Satellitenbild der Woche Niemals nieder mit dem Lande!

Die Niederlande befinden sich im Krieg. Eine Armee aus Pumpen hält den Feind - das Wasser - in Schach und schickt ihn immer wieder hinter den 3000 Kilometer langen Schutzwall zurück. Mit dem klimawandelbedingten Anstieg der Meere wird der Kampf jedoch enorm schwieriger.


Nicht überall sind die Niederlande so niedrig wie in der Gegend um Amsterdam, die auf dieser Aufnahme des Esa-Satelliten "Envisat" zu sehen ist. Nur ein Viertel des Landes liegt tiefer als der Meeresspiegel.

Kampf gegen das Wasser: Die Niederlande könnten genauso gut auch Deichlande heißen.
ESA

Kampf gegen das Wasser: Die Niederlande könnten genauso gut auch Deichlande heißen.

Amsterdam, am Nordseekanal gelegen, ist in etwa in der Mitte in weiß zu erkennen. Der Kanal verbindet die Nordsee im Westen mit dem Ijsselmeer, das eine eingedeichte Nordsee-Meeresbucht war. Durch einen Deich vom Ijsselmeer abgetrennt (oberer Bildrand) ist das Markermeer. Es bildet den südlichen Teil des großen Süßwassersees.

Eigentlich sollte es hier, auf einem Niveau unterhalb des Meeresspiegels, nach den Gesetzen der Physik noch mehr Wasser geben. Und tatsächlich wäre das Ijsselmeer noch größer, wenn man ihm nicht über Jahrzehnte hinweg durch Trockenlegung wertvolles Land abgetrotzt hätte. Flevoland heißt die in den 80er Jahren gegründete neue Gemeinde Hollands. Im Bild größtenteils rosafarben zu erkennen, bildet sie seitdem die Ostgrenze des Marker- und Ijsselmeers. Die Trockenlegung - oder auch Einpolderung genannt - war ein Projekt, das in den 20er Jahren begonnen wurde. Der Preis für die Landgewinnung: Ein Kampf gegen das Wasser, der seitdem 24 Stunden, sieben Tage die Woche geführt wird. Die Soldaten in diesem Kampf sind Pumpen, die unermüdlich das unerwünschte Wasser auf die Rückreise jenseits der Deiche schicken. Wenigstens ist es kein Kampf mehr mit Windmühlen. In vorindustrieller Zeit trieben sie die Pumpen an.

Die Niederlande könnten genauso gut auch Deichlande heißen, denn wie kaum ein anderes Land sind die auf die Schutzwälle vor dem Wasser angewiesen. Die holländischen Deiche haben eine Gesamtlänge von 3000 Kilometern. Alleine der Abschlussdeich zur Nordsee ist 32 Kilometer lang. Zuiderzeewerke nennen die Holländer das ausgeklügelte System aus Deichen, Pumpen, Kanälen und Landgewinnung.

Obwohl die Holländer den Kampf gegen das Wasser seit Anbeginn ihrer Existenz geführt haben - in diesem Jahrhundert des klimawandelbedingten Meeresspiegelanstiegs werden ganz neue und enorme Herausforderungen auf unser Nachbarland zukommen. Wie hoch der Anstieg der Meere ausfallen wird, weiß niemand. Die Schätzungen reichen von 18 Zentimetern bis zu mehreren Metern bis Ende des 21. Jahrhunderts.

lub



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