Satelliten-Aufnahme Großflächige Schneeschmelze in der Antarktis beobachtet

Der Klimawandel schien große Teile der Antarktis bislang nicht zu betreffen. Satellitenmessungen des mächtigen Eispanzers aus dem Jahr 2005 zeigen nun aber, dass es auch im Tiefkühlschrank der Erde mitunter ungewöhnlich warm wird - und der Schnee schmilzt.


Die Antarktis beherbergt die größten Süßwasservorräte der Erde, ihr mitunter mehrere Tausend Meter dicker Eisschild ist der mächtigste weltweit. Umso aufmerksamer beobachten Wissenschaftler deshalb, welche Auswirkungen die globale Erwärmung auf den frostigen Erdteil um den Südpol hat. Messungen des Nasa-Satelliten "Quikscat" zeigen nun, dass es im Jahr 2005 zu einer großflächigen Schmelze in der Westantarktis gekommen ist.

"In der Antarktis gab es bislang kaum Anzeichen für eine Erwärmung", sagte Konrad Steffen, Glaziologe von der University of Colorado in Boulder. Einzige Ausnahme sei die Antarktische Halbinsel gewesen. Die Daten des Satelliten "Quikscat" bewiesen jedoch, dass im Januar 2005 im Westen des Kontinents in mehreren Regionen Schnee geschmolzen sei.

Das sogenannte Scatterometer, ein Gerät an Bord des Nasa-Satelliten, tastet seit 1999 die Antarktis-Oberfläche ab und misst die Reflexionen. Dabei kann es normalen Schnee von jenen Eiskristallen unterscheiden, die entstehen, wenn Schnee schmilzt und nachts wieder gefriert. So entdeckten die Forscher die Schneeschmelze, die insgesamt ein Gebiet der Größe Kaliforniens umfasst.

Milde Temperaturen in der Antarktis: In den gelb gekennzeichneten Bereichen schmolz im Januar 2005 der Schnee und überfror anschließend
NASA / JPL

Milde Temperaturen in der Antarktis: In den gelb gekennzeichneten Bereichen schmolz im Januar 2005 der Schnee und überfror anschließend

Die Maximaltemperaturen im Januar 2005 seien ungewöhnlich hoch gewesen, berichten die Wissenschaftler, und hätten teils mehr als fünf Grad Celsius erreicht. Über einen Zeitraum von einer Woche hätten die Temperaturen oberhalb des Gefrierpunkts gelegen. Betroffen von der Schmelze waren Regionen im Innern des Kontinents, teilwiese mehr als 900 Kilometer von der Küste entfernt, und Höhenlagen über 2000 Metern.

"Eine Zunahme der Schneeschmelze wie 2005 kann weiter reichende Auswirkungen auf das antarktische Eis haben", sagte Steffen. Das entstandene Wasser könne durch Spalten von der Oberfläche in tiefere Eisschichten gelangen. Wenn genug Schnee schmelze, könne das Wasser bis auf den Grund der Eisschicht laufen und wie eine Art Schmiermittel wirken, die ein Abgleiten des Eises in Richtung Ozean erleichtert.

Seit dem Januar 2005 hat der Satellit "Quikscat" keine weitere Schneeschmelze in der Antarktis registriert. Son Nghiem vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa in Pasadena sagte, man müsse die Sache weiter genau beobachten. Bislang könne man noch nicht sagen, ob es sich bei der ungewöhnlich milden Januarwoche 2005 um Zufall oder um ein böses Omen handele.

Die schrumpfenden Gletscher von Grönland und der Antarktis tragen bereits heute zehn Prozent zum Anstieg des Meeresspiegels bei, hatten Wissenschaftler kürzlich berechnet. Der Anstieg liegt derzeit bei rund drei Millimetern pro Jahr. Der Nettoverlust des Eises beträgt 125 Gigatonnen Eis. Im Februar hatten Wissenschaftler nach einer Eisbohrkern-Analyse gewarnt, dass das Schelfeis am Rande des Südkontinents viel empfindlicher auf Erwärmungen reagiert als gedacht. Folge: Der Meeresspiegel könnte durch den Klimawandel weit stärker steigen als bisher vermutet.

hda



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