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Santorini-Eruption: Vulkangestein gelangte bis zum Sinai

Im Norden der Sinai-Halbinsel haben ägyptische Archäologen Bimsstein entdeckt, der ihrer Meinung nach vom 850 Kilometer entfernten Vulkan Santorini stammt. Sein gewaltiger Ausbruch 1600 Jahre vor Christus löste einen Tsunami aus und tötete Tausende Menschen.

Eigentlich waren die Archäologen auf der Suche nach Resten der alten Festung Tharo, die einst Teil des Verteidigungssystems des Alten Ägytpen war. Mit solchen Festungen auf der Halbinsel Sinai versuchten die Pharaonen, den Zugang zum Nildelta vor Eindringlingen aus dem Osten zu schützen.

Das Team von Zahi Hawass, Chef der ägyptischen Altertümerverwaltung, fand nicht weit entfernt vom Suez-Kanal tatsächlich Reste der Festung. Viel spektakulärer sind jedoch die etwa 20 Stücke Bimsstein, die sie beim Graben entdeckten. Die Steine sollen vulkanischen Ursprungs sein und von jenem gewaltigen Ausbruch auf Santorini herrühren, der 1600 Jahre vor Christus rund 35.000 Menschenleben im südlichen Mittelmeerraum forderte. Der Ausbruch wird auch mit dem Untergang der minoischen Kultur auf Kreta in Zusammenhang gebracht.

Lavagestein des Vulkans war bereits auf Kreta und in der Türkei gefunden worden, nicht jedoch an der 850 Kilometer entfernten Küste Ägyptens. Der Fundort liegt sogar im Landesinnern - sieben Kilometer südlich der Küstenlinie. Die Vulkanexplosion, die erst vor einem Jahr mit der Radiokarbonmethode genau datiert worden war, löste einen gewaltigen Tsunami im Mittelmeer aus.

"Geologen werden uns dabei helfen, den Einfluss von Naturkatastrophen wie dem Santorini-Tsunami auf die Pharaonenzeit zu erforschen", sagte Hawass. Der griechische Geologe Georges Vougioukalakis bezweifelt jedoch, dass der Bimsstein mit dem Tsunami transportiert wurde. Das poröse Gestein sei vielmehr von der Meeresströmung herangetragen worden, meint er. Der Tsunami habe die Bimssteine dann ein Stück über den Meeresspiegel gehoben - quasi nur das letzte Stück. Vougioukalakis verwies jedoch darauf, dass Asche des Vulkans in der Leuft sehr weit transportiert wurde - Spuren davon seien auch im Nildelta nachgewiesen worden.

Die Ausgrabungsstätte der Festung Tharo befindet sich nordöstlich der Stadt Quantara, die direkt am Fluss Suez liegt. Bis nach Kairo sind es von dort 150 Kilometer. Archäologen haben die Reste von vier rechteckigen Türmen entdeckt, die zu Zeiten der 18. Dynastie (ca. 1530 bis 1290 vor Christus) aus Lehmziegeln errichten worden waren. Damals vertrieben die Alten Ägypter auch das semitische Volk der Hyksos aus der Region.

hda/AP/rtr

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Santorini-Ausbruch: Spuren bis in den Sinai?

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