Satellitenbild der Woche: Stadtdach schlägt Wüstensand

Heiß, heißer, Stadtdach: Eine Analyse zeigt, wie stark sich dicht besiedelte Gebiete im Sommer erhitzen. Im New Yorker Stadtteil Queens hat ein Satellit aber auch jede Menge helle Dächer erspäht.

New York: Deutlicher Temperaturunterschied je nach Dachfarbe Zur Großansicht
NASA/Robert Simmon

New York: Deutlicher Temperaturunterschied je nach Dachfarbe

77 bis 82 Grad Celsius - diese Temperaturen haben Forscher nicht in einer Wüste gemessen, sondern auf Dächern in New York City. Im Sommer heizen sich insbesondere dunkle Flächen wie etwa Dächer extrem auf. Asphaltierte Straßen tragen ebenso wie fehlende Vegetation dazu bei, dass in Städten insgesamt höhere Temperaturen gemessen werden als im Umland.

Ein jetzt veröffentlichtes Bild des "Worldview-2"-Satelliten des US-Unternehmens DigitalGlobe zeigt einen Teil des New Yorker Stadtteils Queens. Forscher der Nasa und der Columbia University haben die Oberflächentemperaturen von hellen und dunklen Dächern Anfang August 2010 ermittelt (siehe Foto). Demnach erhitzen sich weiße oder grüne Dächer nur leicht, schwarze dagegen gewaltig. Die Lufttemperatur ist als blaue Linie dargestellt, die Dachtemperatur entsprechend der Dachfarbe. Schwarze Dächer werden den Messungen zufolge bis zu 30 Grad heißer als die sie umgebende Luft.

"Ich messe in Städten regelmäßig Temperaturen, die deutlich das übersteigen, was man in einer Wüste erwarten würde", sagt Stuart Gaffin, der das Phänomen der heißen Städte untersucht. Er und andere Forscher fahnden nach Möglichkeiten, den urbanen Hitzeeffekt zu verringern. Zum Teil geht das mit ganz einfachen Maßnahmen - etwa indem man dunkle Dächer weiß streicht.

Bereits 2009 regte US-Energieminister und Physik-Nobelpreisträger Steven Chu an, möglichst alle Dächer in den USA weiß zu streichen. Gebäude müssten dadurch weniger klimatisiert werden, was erheblich zum Energiesparen beitrage. Zudem werde weniger Wärme in Bodennähe gespeichert. Als Maßnahme gegen den weltweiten Klimawandel sei das zwar ungeeignet, in den Städten selbst könnte der Effekt aber spürbar sein, berechneten Forscher später. Pflanzen können ebenfalls dazu beitragen, dass Städte im Sommer etwas kühler bleiben.

"Städte haben die Landschaft seit Hunderten von Jahren nach und nach verdunkelt", sagt Gaffin. Dächer seien meist schwarz, weil auf ihnen oft Materialien wie Asphalt und Teer eingesetzt werden. Doch wegen der Temperaturen sei es sinnvoll, weiße Dächer zu bauen, meint Gaffin. "Deswegen sagen wir: Hell ist das neue Schwarz."

wbr

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