Sammelobjekte Blumenalben liefern Hinweise auf Klimawandel

Forscher des 19. Jahrhunderts sammelten sie wie verrückt: Getrocknete Blumen, die zahllose Alben füllen. Experten haben jetzt ein neues Potential der Blumenalben und Herbarien entdeckt: Die gepressten Pflanzen könnten wichtige Hinweise zum Klimawandel geben.

Album mit getrockneten Blumen: Wertvolle Einblicke in den Klimawandel
Getty Images

Album mit getrockneten Blumen: Wertvolle Einblicke in den Klimawandel


Wissenschaftler haben herausgefunden, dass getrocknete Pflanzen wichtige Hinweise zum Klimawandel geben können. Bei einem Datenvergleich machte das Forscherteam um David Roberts von der University of Kent eine überraschende Entdeckung: Getrocknete Blumen, die von ihren Sammlern mit detaillierten Notizen zu Pflückzeit und Standort versehen wurden, geben dieselben Informationen über den Einfluss der Temperatur auf die Blütezeit wie Feldstudien, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Journal of Ecology" der British Ecological Society.

Für die Untersuchung nahmen die Forscher 77 Exemplare der Orchidee Große Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes) aus den Jahren 1848 bis 1958 als Grundlage. Zu jeder Blume suchten sie die dazugehörigen meteorologischen Daten heraus. Daraus konnten sie ablesen, wie die Temperatur die Blütezeit beeinflusst hatte. Anschließend verglichen die Experten die Ergebnisse mit einer Feldstudie zu derselben Orchideenart aus den Jahren 1975 bis 2006. Es stellte sich heraus, dass das Verhältnis zwischen Temperatur und Blütezeit in beiden Fällen gleich war.

Aus früheren Studien weiß man bereits, dass der Klimawandel die Blütezeit von vielen Pflanzen durcheinanderbringen kann. 2006 etwa fanden Forscher heraus, dass der die Frühjahrszeit in Europa früher kommt - passend zum Muster der Klimaveränderung.

Im Fall der Orchidee stellten Roberts und seine Kollegen fest, dass der Klimawandel das Verhältnis zwischen Temperatur und Blütezeit nicht verändert hat. Diese Erkenntnis könnte nach Ansicht der Forscher nun ein großes Problem der Phänologie, der Wissenschaft vom jahreszeitlichen Ablauf von Leben und Wachstum, lösen: Weil es nur wenige Langzeitstudien gibt, ist es für die Wissenschaftler schwer, herauszufinden, wie sich der Klimawandel auf das Wachstum, die Blütezeit und andere Eigenschaften von Organismen auswirkt. Die alten Sammlerstücke könnten diese Lücke füllen.

"Die Klimaveränderungen der vergangenen Jahre haben ohne Zweifel Auswirkungen auf die Entwicklung und die jahreszeitlichen Erscheinungen in vielen Organismen-Gruppen gehabt", sagte Co-Autor Anthony Davy. "Um die Konsequenzen von zukünftigen Veränderungen vorhersagen zu können, ist es wichtig, die Effekte des Klimawandels zu verstehen." In Zukunft könnten vielleicht auch Sammlungen von Insekten oder ausgestopften Tieren, wie sie auf der ganzen Welt in Museen gelagert seien, wichtige Hinweise liefern.

cib/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
nixda 22.09.2010
1. aha
na und? Gibt es eigentlich ein arisches ISO Wetter, das unser Sonnensystem gefälligst einzuhalten hat? Es war immer mal wärmer und kälter. Auch ohne Menschen. Zu Zeiten der Dinos war es sogar erhelbich wärmer. Ganz ohne Autos und es ist auch ohne Stromsparlampen kühler geworden. Wer sagt und eigentlich, dass die frühere Kaltperiode nicht eher untypisch sind? Immerhin hatten die Dinos es hunderte Millionen von Jahren sehr warm.
BerndTaunusstein, 22.09.2010
2. Effekte
Ja, in den 80ern kam SPIEGEL mit dem unter Wasser stehenden Kölner Dom auf dem Titel raus, ich erinnere mich noch ganz genau. Schön, dass man jetzt anfängt, "die Effekte des Klimawandels verstehen" zu wollen. Aber wir hatten ja auch tödliche Schweinegrippe, Vogelgrippe, SARS, BSE, AIDS...mit Billionen von Toten!
yrickoff 22.09.2010
3. könnte, wohl möglich wöllte...
"Im Fall der Orchidee stellten Roberts und seine Kollegen fest, dass der Klimawandel das Verhältnis zwischen Temperatur und Blütezeit nicht verändert hat. ... Klimawandel auf das Wachstum, die Blütezeit und andere Eigenschaften von Organismen auswirkt." offenbar nicht wie geplant ähh angenommen "Die Klimaveränderungen der vergangenen Jahre haben ohne Zweifel Auswirkungen auf die Entwicklung und die jahreszeitlichen Erscheinungen in vielen Organismen-Gruppen gehabt" außer bei den Orchideen "könnten vielleicht auch Sammlungen von Insekten oder ausgestopften Tieren, wie sie auf der ganzen Welt in Museen gelagert seien, wichtige Hinweise liefern." klingt verzweifelt
snickerman 22.09.2010
4. ...
dreimal die klassischen Dodo-Gesänge: "Früher war eh alles anders" "Es hätte doch viel schlimmer kommen sollen" "Alle lügen" Kurzum das Übliche von der globalen Verschwörung einer Handvoll irrer Wissenschaftler gegen die nur einige wenige aufrechte Zweifler tapfer angehn. Was war nochmal das Thema? Achja, getrocknete Blumen, die bestätigen, dass ihre veränderten Blühzeiten tatsächlich mit den gestiegenen Temperaturen in direktem Kausalzusammenhang stehn. Also: Höhere Temperaturen => früherer Blühbeginn
Zyklotron, 22.09.2010
5. Arche Neu
Zitat von nixdana und? Gibt es eigentlich ein arisches ISO Wetter, das unser Sonnensystem gefälligst einzuhalten hat? Es war immer mal wärmer und kälter. Auch ohne Menschen. Zu Zeiten der Dinos war es sogar erhelbich wärmer. Ganz ohne Autos und es ist auch ohne Stromsparlampen kühler geworden. Wer sagt und eigentlich, dass die frühere Kaltperiode nicht eher untypisch sind? Immerhin hatten die Dinos es hunderte Millionen von Jahren sehr warm.
Und dann sind sie ausgestorben, als sich das Klima änderte. Wäre also ziemlich blöd das Klima zu verändern, in dem wir uns wohl fühlen. Aber die Veränderungsleugner werden dann eh die sein, die als erste Frauen und Kinder aus den Rettungsboten werfen, um ihren Hals zu retten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.