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Salton Sea: Den Kaliforniern stinkt's

Alleine beim Gedanken an faulige Eier dreht sich vielen der Magen um. Im Süden Kaliforniens gehört der Geruch jedoch zunehmend zum Alltag. Quelle des Gestanks ist ein riesiges Binnenmeer, dessen Ökosystem kollabiert.

Salton Sea: Den Kaliforniern stinkt's Fotos
AP

Geruchsempfindliche Menschen, die sich vergangene Woche im Süden Kaliforniens aufhielten, waren gut damit beraten, sich in ihrem Haus zu verschanzen und Fenster und Türen geschlossen zu halten: Statt frischer Luft wehte der Geruch von fauligen Eiern über das Land bis hin nach Los Angeles.

Was für viele Kalifornier eine neue Erfahrung war und für erhebliche Aufruhr sorgte, gehört für die Bewohner der Region rund um den größten See Kaliforniens, die Salton Sea, mittlerweile zum bitteren Alltag: Das Gewässer wurde von Offiziellen des Air Quality Management District (AQMD), die sich der Aufklärung des Gestanks angenommen hatten, als Quelle des Geruchs ausgemacht.

"Wir haben mittlerweile gute Belege dafür, dass die Salton Sea für das sehr starke und ungewöhnliche Geruchsereignis verantwortlich ist", sagt Barry Wallerstein, Leiter des South Coast Air Quality Management District in einer Stellungnahme. Bei der Behörde waren mehr als 235 Gestanksbeschwerden eingegangen.

Eine Gaswolke zog übers Land

Um der Geruchsquelle auf die Spur zu kommen, hatten die Forscher Luftproben des stinkenden Gebiets analysiert. Dabei entdeckten sie eine erhöhte Konzentration an Schwefelwasserstoff in der Luft, die mit der Nähe zur Salton Sea anstieg. Das giftige Gas besitzt einen unverwechselbaren Geruch nach verfaulten Eiern. Es entsteht in der Tiefe von Gewässern, wenn Bakterien herabgesunkene Pflanzenteile ohne Sauerstoffzufuhr verwerten.

Von dort aus war das Gas vermutlich an die Oberfläche gelangt, als ein starker Sturm am Sonntag das Wasser des Sees aufgepeitscht hatte. Der Wind hatte das Gas anschließend über das Land getragen. Teilweise überschritten die Konzentrationen des Schwefelwasserstoffs die Durchschnittswerte um das Fünffache.

Die Gestanksprobleme werden wahrscheinlich keine Ausnahme bleiben: Nicht nur die Bewohner rund um den See, auch die anderen Südkalifornier werden sich in Zukunft häufiger auf Stinkwolken gefasst machen müssen, schreibt das Technologie-Magazin "Wired" in einem Artikel zu dem Thema. Demnach wird das Ökosystem des Sees, der etwa 150 Meilen südöstlich von Los Angeles liegt, in den nächsten Jahren zunehmend kollabieren.

Umweltprobleme menschengemacht

Der Salzsee, der vor mehr als einem Jahrhundert durch einen Dammbruch versehentlich entstanden ist, galt noch vor einiger Zeit als ein belebtes Vogelgebiet. Auch bildete er einen ertragreichen Fischgrund. Seit Jahren allerdings ist aus dem einstigen Naturparadies ein Schauplatz für Vogel- und Fischsterben geworden.

Die Umweltprobleme sind vor allem menschengemacht: Zum einen ist das Wasser des Sees und seiner Zuflüsse in der Wüstenregion stark umkämpft. Aufgrund fehlender Zuflüsse trocknet der See langsam aus, der Salzgehalt des Wassers steigt dadurch kontinuierlich an. Wo das Wasser weicht, kommt stinkender Schlamm zum Vorschein. Seine giftigen Ausdünstungen greifen die Gesundheit der Bewohner an: Die Asthmarate ist bei den Kindern in der Umgebung rund dreimal höher als in den restlichen USA, berichtet "Wired".

