenberg noch nie über den Weg gelaufen - oder vielmehr: gekullert. Seit einem Vierteljahrhundert erforscht der Bionikexperte der Technischen Universität Berlin Wüstentiere, doch als er jüngst wieder durch den Sand der Sahara stapfte, staunte er nicht schlecht: Eine Spinne suchte rollend das Weite.

"So etwas kannte man bisher nur von einer Spinnenart in der Namib-Wüste, nicht aus der Sahara", sagt Rechenberg. Die südafrikanische Goldene Radspinne könne zwar Dünen hinabkullern, sich aber nicht "wie motorgetrieben" bewegen. Die Art aus der Sahara hingegen falte ihre langen Beine zu einem Rad und beschleunige dann aus eigener Kraft. Es ist ein womöglich sensationeller Fund. Eine auf diese Art rollende Spinne in der Sahara war bislang unbekannt, meint Rechenberg.

Doch dem ersten Glück folgte das Pech: Die Spinne rollte einem Skorpion vor den Stachel, der sich nicht zweimal bitten ließ. Die Spinne wurde verspeist. Um seine Entdeckung aber zu beweisen, musste Rechenberg der Wissenschaftsszene unbedingt ein präpariertes Tier präsentieren. In langen Nachtwanderungen konnte er zwei weitere rollende Spinnen fangen. Eine schwimmt inzwischen in Alkohol, die andere lebt inzwischen bei Rechenberg zu Hause in Berlin.

Peter Jäger, Spinnenexperte am Frankfurter Senckenberg-Institut, konnte das konservierte Exemplar als Männchen der Gattung Cebrennus identifizieren. "Ob es sich tatsächlich um eine neue Art handelt, kann man zweifelsfrei erst nach der Untersuchung eines weiblichen Tieres der gleichen Art feststellen", erläutert Rechenberg. Ob die zweite, bei ihm zu Hause lebende Spinne tatsächlich weiblich ist, weiß Rechenberg noch nicht. Zumindest hat er sie optimistisch "Ariadne" getauft.

Wäre er Biologe, würde die Geschichte womöglich hier enden. Doch Rechenberg ist Bioniker und damit jemand, der die besten Ideen von Mutter Natur in menschliche Technik zu verwandeln versucht. "Auf einem geeigneten Untergrund ist Rollen deutlich energiesparender als Laufen", sagt der Ingenieur. Er hofft nun auf Inspiration für ein Vehikel, das sich sowohl laufend als auch fahrend fortbewegen kann. "So ein System zu entwickeln, wäre zum Beispiel für eine Marsmission interessant." Bis ein solches Konstrukt tatsächlich gebaut wird, werde aber noch viel Zeit vergehen.

Ob die rollende Spinne künftig als Cebrennus rechenbergii an ihren Entdecker erinnert, bleibt ebenfalls abzuwarten. Warum das nachtaktive Tiere aber bislang vermutlich unentdeckt blieb, ist für Rechenberg schnell zu erklären: "Wer rennt schon nachts um drei Uhr mit einem Handscheinwerfer durch die Sahara?"

mbe/AP



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