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Satellitenbild der Woche: Die Folgen des Chile-Erdbebens

Das Erdbeben in Chile war das fünftstärkste, das je gemessen wurde. Die Folgen waren verheerend: Hunderte Menschen starben, Tsunamis trafen nahe gelegene Küsten. Astronauten der Internationalen Raumstation haben die Katastrophenregion nach dem Unglück fotografiert.

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NASA

Das Unheil geschah am frühen Morgen des 27. Februar: Ein schweres Erdeben erschütterte Chile. Das Beben, dessen Epizentrum 115 Kilometer vor der Küste der Stadt Concepción im Süden des Landes lag, erreichte nach Angaben des Geologischen Dienstes der USA (USGS) eine Stärke von 8,8. Damit war es das fünftstärkste Beben, das je gemessen wurde. Mehrere chilenische Städte wurden verwüstet, Hunderte Menschen starben. Anschließend kam es zu Plünderungen und Gewaltausbrüchen.

Damit war der Schrecken aber noch längst nicht vorbei: Kurz nach dem Beben wurde für den Pazifikraum Tsunami-Alarm ausgerufen. 30 Stunden lang rasten Riesenwellen über den Ozean, von denen zunächst niemand wusste, zu welcher Höhe sie sich an den Küsten auftürmen würden. Glücklicherweise kam es dann aber doch nicht so schlimm wie befürchtet. Lediglich nahe gelegene Küsten wurden von großen Wellen getroffen, dort starben anscheinend Dutzende Menschen.

Als die Internationale Raumstation (ISS) Chile am Tag des Hauptbebens überflog, schossen die Astronauten ein hochauflösendes Foto. Es zeigt die Folgen des Erdbebens in den Küstenstädten Hualpén und Concepción. Links unten ist eine dunkle Rauchwolke nahe einer Ölraffinerie in Hualpén zu sehen. Über dem Río Bío Bío ist eine Autobahnbrücke eingebrochen. Rechts im Bild ist eine weitere Rauchwolke nahe der Universität von Concepción zu sehen.

Vor der Küste Chiles liegt eine der gefährlichsten Erdplattengrenzen des Planeten. Nirgendwo sonst ereignen sich so viele Starkbeben. Mit der in geologischen Maßstäben hohen Geschwindigkeit von acht Zentimetern pro Jahr schiebt sich dort der Meeresboden unter den südamerikanischen Kontinent. Zwischen den riesigen Felsschollen bauen sich immense Spannungen auf, die sich regelmäßig in Erdbeben entladen.

Das hat Folgen für den gesamten Globus: Das Beben vom 27. Februar hat die Erdachse um acht Zentimeter verschoben, wie Geophysiker der Nasa berichteten. Der Planet habe nun eine etwas schiefere Position und drehe sich außerdem ein wenig schneller. Dadurch seien die Tage um 1,26 Millionstel Sekunden kürzer geworden, so die Nasa. Die Einbuße sei zwar zu gering, um sie messen, geschweige denn erleben zu können - aber berechnen ließ sie sich.

lub/boj

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Chile nach dem Beben: Chaos und Gewalt in Concepción

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Erdbeben in Chile: Wenig Retter, viele Plünderer
Chiles Erdbebengebiet: Mehr als 700 Tote befürchtet Zur Großansicht
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Chiles Erdbebengebiet: Mehr als 700 Tote befürchtet


Die stärksten Erdbeben seit 1900
Ort Datum Stärke
Valdivia, Chile 22.05.1960 9,5
Prince William Sound, Alaska 28.03.1964 9,2
Westlich Sumatra 26.12.2004 9,1
Japan, östlich von Honshu 11.03.2011 9,0
Kamtschatka 04.11.1952 9,0
Vor Maule, Chile 27.02.2010 8,8
Vor der Küste Ecuadors 31.01.1906 8,8
Rat Islands, Alaska 04.02.1965 8,7
Nordsumatra 28.03.2005 8,6
Assam 15.08.1950 8,6
Südsumatra 09.03.1957 8,6
Quelle: USGS National Earthquake Information Center