Für weitere Umweltprobleme sorgen hohe Konzentrationen an Düngemitteln aus der Landwirtschaft, die in das Seewasser geschwemmt werden. Sie sorgen für eine reiche Algenblüte. Immer mehr organisches Material sinkt dadurch zum Boden des Sees und verfault, immer mehr giftiger Schwefelwasserstoff entsteht - und mit ihm immer mehr Gestank.

irb

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insgesamt 31 Beiträge
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1. ...
Phospholite 15.09.2012
ist zwar nicht schön, dass der See so dermaßen stinkt, aber das Problem der Algen etc scheint ja hausgemacht.. und ohne diesen Dammbruch, wäre er nie entstanden.. zusehen dass er weniger stinkt und ansonsten austrocknen lassen..
2. optional
nic 16.09.2012
Na, sollen die mal ordentlich riechen was sie angerichtet haben.
3. ---
schädelhirntrauma 16.09.2012
Vieleicht wiederholt es sich ja. Die erste Naturkatastrophe planetaren Ausmaßes: - https://de.wikipedia.org/wiki/Cyanobakterien#Bedeutung_der_Cyanobakterien_f.C3.BCr_die_Entwicklung_von_Leben_auf_der_Erde Damals: Die planetenweite Wandlung einer reduzierenden in eine oxidierende Atmosphäre. Endprodukt dieses Zyklus als Initiator des nächsten Zyklus: der Mensch. Heute: Die Wandlung einer oxidierenden, (zurück in Richtung einer) in eine reduzierende Atmosphäre? Zukünftiges Endprodukt jenes nächsten Zyklus: ein planetares biologisch-maschinelles Mischwesen dessen erste Anfänge eines Nervensystems das heutige Internet ist und welches sich vermutlich weitgehend (planeten-) atmosphärenunabhängig aufstellen wird?
4. Natürliche Wasserstoff Quelle
capitain_future 16.09.2012
Zitat von sysopAPAlleine beim Gedanken an faulige Eier dreht sich vielen der Magen um. Im Süden Kaliforniens gehört der Geruch jedoch zunehmend zu Alltag. Quelle des Gestanks ist ein riesiges Binnenmeer, dessen Ökosystem kollabiert. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,856049,00.html
Mit Hilfe von einigen Bioreaktoren könnten -die Amis wenn schlau wären- aus den Gewässer per diesen Reaktor den vorhandenen Schwefelwasserstoff,einfach den Schwefel entfernen und Wasserstoff aus diesen Gewässer gewinnen! Als natürliche Wasserstoff Energiequelle sozusagen. Solarzellen und Methangas könnte diese Anlagen am laufen halten. Der Schwefel kann in der Batterie oder Autoindustrie weiterverwendet werden. Gleichzeitig würde ,dass den See reinigen und wieder benutzbar machen. Aber Wozu ? In einen Amerika wo Erdöl bzw. Benzin für 80 cent pro Liter,die Kilowattstunde Strom keine 10 cent kostet,kann man nicht erwarten ,wenigstens vorhandene Gratis Energiequellen voll auszunutzen und das Klima zu schützen.
5. Salton Sea ist eine Metapher
moppel1 16.09.2012
Zitat von sysopAPAlleine beim Gedanken an faulige Eier dreht sich vielen der Magen um. Im Süden Kaliforniens gehört der Geruch jedoch zunehmend zu Alltag. Quelle des Gestanks ist ein riesiges Binnenmeer, dessen Ökosystem kollabiert. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,856049,00.html
für den inneren Zustand der USA. Im biblischen, das für viele Amerikaner eine hohe wortwörtliche Bedeutung hat, könnte man die Dürre , die Vernichtung von New Orleans und die wirtschaftliche Krise als Plagen Gottes bezeichnen.
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