Jagd der Sandlaufkäfer Blind vor Schnelligkeit

Die Sandlaufkäfer sind ambitionierte Jäger. Manchmal laufen sie dabei jedoch so schnell, dass sie nichts mehr sehen können. Ausgeklügelte Antennen helfen ihnen, trotzdem den Überblick zu behalten.

Modell eines Feld-Sandlaufkäfers (im Müritzeum in Waren): Seine Verwandten sind ambitionierte Jäger
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Modell eines Feld-Sandlaufkäfers (im Müritzeum in Waren): Seine Verwandten sind ambitionierte Jäger


New York - Mit seinen langen Beinen, dem schlanken Körperbau und den kräftigen Kauwerkzeugen sind die Sandlaufkäfer prädestinierte Jäger. Vor allem sind sie eins: sehr, sehr schnell. So schnell, dass die Geschwindigkeit sie förmlich blind macht. Sie können nichts mehr sehen - zumindest nicht mit den Augen.

Doch blind sind sie trotzdem nicht, sie schalten einfach um: auf Antennensicht. Das haben jetzt Forscher der Cornell University herausgefunden und ihre Ergebnisse in den Proccedings der Royal Society B im Fachjournal "Biology Sciences" veröffentlicht.

Für ihre Studie bauten Cole Gilbert und Daniel Zurek einen Hindernisparcours auf. Die Entomologen setzten Sandlaufkäfer der Art Cicindela hirticollis hinein und beobachteten, wie die Tiere durch den Parcours spurteten. Die Käfer flitzten los, und jedesmal, wenn ihre Fühler die Hürden berührten, übersprangen sie diese geschwind.

In einem zweiten Experiment übermalten die Forscher die Augen der Käfer. Das Ergebnis: Die Käfer spurteten genauso schnell durch den Parcours und über die Hindernisse. Erst als Gilbert und Zurek in einem dritten Experiment den Tieren die Fühler entfernten, konnten die Tiere die Hürden nicht mehr erkennen - und rannten dagegen.

Die Käfer halten ihre Fühler ganz dicht über dem Boden und können so jede Unebenheit ertasten, schreiben die Forscher. Ihre Augen brauchen sie dafür gar nicht. Weil sie so unglaublich schnell laufen, habe sich diese besondere mechanisch-sensorische Technik bei den Käfern entwickelt.

Ausgeklügelte Technik für alle

Die Ergebnisse seien auch für andere Tierarten interessant. Wie beispielsweise Wanderfalken oder Raubfische schlechte Sichtverhältnisse bei schneller Jagd ausgleichen, sei noch nicht untersucht worden, so die Forscher. Und auch den Autobau könnten die Ergebnisse inspirieren. Gilbert hat die Vision von autonomen Fahrzeugen, die mit Hilfe von vorstehenden Antennen ihre Umgebung abtasten.

Auch andere Sandlaufkäferarten haben schon durch ihre besondere Beweglichkeit Aufsehen erregt. Mit einer akrobatischen Höchstleistung reagieren beispielsweise die Larven des Sandlaufkäfers Cicindela dorsalis media auf Berührung. Sie rollen sich rückwärts zusammen, so dass der Schwanz den Sand berührt. Dann strecken sich die Larven und machen einen kräftigen Sprung in die Luft.

Eine wichtige Rolle bei dieser eigenartigen Fortbewegungsmethode spielt auch noch der Wind: Er gibt nicht nur die Richtung an, sondern auch, wie weit die Tiere kommen. Forscher stellten fest, dass die Käferlarven bei einem starken Windstoß auf diese Weise bis zu 60 Meter zurücklegen können.

khü

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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
barlog 13.02.2014
1.
---Zitat von Artikel--- Die Ergebnisse seien auch für andere Tierarten interessant. ---Zitatende--- Daß Forscher weit jenseits des Kleinkindalters einem Käfer die Fühler ausreissen und dann gespannt verfolgen, ob der so Geschädigte noch handlungsfähig ist, finde ich schon sehr merkwürdig, aber daß sich auch andere Tiere dafür interessieren, erstaunt mich dann doch sehr.
phboerker 13.02.2014
2. autonome Fahrzeuge
Autonome Fahrzeuge mit hervorstehenden Antennen, geht es noch? Autonome Fahrzeuge gibt es bereits und anders als die Sandlaufkäfer "sehen" diese Antennen zum Glück auch bei hohen Geschwindigkeiten noch genau so viel wie bei niedrigen Geschwindigkeiten. Der für die Fantastereien verwendete Platz im Artikel wäre besser auf eine Erklärung verwendet worden, wie schnell die Käfer eigentlich sind und weshalb sie bei diesen Geschwindigkeiten nichts mehr sehen.
betonklotz 13.02.2014
3. Im erstgenannten Punkt gebe ich Ihnen recht, für den zweiten
Zitat von phboerkerAutonome Fahrzeuge mit hervorstehenden Antennen, geht es noch? Autonome Fahrzeuge gibt es bereits und anders als die Sandlaufkäfer "sehen" diese Antennen zum Glück auch bei hohen Geschwindigkeiten noch genau so viel wie bei niedrigen Geschwindigkeiten. Der für die Fantastereien verwendete Platz im Artikel wäre besser auf eine Erklärung verwendet worden, wie schnell die Käfer eigentlich sind und weshalb sie bei diesen Geschwindigkeiten nichts mehr sehen.
kann ich einen Erklärungsversuch liefern (sorry, passte nicht komplett in die Überschrift). Ich vermute, dass das Nervensystem dieser Viecher ab einer bestimmten Geschwindigkeit einfach mit der Verarbeitung der eingehenden optischen Signale überfordert ist. Geht Ihnen bei einer zu schnellen Bildfolge übrigens genauso. Zum Sehen, allgemeiner zu jeder Art von Wahrnehmung, gehört ja nunmal zwingend auch die Verarbeitung der empfangenen Signale. Und da ist die Geschwindigkeit in jedem Fall begrenzt. Die von den Fühlern gelieferten Daten sind, so vermute ich, einfacher strukturiert und deshalb auch leichter (und damit schneller) verarbeitbar.
monsineur 13.02.2014
4. Annehmen und wissen,
Zitat von barlogDaß Forscher weit jenseits des Kleinkindalters einem Käfer die Fühler ausreissen und dann gespannt verfolgen, ob der so Geschädigte noch handlungsfähig ist, finde ich schon sehr merkwürdig, aber daß sich auch andere Tiere dafür interessieren, erstaunt mich dann doch sehr.
sind zweierlei. Auch wenn manche Sachen klar auf der Hand zu liegen scheinen weiß man erst ob sie wirklich so sind wenn man den Beweis geführt hat. Dann kann man nämlich auch sagen ohne Fühler keine Umgebungserkennung. Wissenschaft halt - muss man nicht verstehen ist aber so.
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