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Sahel-Zone: Forscher warnen vor Mega-Dürre

Die Sahel-Zone gilt als Inbegriff der Trockenheit. Hunderttausende Menschen starben in der seit Jahrzehnten niederschlagsarmen Region. Das sei nur ein Vorgeschmack auf künftige Dürren, sagen US-Forscher und warnen: Es könnte alles noch viel schlimmer werden.

Jahrzehntelang gab es in der Sahel-Zone Dürreperioden. In den siebziger und achtziger Jahren führten geringe, teilweise ganz ausbleibende Niederschläge zu Hungersnöten, die Millionen Menschen betrafen. Selbst in guten Jahren liegt der Niederschlag im besonders trockenen Norden der Region bei nur 20 Millimetern pro Jahr. Zum Vergleich: In Hamburg regnet es fast 40-mal so viel. Doch die Situation im Sahel könnte sich noch deutlich verschärfen, warnen US-Forscher in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie. Vor allem der Klimawandel könnte einen negativen Einfluss haben, sagen sie.

"Große Bereiche von Westafrika sind schon jetzt am Rande ihrer Belastbarkeit angelangt. Aber die Situation könnten sich in Zukunft durch den Klimawandel noch deutlich verschlimmern", sagt Jonathan Overpeck, Klimatologe von der University of Arizona. Gemeinsam mit Kollegen hat er die Ergebnisse der Studie in der Forschungszeitschrift "Science" veröffentlicht.

Die Warnung der Forscher basiert auf Erkenntnissen, die sie bei Analysen von Sedimenten des Bosumtwi-Sees in Ghana erlangten. Bislang, so die Forscher, habe man das Klima in der Sahel-Zone, die sich südlich der Sahara vom Atlantik bis zum Roten Meer zieht, nur rund hundert Jahre zurückverfolgen können. Die Sedimente unter dem See aber geben Aufschluss über die klimatische Entwicklung der Region in den vergangenen 3000 Jahren.

Ein uralter Wald unter der Wasseroberfläche

Im Rahmen ihrer Forschungsarbeiten stellten die Wissenschaftler ein Muster sich wiederholender Dürreperioden fest. "Was an den Dürren in dieser Region wirklich beeindruckend ist, ist dass sie so lange andauern", sagt Overpeck der Nachrichtenagentur AP. "Es gibt Dürren, die dauern 30 bis 60 Jahre, und einige sogar viermal so lange."

Vor allem aber stießen die Wissenschaftler auf Hinweise für regelrechte Mega-Dürren, die nicht nur mehrere Jahrzehnte, sondern teilweise Jahrhunderte andauerten. Die schlimmste Trockenperiode innerhalb des untersuchten Zeitraums hat sich demnach von 1400 bis 1750 ereignet.

Manchmal aber erblühte die Sahel-Zone ganz offensichtlich auch. Überreste der letzten großen Vegetationsphase sind noch heute im Bosumtwi-See zu erkennen: Kronen tropischer Bäume eines untergegangenen Waldes, der hier vor Hunderten Jahren am Ufer des damals flacheren Gewässers wuchs, ragen aus dem Wasser.

Auch das werten die Wissenschaftler als Zeichen dafür, dass die aktuelle Trockenphase nur eine gemäßigte Dürre darstellt. Schließlich, so das Argument, liege der Wasserspiegel des Sees derzeit nur fünf Meter unter seinem Normalwert. In der Vergangenheit sei die Wasseroberfläche während Trockenperioden dagegen schon um 25 bis 30 Meter gesunken.

Der Atlantik bestimmt das Sahel-Klima

Solche Werte, fürchten die Forscher, könnten sich schon bald wiederholen. "Wir wissen, dass die globale Erwärmung die Dürren wesentlich heißer machen wird", sagte Overpeck in einer Telefonkonferenz. Man habe einen Zusammenhang zwischen den Oberflächentemperaturen des Atlantischen Ozeans und dem Auftreten von Dürren in der Sahel-Zone feststellen können. Overpeck bezeichnete diese Erkenntnis als erschreckend.

Aus welchem Grund sich die Trockenperioden teilweise zu Jahrhunderte langen Mega-Dürren auswachsen, haben die Wissenschaftler aber nicht herausfinden können. Der globale Temperaturanstieg aber könnten künftige Trockenphasen drastischer und länger ausfallen lassen, warnte der Forscher.

Overpeck: "Eines Tages überschreiten wir vielleicht eine das Klima bestimmende Grenzlinie und steuern in einer dieser Mega-Dürren, ohne es zu merken."

mak/Reuters/AP

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