Satellitenbild der Woche Dem Untergang geweiht

Wir sehen ein Korallenriff vor einer Südseeinsel - doch der paradiesische Eindruck täuscht.

ESA/ Copernicus Sentinel Data


Das neue Satellitenbild der Europäischen Weltraumorganisation Esa zeigt einen zentralen Ort des Klimawandels: Fidschi. Genauer: eine Bucht auf dem größten Eiland des Inselreichs in der Südsee, Viti Levu.

Der Meeresspiegel in der Region steigt infolge des globalen Klimawandels. Auf der Uno-Klimakonferenz in Bonn fordern Vertreter von Fidschi eine radikale Eindämmung des Treibhausgasausstoßes, den Forscher für einen Großteil der Erwärmung verantwortlich machen.

Zum Beispiel das Dorf Narikoso auf Ono, einer von mehr als 300 Inseln des Pazifikstaats Fidschi: Strand, Palmen, blaues Meer. Nur, dass es vom Wasser mittlerweile zu viel wird. Bei Flut steht der Pazifik in Narikoso nun direkt vor den Häusern.

Auch selbst schuld

Kelepi Saukitoga, seine Frau Muriani und die vier Söhne werden deshalb umziehen müssen - weg vom Meer, ein paar Hundert Meter weiter ins Innere der Insel. "Wir haben auf Fidschi ein Sprichwort: "Das Wasser trennt die Inseln nicht, es verbindet sie", sagt der 40-Jährige. "Aber irgendwann ist es für uns zum Feind geworden."

Das Fundament seines Hauses ist kaputt. Überall Risse. In den Mauern steckt die Feuchtigkeit. An der Küchendecke wuchern Pilze. Die Erde draußen schlägt Blasen, so schwer ist sie mit Wasser getränkt. Der Boden ist völlig versalzen. Hier wächst schon lange nichts mehr. Vom Müllhaufen nebenan schwimmt Dreck heran. Es ist eine Brühe, die näher und näher kommt.

Allerdings wissen die Leute, dass sie auch selbst Schuld tragen. Auch hier wurden über Generationen hinweg Mangrovenwälder abgeholzt - um zu heizen, zu kochen, zu bauen. Vielerorts löst sich der Sandboden jetzt auf wie Strickzeug, aus dem jemand die Nadeln gerissen hat.

"Natürlich sind wir Teil des Problems", gibt der Fischer Saimono Vatu zu. "Die Leute haben sich einfach keine Gedanken gemacht." Inzwischen kostet es 1000 Fidschi-Dollar (etwa 410 Euro), wenn man beim Abholzen erwischt wird, mehr als ein monatliches Durchschnittseinkommen.

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Jetzt will Saukitoga mit seiner Familie nur noch weg.

Die neue Unterkunft, in die die Saukitogas nächstes Jahr einziehen wollen, liegt auf einem Hügel. Mit ihnen sollen in einem ersten Schritt sechs andere Familien neue Häuser bekommen. Narikoso ist nur eines von insgesamt 42 Dörfern, die Fidschis Regierung auf absehbare Zeit ganz oder teilweise verlegen will. Experten schätzen, dass es mehr als hundert sein werden.

Hundert Bewohner weggezogen

Nun allerdings erhält Fidschi Aufmerksamkeit: Als erster kleiner Inselstaat führt es den Vorsitz des jährlichen Klimagipfels, der in Bonn stattfindet.

Was die Zukunft ihres 250 Jahre alten Dorfes angeht, sind die Leute in Narikoso pessimistisch. "Eines Tages wird das ganze Dorf auf einem Hügel stehen", meint Saukitoga. "Wenn es überhaupt noch Leute gibt." Im letzten Jahrzehnt sind etwa hundert Dorfbewohner - so viele, wie es jetzt noch sind - auf andere Inseln gezogen.

Zudem ist die Umsiedlung ja auch keine Garantie, dass das Leben besser wird. Auf Fidschi sind inzwischen drei Dörfer komplett von der Küste wegverlegt worden. In den meisten Fällen haben sich die Leute damit abgefunden. Es gibt aber auch welche, die in ihre alten, beschädigten Häuser zurückgezogen sind.

boj/dpa

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