Tsunami
Erdbebenwelle
Als Tsunami wird eine hauptsächlich durch Seebeben ausgelöste Meereswelle bezeichnet, die auch durch küstennahe oder untermeerische Hangrutschungen, durch Vulkanausbrüche, in ganz seltenen Fällen auch durch Meteoriteneinschlag entsteht.
Ausbreitung
Ein Tsunami breitet sich ringförmig mit bis zu 800 km/h aus. Die Wellenlängen im offenen Ozean betragen 100-300 km, die Wellenhöhe erreicht dort nur 0,5 m. Tsunamis stellen daher im offenen Ozean nur eine geringe Gefahr dar, im Flachwasser steilen sich die Wellen dagegen bis zu 30 m auf und führen zu katastrophalen Überschwemmungen.
Tsunami-Katastrophe 2004
Die bisher folgenschwersten Tsunamis brachen am 26. Dezember 2004 über den nordöstlichen Indischen Ozean herein und forderten in Indonesien, Sri Lanka, Thailand und Indien rund 250 000 Menschenleben. Sie wurden ausgelöst durch ein Seebeben der Stärke 9,0 auf der Richterskala vor der Küste Sumatras. Ihre Wellen führten zu katastrophalen Verwüstungen im Norden Sumatras mit über 100.000 Toten und richteten sogar an der Ostküste Afrikas (vor allem Somalia, Seychellen) große Schäden an. Mehr auf der Themenseite...
Frühwarnsystem
Im Gegensatz zum Pazifischen Ozean bestand im Indischen Ozean bis zur Tsunami-Katastrophe von 2004 noch kein Frühwarnsystem. 2005 wurde auch für diese Region die Einrichtung eines Frühwarnsystems beschlossen. Am 11. November 2008 wurde das Deutsch-Indonesische Tsunami-Frühwarnsystem eingeweiht, das u. a. vom Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) entwickelt wurde.
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Chile nach dem Beben: Chaos und Gewalt in Concepción

Politisches System in Chile
Diktatur
Die chilenische Diktatur, die am 11. September 1973 mit dem Putsch der Streitkräfte gegen den gewählten Präsidenten Salvador Allende begann, war eine der brutalsten Lateinamerikas. Innerhalb weniger Tage brachte das Militär das Land unter Kontrolle. Die Gewaltherrschaft unter General Augusto Pinochet sollte 17 Jahre dauern. Die Opposition wurde unterdrückt, Regimegegner wurden gefoltert, fast 3000 Menschen ermordet. Mehr als tausend blieben spurlos verschwunden.
Demokratie
Im September 1989 fanden wieder demokratische Wahlen in Chile statt, im März 1990 trat der Christdemokrat Patricio Aylwin das Präsidentenamt an der Spitze einer breiten Koalition aus Sozialisten, Christdemokraten und kleineren Parteien an.

Pinochets Macht war jedoch erst im Juli 2004 endgültig gebrochen, nachdem entdeckt worden war, dass er illegal Millionenbeträge auf Konten in den USA transferiert und damit Steuerhinterziehung begangen hatte. Nicht nur seine Anhänger in der Bevölkerung und den rechten Parteien sagten sich nun von ihm los, auch die Streitkräfte gingen auf Distanz zu ihrem langjährigen Idol. Ende 2004 bekannte sich der neue Oberbefehlshaber des Heeres, General Juan Emilio Cheyre, öffentlich zur Demokratie und verurteilte die Menschenrechtsverletzungen der Diktatur.

Staatsoberhaupt
Gemäß der mehrfach revidierten Verfassung von 1981 ist Chile eine präsidiale Republik, in der dem Präsidenten die Rolle des Staatsoberhaupts und des Regierungschefs zufällt. Er wird für eine vierjährige Amtszeit gewählt, in der Verfassung ist eine Wiederwahl nicht vorgesehen. Im Januar 2010 gewann der konservative Sebastián Piñera die Stichwahl um das Präsidentenamt, er trat den Posten im März an.
Parteien
Die Legislative besteht aus der Abgeordnetenkammer und dem Senat. Die mitte-links Gruppierung Parteienbündnis für Demokratie (Concertación de Partidos por la Democracia, CPPD) war bislang stärkste parlamentarische Kraft.

Ihr gehören neben den Christdemokraten (Partido Demócrata Cristiano, PDC), die gemäßigt linke Partei für die Demokratie (Partido por la Democracia, PPD), die Sozialistische Partei (Partido Socialista, PS) und die Radikal-Sozialdemokratische Partei (Partido Radical Social Demócrata, PRSD) an.

Der mitte-rechts Block Allianz für Chile (Alianza por Chile, APC) besteht aus der liberal-konservativen Nationalen Erneuerung (Renovación Nacional, RN) und der konservativen Unabhängigen Demokratischen Union (Unión Demócrata Independiente, UDI).

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